Eigentlich ist irgendwie ein einstiger Nachbar schuld, dass der Markdorfer Egon Wegmann, Jahrgang 1941, als Neunjähriger seine Liebe zu Motoren, Maschinen und Technik entdeckt hat. „Ich kaufte mir vom gesparten Geld eine Spielzeug-Tankstelle aus Blech. Daheim sagte mir der Nachbar, er war Küfer und hatte eine Werkstatt in der Ravensburger Straße 24, wo ich wohnte: ‚Ein ordentlicher Bub in deinem Alter muss doch eine Dampfmaschine haben.‘ Also bin ich wieder los und hab‘ die Tankstelle umgetauscht...“

Mit dieser Modelldampfmaschine fing Egon Wegmanns Begeisterung für Motoren und Technik an. Er hat sich als Neunjähriger dieses Spielzeug gekauft, es funktioniert wie am ersten Tag. Auf dem Bild im Hintergrund ist eine historische Dampfmaschine zu sehen, wie sie einst in Gebrauch war.
Mit dieser Modelldampfmaschine fing Egon Wegmanns Begeisterung für Motoren und Technik an. Er hat sich als Neunjähriger dieses Spielzeug gekauft, es funktioniert wie am ersten Tag. Auf dem Bild im Hintergrund ist eine historische Dampfmaschine zu sehen, wie sie einst in Gebrauch war. | Bild: Ganter, Toni

Die mit dem Trockenbrennstoff Esbit betriebene Modelldampfmaschine funktioniere noch wie am ersten Tag, bekräftigt der leidenschaftliche Tüftler grinsend. Der gelernte Maschinenschlosser – heute in etwa mit dem Beruf des Industriemechanikers vergleichbar – weiß auch, was der Begriff Esbit bedeutet: „Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform.“ Schumm, 1907 in Stuttgart geboren, war Unternehmer und Erfinder, der zig Patente weltweit inne gehabt habe. „Aber das ist eine ganz andere Geschichte“, sagt Wegmann, der zu diversesten Oldtimern, Motoren und Maschinen gefühlt unendlich viele Erzählpfade einschlagen könnte.

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Aber zurück zum Thema Patina. Für ein „Patina-Treffen“, das am 24./25. Oktober 2020 im Auto- und Traktormuseum, Gebhardsweiler 1, in Uhldingen-Mühlhofen stattfinden wird, hat sich Egon Wegmann zusammen mit seinem Sohn Christian richtig viel Arbeit gemacht. Sie wollen dann ein NSU Kettenkrad mit Anhänger sowie ein Motorrad des französischen Herstellers Gnome Rhone ausstellen.

Video: Ganter, Toni

Über das Motorrad mit Boxermotor weiß Egon Wegmann aus dem Stegreif interessante Details. Die Maschine wurde für das Militär hergestellt und deren Prototypen Belastungstests unterzogen. Das sei sozusagen eine Art Vorreiter der späteren Rallye Paris – Dakar gewesen.

Video: Ganter, Toni

Das NSU Kettenkrad, Baujahr 1945, wurde als kleine Zugmaschine eingesetzt. Wie viele Stunden Egon Wegmann und sein Sohn daran gearbeitet haben? „Das haben wir nie gezählt“, sagt der Rentner im Unruhestand. Jedenfalls seien rund dreieinhalb Jahre ins Land gegangen und es habe vier Fahrten in die Tschechei gebraucht, um Verschleiß- und Ersatzteile zu besorgen...

Ein NSU Kettenkrad, Baujahr 1945, 4-Zylinder-Benzinmotor von Opel mit 36 PS. Rund 3,5 Jahre dauerten die Restaurierungsarbeiten inklusive vier Fahrten in die Tschechei, um dort Verschleiß- und Ersatzteile zu besorgen.
Ein NSU Kettenkrad, Baujahr 1945, 4-Zylinder-Benzinmotor von Opel mit 36 PS. Rund 3,5 Jahre dauerten die Restaurierungsarbeiten inklusive vier Fahrten in die Tschechei, um dort Verschleiß- und Ersatzteile zu besorgen. | Bild: Ganter, Toni

In einer Ecke seines Lagers steht ein alter Motor eines Opel Olympia mit 34 PS. „Solche Motoren wurden in Kettenkrädern verwendet“, berichtet Wegmann.

Auch ein Schätzchen: ein alter Opel-Motor des Modells „Olympia“ mit 34 PS.
Auch ein Schätzchen: ein alter Opel-Motor des Modells „Olympia“ mit 34 PS. | Bild: Ganter, Toni

Egon Wegmanns Blick fällt auf ein vergilbtes, rissiges Foto, das auf eine Holztafel geklebt wurde. Und er weiß sofort, wann und wo das Foto entstanden ist: Es zeigt eine Szene eines Ausflugs mit einem Lanz Bulldog, Baujahr 1948, 25 PS, mit einer Gruppe Männern. „Das war 1980 mit Arbeitskollegen auf dem Tannenhof im Deggenhausertal, kurz vor der Abfahrt nach Illmensee.“

Lang ist‘s her: Dieses Foto zeigt eine Szene eines Ausflugs mit einem Lanz Bulldog, Baujahr 1948, 25 PS, aus dem Jahr 1980 auf dem Tannenhof/Deggenhausertal kurz vor der Abfahrt nach Illmensee (von links): Ernst Otilie, Emil Mattes, Jürgen Deschler, Gottfried Achsenik, Siegfried Herold, Johannes Diettrich, Egon Wegmann und Heinz Bauer.
Lang ist‘s her: Dieses Foto zeigt eine Szene eines Ausflugs mit einem Lanz Bulldog, Baujahr 1948, 25 PS, aus dem Jahr 1980 auf dem Tannenhof/Deggenhausertal kurz vor der Abfahrt nach Illmensee (von links): Ernst Otilie, Emil Mattes, Jürgen Deschler, Gottfried Achsenik, Siegfried Herold, Johannes Diettrich, Egon Wegmann und Heinz Bauer. | Bild: Archiv Egon Wegmann

In seiner Werkstatt zeigt der Tüftler eines seiner wichtigsten Geräte: Eine kleine kombinierte Dreh- und Fräsmaschine – die ist beispielsweise für das Fertigen von Ersatzteilen unentbehrlich, die auf dem Markt nur schwer oder gar nicht mehr zu bekommen sind.

Diese kombinierte Dreh- und Fräsmaschine ist für den Tüftler Egon Wegmann unentbehrlich. Damit kann er Ersatzteile herstellen, die er für Restaurierungen benötigt. Sogar könnte Wegmann aus Draht eine Zug- oder Druckfeder wickeln.
Diese kombinierte Dreh- und Fräsmaschine ist für den Tüftler Egon Wegmann unentbehrlich. Damit kann er Ersatzteile herstellen, die er für Restaurierungen benötigt. Sogar könnte Wegmann aus Draht eine Zug- oder Druckfeder wickeln. | Bild: Ganter, Toni

Lieblingsstück ein historisches Motor-Lokomobil

Wegmanns Lieblingsstück ist ein sogenanntes Motor-Lokomobil, Baujahr 1897. Solche auf Anhängern fahrbaren Dampfmaschinen waren universell einsetzbar. Beispielsweise in der Landwirtschaft. „Die wurden mit einem Benzin-Petroleum-Gemisch betrieben“, erzählt Wegmann. „Mit solchen Motor-Lokomobilen sind beispielsweise Dreschmaschinen angetrieben worden – oder es konnte mit einem angeschlossenen Generator Strom erzeugt werden.“

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Bewegtes Berufsleben mit vielen Herausforderungen

Egon Wegmann hat während seines beruflichen Werdegangs so einiges erlebt. Auszugsweise ein paar Stationen. 1955 begann er seine dreieinhalbjährige Lehre zum Maschinenschlosser bei Porsche Diesel in Friedrichshafen-Manzell – dort ist heute das MTU-Werk II. „Damals lief etwa alle acht Minuten ein Schlepper vom Band“, erzählt Wegmann. Auch bei Maybach hat er dann gearbeitet – als Motorenmechaniker. Oder beim Motorrad-Hersteller Maico. In den 60ern sei er in seiner Freizeit als Mechaniker des Allgäuer Motorradrennfahrers Toni Gruber tätig gewesen.

Und noch ein Spezialgerät: Mit diesem Prüfstand kann Egon Wegmann restaurierte Ölpumpen von Lanz-Bulldog-Traktoren durchchecken und einstellen, damit der Motor je nach Belastung immer richtig geschmiert wird.
Und noch ein Spezialgerät: Mit diesem Prüfstand kann Egon Wegmann restaurierte Ölpumpen von Lanz-Bulldog-Traktoren durchchecken und einstellen, damit der Motor je nach Belastung immer richtig geschmiert wird. | Bild: Ganter, Toni

Beim Horex-Spezialisten Friedel Münch gearbeitet

Ein paar Jahre beschäftigte sich Egon Wegmann auch beruflich mit Motorrädern – bei Friedel Münch. „Ein Spezialist für Horex-Motorräder. Wir lernten uns während Motorradrennen kennen, als ich defekte Räder zentrierte... Wir haben bei Münch das damals schnellste Serienmotorrad gebaut. Etwas Stärkeres oder Schnelleres gab es nicht“, erzählt Wegmann.

Berufliche Station bei Josef Wagner Helikoptertechnik

Von 1968 bis 1974 hat es für Egon Wegmann ein ganz anderes berufliches Betätigungsfeld gegeben: bei Josef Wagner Helikoptertechnik, das Werk war im Friedrichshafener Löwental. „Damals wurde der ‚Sky-Trac‘ entwickelt, ein ‚Himmelstraktor‘. Wagner war die erste Firma, die eine Musterzulassung für einen Hubschrauber bekommen hat“, erinnert sich Wegmann. Erwähnenswert auch Wegmanns Zeit ab 1987 beim Unternehmen ABS als Flugzeugmechaniker im Prototypenbau.

Oder ab 1992 beim Markdorfer Unternehmen Albert Weber, wo er den Versuchsbau mitaufgebaut und an der Weiterentwicklung des Motors MPE 750 mitgewirkt habe. „Aber das sind ganz andere Geschichten. Das Leben ist viel zu kurz, ich sag‘s euch...“ Ein Tüftler-Tag des Egon Wegmann könnte auch 48 Stunden dauern und er wüsste immer genug zu tun.