Auf 249 800 Tonnen wird die Apfelernte am deutschen Bodenseeufer geschätzt. „Es ist ein von Anfang an durchschnittliches Jahr“, sagt Tobias Marquart, Obstbauer aus Ittendorf. „Endlich mal wieder ein Normaljahr“, formuliert es Manfred Büchele, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Obstbau-Bodensee (KOB) in Bavendorf.

Manfred Büchele, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Obstbau-Bodensee, erwartet eine normale Ernte. Hinter ihm Äpfel der Clubsorte Wellant. Die Clubsorten steigen im Verhältnis zu den anderen Apfelsorten.
Manfred Büchele, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Obstbau-Bodensee, erwartet eine normale Ernte. Hinter ihm Äpfel der Clubsorte Wellant. Die Clubsorten steigen im Verhältnis zu den anderen Apfelsorten. | Bild: Wex, Georg

Die Ernte 2017 war mit 86 000 Tonnen hingegen eine „Katastrophe“, so Marquart. Bei der Ernte 2018 sei der wirtschaftliche Ertrag für die rund 290 500 Tonnen vom Bodensee „ganz im Keller“ gewesen. Hintergrund war die Riesenernte in der Europäischen Union (13,3 Millionen Tonnen Äpfel), was die Absatzmöglichkeiten und Preise reduzierte. Der wirtschaftliche Erlös sei unter den Produktionskosten gewesen, erklärt Marquart.

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„Es besteht die Hoffnung, dass eine gute Ernte den Bauern wieder etwas Luft verschaffen kann, was die Einkommen betrifft“, betont Büchele. Marquart sieht das kritischer, insbesondere das Erntejahr 2017 habe bei vielen Obstbauern zu Kreditaufnahmen geführt, die erst einmal abbezahlt werden müssten.

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Die seit vergangenem Jahr angebotenen Frostversicherungen kosteten zusätzlich Geld. Ohne Hagelschutznetze gehe es auch nicht mehr, so Marquart und Büchele. Das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Biene“ wecke weitere Zukunftsängste, so der Ittendorfer Landwirt.

Streuobst bildet Ausnahme

Bei der Ernteerwartung für Äpfel gibt es eine Ausnahme, das Streuobst, wo mit einer schlechten Ernte durch die Alternanz (Schwankung des Fruchtertrags) gerechnet wird. Philipp Kopp von der Mosterei Kopp aus Obersiggingen, die Streuobst zu Most und Saft verarbeitet und auch Streuobstwiesen besitzt, sieht das differenziert.

Nach Zahlen des Verbands der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF) wird die bundesweite Ernte nur ein Drittel, rund 350 000 Tonnen Äpfel, der Vorjahresmenge erbringen. Die Hälfte komme aus Baden-Württemberg.

Philipp Kopp auf der Streuobstwiese unmittelbar neben der Mosterei Kopp in Obersiggingen. Im Hintergrund ist zu sehen, dass Streuobstbäume teilweise wenige Früchte haben (links), andere, (Börtlinger Weinapfel im Hintergrund), dagegen voll hängen.
Philipp Kopp auf der Streuobstwiese unmittelbar neben der Mosterei Kopp in Obersiggingen. Im Hintergrund ist zu sehen, dass Streuobstbäume teilweise wenige Früchte haben (links), andere, (Börtlinger Weinapfel im Hintergrund), dagegen voll hängen. | Bild: Wex, Georg

Der Behang der Streuobstbäume könne sehr unterschiedlich sein, meint Kopp zur Situation im Umland, je nachdem, wo der Baum stehe. Haupteinfluss sei sicher die Alternanz. „Ein Großteil der Streuobstbäume hat sich im vergangenen Jahr ausgepowert“, sagt Kopp.

Frost, Trockenheit und Hagel

Dazu komme in manche Lagen Frost, Regen während der Bestäubungszeit, möglicherweise auch Folgen der Trockenheit sowie Richtung Salem/Frickingen auch Hagel. Für den Mostereibetrieb sieht er dadurch keine Probleme. „Es wird langen“, glaubt Kopp, man habe Reserven aus dem vergangenen Jahr.

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Am Bodensee habe man im Erwerbsobstbau die Alternanz durch Produktionstechnik und weniger anfällig Sorten derzeit besser im Griff als anderenorts, berichtet der KOB-Geschäftsführer. Fragen sind jetzt, inwieweit nach einem Billigmarkt die Preise wieder anziehen, erläutert Büchele.

Der Marktsituation wäre es angemessen (EU-Ernte minus 20 Prozent). Wenn dies geschehe, was komme davon beim Landwirt an? 20 Cent pro Kilo Äpfel sind nicht ausreichend, sondern unter den Produktionskosten, sagt Marquart. 35 bis 40 Cent pro Kilo müssten es schon sein.