Hans Jörg Walter geht. Er gibt die Leitung des Orchesters der Markdorfer Musikfreunde ab. Und damit geht eine Ära zu Ende. 44 Jahre hat er das Ensemble geleitet. Und der erste Konzertauftritt war 1974, noch bevor der Musikfreunde-Verein offiziell gegründet wurde.

Ursprünglich wollte Hans Jörg Walter nur mitmusizieren

„Ich war damals noch Junglehrer, Musik und Mathematik“, erinnert sich Walter. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hans-Peter Sailer teilte er sich die schulische Chor- beziehungsweise Orchester-Arbeit. Sailer war für den Schul-Chor zuständig, der damals noch Singkreis hieß, und Walter für das Kammer-Orchester. Und genau genommen, war Walter in diese Arbeit eher unfreiwillig hineingerutscht. „Ursprünglich wollte ich ja nur mitmusizieren“, sagt er. Doch dann wurde ihm das Dirigat gewissermaßen aufgenötigt.

Hans Jörg Walter bei seinem Abschieds-Serenadenkonzert in der Markdorfer Stadthalle.
Hans Jörg Walter bei seinem Abschieds-Serenadenkonzert in der Markdorfer Stadthalle. | Bild: Jörg Büsche

1975 wurden die Musikfreunde Markdorf gegründet

Erst 1975 gingen aus Kammerorchester und Singkreis die „Musikfreunde Markdorf“ hervor. Diese weiteten freilich die zunächst auf die Schulmusik am noch neuen Markdorfer Bildungszentrum (BZM) beschränkte Perspektive aus: auf den gesamtstädtischen Resonanzraum, wie es Eugen Bauer, damals noch Bürgermeister, 1985 in der Jubiläumsschrift zur Musikfreunde-Gründung beschrieben hat.

So zahlreich wie die Kooperationspartner in der Region – von kirchlichen Singkreisen bis hin zur Markdorfer Stadtkapelle – waren, so vielfältig waren die Auftrittsorte- und Anlässe. Das Spektrum reicht vom Sommerfest bis hin zu Firmen-Jubiläen.

"Mir hat es immer unglaublich viel Freude gemacht, hier in dem Orchester mitzuspielen, das ja vor allem von Hans Jörg Walter getragen wird", sagt Sonja Schumacher. "Seine Begeisterung ist ansteckend. Und es gelingt ihm immer wieder, uns mit ausgesucht schönen Stücken zu überraschen."
"Mir hat es immer unglaublich viel Freude gemacht, hier in dem Orchester mitzuspielen, das ja vor allem von Hans Jörg Walter getragen wird", sagt Sonja Schumacher. "Seine Begeisterung ist ansteckend. Und es gelingt ihm immer wieder, uns mit ausgesucht schönen Stücken zu überraschen." | Bild: Jörg Büsche

Damals wie heute: "Weil es Spaß macht"

Nach ihrem Antrieb befragt, im Musikfreunde-Orchester mitzuspielen, antworten die Bratschistinnen Waltraud Bischof und Sonja Schumacher heute, dass es ihnen einfach großen Spaß bereite. „Weil's Spaß macht“, war auch die Begründung, mit der Hans Jörg Walter 1985, zehn Jahre nach der Orchester-Gründung, für die Mitgliedschaft darin warb.

Und noch etwas stellte er damals heraus: Die Musiker spielen für sich selbst, gleichermaßen wie auch für ihre Zuhörer, im Familien- oder Freundeskreis oder in der Öffentlichkeit.

Auftritte in der Partnerstadt, beim Stadtfest und auf dem Ochsenplatz

Zum Beispiel in Ensisheim, der französischen Partnerstadt von Markdorf, wo Hans Jörg Walter mit seinem Musikfreunde-Orchester in den 1970er-Jahren mehrfach aufgetreten ist. Sehr gut erinnern kann er sich auch an die Auftritte im Rahmen der Kinder-Theateraufführungen beim Markdorfer Stadtfest, wo der „Rattenfänger von Hameln“ oder die „Bremer Stadtmusikanten“ begleitet wurden.

Gespielt hat das Ensemble auch für Senioren – in der Markdorfer Stadthalle, in Bermatingen, in Kluftern. Und bis heute treten die Musiker regelmäßig im Seniorenzentrum St. Franziskus in der Markdorfer Spitalstraße auf. Es wurde aber auch auf dem Ochsenplatz musiziert, im Hof des Bischofsschlosses oder im „Haus im Weinberg“.

Lange wurde dienstags und freitags geprobt

„Anfangs waren wir nur 15 Mitglieder“, erklärt Hans Jörg Walter, „später dann schon 25.“ Allerdings habe es Niveau-Unterschiede gegeben, sodass Walter sein Orchester irgendwann in zwei Gruppen aufgeteilt hat: eine für die bereits Fortgeschritteneren, die andere für jene, die ihre Technik erst noch entfalten wollten. Lange gab es am Dienstag- und am Freitagabend Proben, bis Walter sein Orchester irgendwann doch wieder zusammenführte.

"Es ist schon etwas Besonderes, wie er Jung und Alt unter einen Hut bringt", sagt Waltraud Bischof. "Ich finde es immer wieder spannend, wie das zusammen harmoniert. Und es ist zu spüren, dass er diese Arbeit sehr, sehr gerne macht – mit größtem Engagement. Ich finde es schade, dass Hans Jörg Walter nun aufhören will."
"Es ist schon etwas Besonderes, wie er Jung und Alt unter einen Hut bringt", sagt Waltraud Bischof. "Ich finde es immer wieder spannend, wie das zusammen harmoniert. Und es ist zu spüren, dass er diese Arbeit sehr, sehr gerne macht – mit größtem Engagement. Ich finde es schade, dass Hans Jörg Walter nun aufhören will." | Bild: Jörg Büsche

Aus des Dirigenten-Sicht ist es das gute Klima im Orchester, dass die Musiker wieder und wieder ins Theaterstudio im Bildungszentrum kommen lässt, um Bach, um Mendelssohn Bartholdy, Mozart, Händel, aber auch Britten zu üben. Um gemeinsame Konzertauftritte vorzubereiten – und dort das zu bekommen, was laut Walter ein ebenso wichtiges Motiv für seine Musiker ist: „den Applaus, das Lob der Zuhörer“.

Für den einzigen Ausrutscher sorgte Walters Hund

„Daneben ist in all den Jahren nie ein Konzert gegangen“, blickt Hans Jörg Walter zurück. Lediglich einen Ausrutscher habe es gegeben. Da habe er seinen Hund dabei gehabt – und der begann mit einem Mal zu bellen. Das Publikum nahm es mit Humor.

Nun sei es ihm zu viel, erläutert Walter, der neben dem Musikfreunde-Orchester noch das Ärzte-Orchester und den Markdorfer Gospelchor leitet. Den Taktstock übergibt er an Johannes Eckmann, der auch das „Junge Kammerorchester“ der Musikschule Markdorf leitet – und beim jüngsten Serenadenkonzert des Musikfreunde-Orchesters vor einigen Wochen neben Walter dirigiert hat.