Nicht viele Menschen erhalten die Gelegenheit, mit ihrem Ehepartner den 60. Hochzeitstag zu feiern. Es ist etwas Besonderes, einem Menschen sechs Jahrzehnte lang die Treue zu halten. Auch wenn es Peter Kania gar nicht zu hoch hängen möchte. "Man muss so alt werden wie wir", lautet seine bescheidene Antwort auf die Frage, was man tun sollte, damit eine Ehe so lange hält. Aber dieser Satz sagt noch etwas viel Wichtigeres aus. An der Liebe wurde nie gezweifelt.

Peter Kania wartet bereits auf seinen Besuch.
Peter Kania wartet bereits auf seinen Besuch. | Bild: Heuser, Christoph

Dabei begann alles ganz unverfänglich. "Wir haben uns an Fasching in Dresden kennengelernt", schüttelt Peter Kania noch heute ungläubig den Kopf. Denn weder der 83-Jährige, noch seine ein Jahr jüngere Frau Elisabeth hätten im Frühjahr 1954 daran gedacht, dass daraus eine Ehe entstehen könnte.

Diese wurde zugleich vor einige Herausforderungen gestellt. 1956 ging Elisabeth für ein Jahr als Au-pair nach England. "Ich musste weg, wollte raus aus der DDR", erinnert sie sich, "aber ich kam natürlich wegen ihm zurück". Es sollte sich lohnen. 1958 folgte die standesamtliche Trauung, eine kirchliche gab es nicht. "Wir waren bettelarm", sagt Kania, "aber glücklich".

Peter Kania und Elisabeth Kania schauen sich ein Bild ihrer Hochzeit im Jahr 1958 an.
Peter Kania und Elisabeth Kania schauen sich ein Bild ihrer Hochzeit im Jahr 1958 an. | Bild: Heuser, Christoph

Das junge Ehepaar verzog sich 1960, ein Jahr vor dem Mauerbau, in den Westen. Peter Kania studierte Flugzeugbau und bekam eine Stelle bei Dornier. 1972 bauten Elisabeth und Peter Kania ihr Eigenheim in der Schillerstraße. "Wenn meine Frau nicht ohne zu murren die häuslichen Aufgaben übernommen und die Kinder großgezogen hätte, wäre es nicht gegangen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar", sagt Peter Kania, der regelmäßig Arbeitstage von bis zu zwölf Stunden hatte – er war Projektleiter des Alpha Jets.

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Tipps für ein gedeihliches Zusammenleben wollen beide nicht geben. Nur so viel: "Man muss sich aufeinander einlassen, ohne sich völlig hinzugeben", meint Elisabeth Kania. "Heute ist ohnehin jeder Partner selbstständig", ergänzt ihr Mann. Außerdem müsse auch jeder seinen eigenen Hobbys nachgehen. "Dann hat man sich auch immer etwas zu erzählen", so Elisabeth Kania, die leidenschaftlich gerne Bridge spielt. Peter Kania hält sich hingegen mit Tennis fit.

Geteilt haben beide ihre Reiselust, die sie um die ganze Welt führte. "Wer in der DDR gelebt hat, für den ist Freiheit ein ganz hohes Gut", unterstreicht Peter Kania. Weite Sprünge sind mittlerweile nicht mehr möglich, doch unterwegs sind beide nach wie vor sehr gerne. Das Wochenende verbringt das Paar in Baden-Baden und besucht am Samstag im Festspielhaus die Oper "Die Zauberflöte".

Elisabeth und Peter Kania nach ihrer Trauung im Jahr 1958.
Elisabeth und Peter Kania nach ihrer Trauung im Jahr 1958. | Bild: Heuser, Christoph