Wie ist die Reise gelaufen?

Es hätte nicht besser laufen können. Allerdings war das Wetter suboptimal, es war anfangs kalt, obwohl wir uns auf Sommer eingestellt hatten. Die kälteste Nacht erlebten wir mit minus zwei Grad auf 2000 Metern Höhe in Georgien.

Sie sagen, Sie hätten den vierten Platz gemacht. Sind Sie damit zufrieden?

Ganz ehrlich? Eigentlich ist ja jeder, der nicht auf dem Treppchen landet, Vierter. Unser primäres Ziel war, Spaß zu haben und viele Menschen kennenzulernen. Daher haben wir auch nie die direkteste Route gewählt, sondern die schönste, spektakulärste. So haben wir viele Freunde gefunden, bei denen ich jetzt Urlaub machen könnte.

Wie viele Kilometer haben Sie zurückgelegt?

In 21 Tagen waren es 9610 Kilometer. Es wären weniger gewesen, aber in Bosnien haben wir uns einmal übel verfranzt und sind an der Grenze zu Montenegro gelandet. Von da an lagen wir zurück, waren aber nicht die Letzten, die in Istanbul ankamen.

Bei Platz eins hätten Sie ein Kamel gewonnen. Was macht man mit so einem Tier in Deutschland?

Die Frage stellte sich für uns nicht, obwohl in diesem Jahr die Möglichkeit bestanden hätte, das Tier aus der Türkei herzubringen. Aber es war das hässlichste Kamel der Welt, braun und teilweise ohne Fell. Schweizer Fahrer haben es gewonnen und die wollten es mitnehmen. Früher, von Jordanien aus, wäre das nicht gegangen.

Warum tut man sich so eine Strapaze an?

Wir sind sechs Freunde und alle keine Pauschaltouristen. Ich möchte auf einer Reise so viel wie möglich sehen und erleben, der Abenteuerfaktor zählt.

Wie haben sich die drei Volvos bewährt?

Top, es sind trotz ihres Alters absolut zuverlässige Autos. Wir hatten einmal ein Problem mit einer Kupplung, haben uns in Ankara eine neue für 150 Euro gekauft und nie gebraucht. Sie liegt immer noch im Kofferraum. Die einzigen Ausfälle waren das Handschuhfachbirnchen und das Abblendlicht. Dreimal mussten wir Reifen wechseln, aber wir hatten vier Ersatzräder dabei. Wir wollen die Fahrzeuge wieder aufbauen und entweder für einen guten Zweck verkaufen oder für die nächste Rallye benutzen.

Worum geht es bei der Rallye überhaupt?

Der Grundgedanke ist, Spaß mit Völkerverständigung und humanitärer Hilfe zu verbinden. So haben wir Autos voller Sachspenden in ein Kinderheim nach Pristina gebracht.

Die größte Herausforderung?

Zwischenmenschlich war es nicht immer einfach, sechs Charaktere unter einen Hut zu bekommen. Wenn es mal geharzt hat, haben wir uns abends wieder gut verstanden. Technisch war es für die Autos hart: Schotterpisten, Geröll, Felsen und Flüsse.

Die größte Überraschung?

Erlebten wir in Podochori in Griechenland. Spätabends landeten wir in dem 200-Seelen-Ort und hatten Hunger, aber alles war geschlossen. Bis auf ein Restaurant, in dem noch Licht brannte. Die Wirtsleute sprangen in die Küche und zauberten Berge leckerer Speisen, von Salaten über Fleischgerichte bis hin zu Gemüsen und Dessert, einfach klasse. Meine Schwester bestellte vegetarisch und bekam ein Hühnchen, das sie nicht essen konnte. Wir haben das heimlich übernommen, denn wir wollten höflich sein.

Die größte Enttäuschung?

Das angekündigte Hochgeschwindigkeitsrennen auf einem Salzsee. Abends angekommen, stellten wir im Mondlicht fest, dass dort statt Salz Wasser schimmerte, und erfuhren, der Salzsee sei nur im Juli trocken. Das Highspeed-Rennen, auf das wir uns so gefreut hatten, fand am Ufer statt – mit Durchschnittstempo 40.

Was hat Ihnen bei der Rallye am besten gefallen?

Die Vielfältigkeit der Länder und die Erkenntnis, dass Türkei nicht nur aus Strand und Mittelmeer besteht. Wir haben großartige, spektakuläre Landschaften erlebt und überall freundliche, hilfsbereite Menschen. Wo immer wir auftauchten, egal in welchem Land, waren wir die Helden.

Würden Sie eine solche Aktion nochmals machen?

Sofort. Am liebsten gleich morgen.
 

Zur Person

Patrick Zwerger, geboren im Oktober 1983 in Friedrichshafen, hat seine Kindheit und Jugend in Markdorf verbracht. In Konstanz studierte er Germanistik, machte ein Redaktionsvolontariat und arbeitete bis April als Redakteur bei einer Tuning-Zeitschrift in Krauchenwies. Ab 1. Juni wird Patrick Zwerger bei der Firma Layer in Tettnang in der Unternehmenskommunikation tätig sein. (thu)