"Hallo! Gibt es in der Umgebung eine Igelstation? Ich habe einen Igel in meinem Garten gefunden und er ist echt ziemlich zutraulich. Auch wenn man ihn anfasst, bewegt er sich überhaupt nicht. Er trinkt auch nichts. Kennt jemand was?" Mit diesem Anliegen hat sich die Markdorferin Louisa Schöttke vergangenen Sommer an die Facebook-Seite "Spotted: Markdorf" gewendet. Eine Antwort folgte prompt: "Ja, bitte melde dich hier: www.facebook.com/TierSchutzVereinMarkdorf".

Schnelle Hilfe von Bürgern für Bürger. Das ist das Prinzip hinter der Facebook-Seite. Doch was heißt "Spotted" eigentlich? Es heißt "entdeckt". Schöttke etwa hat für den Igel in ihrem Garten eine Auffang-Station gefunden. "Ich war froh, dass andere Leute im Umkreis mir schnell weiterhelfen konnten", blickt die Studentin zurück. Sie ist froh, dass die Geschichte gut ausgegangen ist. "Dem Igel hat es an nichts gefehlt, die Frau dort hat ihn eine Woche bei sich gepflegt und dann konnte er wieder in die Wildnis."

Der Beitrag von Studentin Louisa Schöttke: Sie hat sich im vergangenen Sommer an "Spotted: Markdorf" gewendet, als sie einen zutraulichen Igel bei sich im Garten entdeckte.
Der Beitrag von Studentin Louisa Schöttke: Sie hat sich im vergangenen Sommer an "Spotted: Markdorf" gewendet, als sie einen zutraulichen Igel bei sich im Garten entdeckte. | Bild: Screenshot Südkurier

Schöttke ist eine von zahlreichen Markdorfern, die sich mit einem sozialen Anliegen an "Spotted: Markdorf" wendet. Mittlerweile hat die Facebook-Seite etwa 3 400 Gefällt-mir-Angaben – und es werden immer mehr. Die Inhalte der Seite reichen von Beiträgen des Tierschutzvereins Markdorf über Wohnungs- und Personengesuche bis hin zu Jobangeboten für Studenten.

Doch wer steckt hinter der anonymen Seite? Der Initiator von "Spotted Markdorf" ist 28 Jahre alt, in Markdorf aufgewachsen und hat ein Herz für Tiere. Aus persönlichen Gründen möchte er unerkannt bleiben. "Das Prinzip hinter der Seite ist Anonymität", begründet der junge Mann. Er hat "Spotted: Markdorf" 2013 ins Leben gerufen, um etwas Gutes zu bewirken.

Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem der 28-Jährige keinen Beitrag teilt. Unterstützt wird er dabei von einem guten Freund. "Mir ist es alleine einfach zu viel geworden, ich arbeite Vollzeit. Jetzt freuen wir uns, zu zweit, etwas zur Gemeinde beitragen zu können."

Sozialer Gedanke steht im Vordergrund

In den ersten Jahren nach der Gründung waren die Inhalte auf der Facebook-Seite sehr einseitig. "Es ging rein um das Prinzip: Person A sucht Person B", blickt der Initiator zurück. Nach und nach seien allgemeinere Anliegen hinzugekommen. Markdorfer wenden sich etwa auch an die Seite, wenn sie einen Hautarzt suchen oder ihnen eine Katze zugelaufen ist.

"Ich habe beschlossen, alle Beiträge zu posten, die einen Hilfe-Gedanken haben. Wer also eine Wohnung anbietet, deren Mietpreis einfach außerhalb des sozialen Rahmens liegt, posten wir den Beitrag auch nicht", erklärt der junge Mann. Mittlerweile habe "Spotted: Markdorf" auch eine Art Kooperation mit dem Tierschutzverein. Das heißt: Die beiden Facebook-Seiten teilen ihre tierischen Beiträge gegenseitig. Das erhöht die Reichweite.

So sieht die Facebookseite "Spotted: Markdorf" auf den ersten Blick aus.
So sieht die Facebookseite "Spotted: Markdorf" auf den ersten Blick aus. | Bild: Screenshot Südkurier

Etwa 10 000 Personen erreicht "Spotted: Markdorf" mit einem einfachen Beitrag, meistens sind es mehr. Dabei ist die Anzahl der täglichen Anfragen sehr unterschiedlich. "Mal bekommen wir am Tag eine Nachricht, mal sind es fünf oder mehr", berichtet der Seitengründer. Wie viele der Anliegen auch wirklich geklärt werden, kann er nicht sagen. Menschen, die in der Öffentlichkeit arbeiten – also etwa in einer Bäckerei – würden aber in aller Regel gefunden. "Was am Ende daraus wird, geht uns nichts an. Wir sind nur da, um zu vermitteln", sagt der 28-Jährige.

Zielgruppe reicht von 14 bis 40-Jährige

Während es in den ersten Jahren von "Spotted: Markdorf" fast ausschließlich Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren waren, die sich mit Anliegen an die Seite gewendet haben, ist die Altersgruppe heute sehr differenziert. "Nicht selten schreiben mir Leute, die ich auf Ende 30 schätze." Der 28-Jährige begründet das durch die größer gewordene Bandbreite an Themen. Damit nimmt auch die Arbeit für die beiden Seitenbetreuer zu. Besonders zeitraubend: die Kommentare. "Eigentlich sollten wir täglich kontrollieren, was die Nutzer unter unseren Beiträgen kommentieren, aber manchmal fehlt einfach die Zeit", gibt der junge Mann zu.

Eine Geschichte in den vergangenen Wochen ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Es ist die Geschichte von einem verlorenen Plüschtier. "Jemand hat in Markdorf ein Kuscheltier gefunden. Daraufhin hat er uns geschrieben. Wir haben den Beitrag geteilt und voilá: Auf diese Weise hat das Plüschtier wieder den Weg zu seinem Kind gefunden."