Der Sommer geht zu Ende. Und aus rein meteorologischer Sicht hat der Herbst ohnehin schon begonnen. Ein Grund mehr, schnell noch in jenes Buch zu blicken, das Beatrice Unterricker, Bibliothekarin am Markdorfer Bildungszentrum, in diesem Jahr als Sommerlektüretipp empfohlen hat. „Ein letzter Sommer in Méjean“ heißt der von Cay Rademacher geschriebene Kriminalroman.

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Nach 30 Jahren gibt es eine neue Spur

Alles ist drin. Singende Zykaden, der Duft nach Piniennadeln, nach Strand, nach Meer. Aber auch der Geruch nach Schimmelsporen, der aus der Klimaanlage der Polizeipräfektur dringt. Der Ursache für seinen Krebs, wie Kommissar Marc-Antoine Renard mutmaßt. Immerhin, er hat den Kampf gegen die Krankheit wider Erwarten gewonnen und will nun seinen Dienst als Drogenfahnder wieder aufnehmen. Doch daraus wird nichts. Sein Chef möchte niemanden auf den Fersen von Dealern sehen, der fortwährend selber Pillen schluckt. Zudem beauftragt er Kommissar Renard mit einem Mordfall, bei dem es – 30 Jahre nach der Tat – eine neue Spur gibt.

Verhängnisvolle Urlaubsreise

„Es ist diese Art, Personen zu erzählen, die mich fasziniert hat“, erklärt Bibliothekarin Unterricker. Vom kühl funktionierenden Kader-Beamten-Chef über den ob seines Sonderauftrags so überhaupt nicht amüsierten Kommissar bis hin zu den vermeintlichen Verdächtigen. Fünf Deutsche, die im Sommer 1984 ihren Schulabschluss im Ferienhaus von Michaels Eltern gefeiert haben. Michael ist der Sechste in der Clique – und das Mordopfer. Fünf Deutsche, die inzwischen allesamt ein bürgerlich arriviertes Leben führen und durch einen geheimnisvollen Brief jäh an die Vergangenheit erinnert werden.

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Autorin beweist genaue Beobachtungsgabe

Das sei schon ziemlich genau beobachtet, wie Cay Rademacher sich in die Psychen der Sportlehrerin, der Landesministerin, der beiden Banker und des renommierten Künstlers hineinversetzt. So gar nicht schablonenhaft, betont Beatrice Unterricker, sondern überaus überzeugend.

Cay Rademacher: Ein letzter Sommer in Méjean. Kriminalroman, 464 Seiten, Dumont Buchverlag, 22 Euro