Markdorf – Eins vorweg: Eigentlich könnten zumindest bei den Katholiken die Gottesdienste am Sonntag ausfallen, standen doch mit Pfarrer Ulrich Hund, Vikar Johannes Treffert und Salems Dekan Peter Nicola gleich drei Geistliche bereits vor der Pause in der Bütt und "predigten" vor großem Publikum. In der vollen Stadthalle feierten Narren und Fasnet-Fans beim "Dreckkübelgschwätz" der Historischen Narrenzunft am Dienstagabend den wieder einmal scharf gewürzten Abschied von der Fasnet. Verstärkung bekam Kübel-Moderator Dietmar Bitzenhofer bei Begrüßung und Moderation diesmal von Zunftmeisterin Birgit Beck und ihrem Vize Hardy Frick. Schließende Gaststätten, bald eine autofreie Stadt und keine Einkaufsbummler mehr? "Bitze" legte den Finger in die Wunde und leitete auch zum Markdorfer "Bauboom" über, der als Thema die erste Hälfte des Kübels dominieren sollte und den Stadtpfarrer Ulrich Hund gleich aufgriff.

Der Markdorfer Bauboom lässt grüßen: Pfarrer Ulrich Hund stand diesmal als Bauarbeiter im Kübel.
Der Markdorfer Bauboom lässt grüßen: Pfarrer Ulrich Hund stand diesmal als Bauarbeiter im Kübel. | Bild: Andreas Lang

In der bald renovierten Mittleren Kaplanei müsste man eine Wohnung für "den Herrn Schalski" reservieren, dass er wieder nach Markdorf ziehen und so sein Bürgerbegehren gegen den Rathaus-Umzug ins Bischofsschloss vollenden könne. "Denn in Oberteuringen ist ja sowieso nichts los.

" Für Markdorf heiße das Gebot "Innenstadtverdichtung, ohne Lücken, ohne grüne Lichtung". Wenn er fertig sei mit seiner Kaplanei könne er gleich weitermachen mit dem Heggbacher Hof, kalauerte Hund: "Aber ein Trost für Betz und Weber: Auch in der katholischen Kirche gibt es immer wieder eine Veränderungssperre." Alexander Weber, der Chef des Bauträgers und auch im Saal, nahm's mit Humor und applaudierte lachend. Zugenommen, so der klerikale Bauarbeiter, habe offenbar die Kriminalität in Markdorf: "Oder warum braucht man sonst in der Mangoldstraße so ein großes Gefängnis?"

Ins selbe Horn blies Angie Ummenhofer, wie im Vorjahr als Donald Trump in der Bütt. Einen Glückwunsch an Bürgermeister Riedmann, seine "Trump-Towers" in der Mangoldstraße seien ja jetzt fertig. "Sieht ein bisschen aus wie Alcatraz", ätzte sie über den 86-Wohneinheiten-Bau der Familienheim Bodensee, und schob gleich nach: "Jetzt hast du ein Schloss und ein Gefängnis!"

Gab sich als Ex-Papst Franziskus die Ehre in der Stadthalle: Vikar Johannes Treffert.
Gab sich als Ex-Papst Franziskus die Ehre in der Stadthalle: Vikar Johannes Treffert. | Bild: Andreas Lang

Vikar Johannes Treffert, als Ex-Papst Franziskus per "Papa-Pedesmobil" von Oberministrantin Lea Radau zur Bühne geschoben, wandelte sich in seinem 90. Lebensjahr plötzlich zum liberal-milden Hirten und wünschte sich den Gardetanz der Gardemädels der Zunft für die Liturgie in St. Nikolaus und den Markdorfer Jubiläumswein für die Messe. "Denn der kann das Leiden Christi besonders gut symbolisieren." "Gracie, gracie", dankte Franziskus Treffert in perfekt gedoubeltem bayrisch-italienischen Ratzinger-Idiom nach jedem Applausausbruch im Publikum.

Zuvor und zwischendrin gab es, fein gemacht von den Organisatoren, immer wieder närrische Einschübe: Vom Einlaufen der Gardemädels zu Fricks und Bitzenhofers Dankes-Duett an Birgit Beck. Die bekam nicht nur Blumen, sondern auch zwei Prinzenrollen. Weil sie, indem sie sich zur neuen Zunftmeisterin wählen ließ, Lisa Bitzenhofer ihren Prinzen Dietmar zurückgegeben und Jutta Frick ihren Prinzen Hardy gelassen habe. Tusch! Eine tolle erste Dreckkübel-Halbzeit.

Scharfzüngiges Finale der Fasnet in Markdorf: Zum "Dreckkübelgschwätz" der Historischen Narrenzunft strömten am Dienstagabend wieder an die 250 Fasnetbegeisterte in die Stadthalle. In der Bütt wurde auch diesmal kräftig ausgeteilt. Bilder: Andreas Lang
Scharfzüngiges Finale der Fasnet in Markdorf: Zum "Dreckkübelgschwätz" der Historischen Narrenzunft strömten am Dienstagabend wieder an die 250 Fasnetbegeisterte in die Stadthalle. In der Bütt wurde auch diesmal kräftig ausgeteilt. Bilder: Andreas Lang | Bild: Andreas Lang

Der "Dreckkübel"

Das "Dreckkübelgschwätz" der Historischen Narrenzunft ist Abschluss und Höhepunkt der Markdorfer Saalfasnet. Jeder und jede, der oder die möchte, kann in der Stadthalle in die Bütt steigen und Närrisches (und Spitziges) zum Besten geben. Am heutigen Dienstagabend berichten wir aktuell über die erste Hälfte der Veranstaltung, am Mittwoch erscheint dann unsere Berichterstattung über den zweiten Teil des Abends.