Markdorf – Die Enttäuschung war groß. Norbert Wanner, dem Helikon- und Tubaspieler der Imperial Jazz Band, ist sie immer noch anzuhören. „Ich konnte es einfach nicht glauben, dass man uns nicht einlädt zum Dixiefest“, blickt Wanner auf die Entscheidung der Markdorfer Aktionsgmeinschaft. Sie fiel schon vor vielen Wochen. Das Gremium aus Markdorfer Geschäftsleuten, das das Jazz-Event in der Markdorfer Innenstadt seit vielen Jahren veranstaltet, hatte sich fürs anstehende Dixiefest am 7. Mai mehrheitlich gegen einen Auftritt der Band entschieden. Eine Entscheidung, die in den sozialen Medien für einige Empörung gesorgt hat.

„Wir sind seit mehr als 25 Jahren dabei“, erklärt Norbert Wanner. „Wir waren letztes Jahr sogar auf dem Plakat zum Dixiefest abgebildet.“ Der Musiker zeigt sich enttäuscht. Denn in der Vergangenheit habe man stets durchgehalten, „bei Wind und Wetter in Markdorf für gute Stimmung gesorgt“. Nun ohne jede Vorankündigung nicht auftreten zu dürfen, darin sieht Wanner Undankbarkeit. Roland Wohlhüter, Trompeter der Imperial Jazz Band und selber Markdorfer, blickt aufs Publikum: „Wir haben unsere festen Fans, die immer wieder kommen.“ Was keineswegs nur in der Gehrenbergstadt so sei, sondern auch bei den Auftritten der Band im Langenargener Münzhof oder bei Jazz-Festen in Konstanz.

Nach den Gründen für die ausgebliebene Einladung befragt verweist Lucie Fieber, Geschäftsführerin von Markdorf Marketing, auf zweierlei hin: Zum einen sei im vergangen Jahr Unzufriedenheit laut geworden. Es wurden zu lange Pausen der Imperial Jazz Band im Schlosshof moniert. „Es gab Beschwerden“, sagt Fieber. Unzuverlässigkeiten seien in Anbetracht des großen organisatorischen Aufwands für eine Veranstaltung wie das Dixiefest jedoch kaum hinzunehmen. Schon gar nicht, wenn – wie in Markdorf – eine Vielzahl gleichfalls guter Bands zu einem Auftritt drängen, erklärt Fieber weiter. „Abwechslung ist uns wichtig“, nennt sie den zweiten Grund. „Wir sind schließlich nicht verheiratet miteinander.“ Neue Gruppen werden eingeladen – auf ihre Publikumswirksamkeit hin getestet. Ob die Musik dann ausschließlich Dixie ist, spiele dafür nur eine untergeordnete Rolle. „Unsere Frage ist ja: Was kommt beim Publikum an?“ erklärt Fieber. Und insbesondere die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen sei nicht unbedingt begeistert vom reinen Dixie. Eben diese Jüngeren gelte es aber aufs Dixiefest zu ziehen, um dessen Zukunft zu sichern.

Beatrice Strauch, stellvertretende Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft und für das Musikprogramm verantwortlich, teilt diese Sicht. „Wir müssen uns fragen, ob wir immer noch das gleiche Publikum haben wie vor 25 Jahren.“ Dem Wandel des Geschmacks sei Rechnung zu tragen. Dass nun ausgerechnet die beliebte Imperial Jazz Band Opfer der Suche nach dem Publikumsgeschmack geworden ist, bereite ihr schon etwas Bauchweh, lässt Beatrice Strauch durchblicken – „aber es war eine Mehrheitsentscheidung“. Dass sie dieses Jahr nicht da sein werden, heiße aber nicht, dass das für immer so bleiben müsse, so Strauch. Was auch Lucie Fieber erklärte: „Wir wollten ja niemanden verprellen.“

Tubist Wanner erklärt, dass er zunächst „stinkesauer“ gewesen sei. Weniger wegen der Einladung, die ausblieb, sondern mehr, weil „wir erst hingehalten wurden – und man nicht mit uns gesprochen hat“. Der Terminkalender der Imperial Jazz Band sei schließlich voll mit Auftritten. Ganz ähnlich sieht es auch Roland Wohlhüter, der im Übrigen versteht, wenn man in Markdorf auch anderes Publikum zum Dixiefest locken möchte. „Nur“, so gibt er zu bedenken, „echter Dixie ist das dann womöglich nicht mehr, was man hier spielt. Und dann könne man das Fest auch anders nennen. Ein Vorschlag, von dem Marketing-Frau Lucie Fieber entschieden abrät: „Das Dixiefest ist inzwischen eine Marke geworden – so etwas umzubenennen, das halte ich für keine gute Idee.“