Die Markdorfer FDP ist nicht im Gemeinderat vertreten, eine quasi offizielle Haltung zum Schloss-Thema gibt es aktuell nicht. Wie stehen Sie zum Thema Rathaus-Umzug ins Bischofsschloss?

Wir begrüßen ausdrücklich die wichtige und demokratische Umsetzung des Bürgerbegehrens am 16. Dezember. Der Bürgerentscheid ist das geeignete Instrument für eine der wichtigsten Entscheidungen der letzten Jahre für unsere tolle Gemeinde. Speziell die ab 16-jährigen Wahlberechtigten können nun aktiv Einfluss auf die Gestaltung ihrer Stadt nehmen. Ein Termin im Januar oder Februar 2019 wäre aus meiner Sicht sinnvoller gewesen, für Bürger und Verwaltung. Die Stadt hatte nie Alternativen zur Entscheidung gestellt und ausschließlich die Selbstnutzung des Schlosses als Rathaus in Betracht gezogen. Ein Grund könnte die Tatsache sein, das Schloss niemals vollends aus der Hand der Stadt geben zu wollen. Die späte Einsicht, nun transparent wirken zu wollen, entspricht nicht dem demokratischen Verständnis vieler Markdorfer Bürger, die im Schloss nach wie vor ein Hotel oder eine andere alternative Nutzung sehen wollen.

Gibt es für Sie denn eine Alternative zum Rathaus im Schloss?

Diese Frage stellt sich konkret natürlich erst ab dem 17. Dezember, wenn der Bürgerentscheid entsprechend ausgefallen ist. Aber: Ja, die gäbe es durchaus. Ich selbst habe mit zwei potenziellen Investoren gesprochen, die – wenngleich auch sehr spät – Interesse daran zeigen, ein Hotel im Schloss wiederaufzubauen. Ich befürchte nur, dass die Stadt sich niemals auf den Deal einlässt, den Rittersaal aufzugeben und das gesamte Schloss einem potenziellen Investor zu überlassen. Dazu gehört auch die Aufgabe der öffentlichen Tiefgarage und des Schlosshofes sowie das Dosch-Haus einem Investor zu übergeben. Natürlich frage ich mich auch, wieso erst jetzt so spät potenzielle Investoren auf das Thema aufmerksam werden. Vielleicht lag es an einer gewollt mangelnden Transparenz oder am Willen der Stadt, das Schloss niemals aus der Hand zu geben. Ich betone ausdrücklich, dass eine Hotelnutzung aus meiner persönlichen Sicht die – wenn nicht die einzige – Möglichkeit ist, das Schloss sinnvoll für die Stadt zu nutzen, wenn diese nicht im Besitz des Schlosses ist.

Rolf Haas (48), Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Markdorf, wünscht sich mehr Transparenz und eine alternative Nutzung des Bischofsschlosses.
Rolf Haas (48), Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Markdorf, wünscht sich mehr Transparenz und eine alternative Nutzung des Bischofsschlosses. | Bild: FDP

Das heißt, die FDP lehnt das Konzept eines Hotel-Neubaus auf dem jetzigen Rathausplatz ab?

Ehrlich gesagt ist das eines der schlechtesten Konzepte, von denen ich je gehört habe. Eine typische Standardpräsentation ohne echten Inhalt. Ich war selbst in der Gemeinderatssitzung im Oktober, in der das potenzielle Konzept vorgestellt wurde. Warum ist es so schlecht? Erstens: Bis ein neues Hotel dort entsteht, würden fünf bis acht Jahre vergehen. Zweitens: Wieso soll jemand nur wegen diesem neuen Hotel an der B 33 nach Markdorf kommen wollen? Drittens: Das neue Hotel besteht ebenfalls aus mehreren Gebäuden und die Investitionskosten wären immens für den Investor. Es wäre dennoch am Ende nur ein normales Hotel unter vielen, kein Schlosshotel. Ein Schlosshotel ist etwas völlig anderes. Es ist fast schon etwas Einmaliges, hier am schönen Bodensee! Sowohl das Konzept des früheren Pächters als auch die Lage haben das Hotel seinerzeit einigermaßen wirtschaftlich betreiben lassen.

Im Schloss müssten für eine Hotelnutzung aber umfassende Umbauten vorgenommen werden und das bisherige Hotel war ein Zuschussbetrieb. Stellt sich also die Frage, ob sich das je rechnen würde.

Ja, würde es. Man darf eines nicht vergessen: Auch wenn seinerzeit eine recht günstige Pacht an den früheren Haupteigentümer bezahlt wurde, war ein vielfach höherer Betrag für die Abschreibungen des Betreibers durch die fremdfinanzierte Eigenleistung notwendig. Dieser Gesamtbetrag aus Pacht und Abschreibung erscheint in der Darstellung der Stadt in keinster Weise. Man hätte im Übrigen aus meiner Sicht genauso über die Beilagen-Blätter der Stadt im Gemeindeblatt „Hotel“ oder irgendein anderes Projekt schreiben können. Die Inhalte wären genauso gültig dafür gewesen. Für mich war hier nichts an Informationen enthalten, was für eine exklusive Rathausnutzung spricht – eher im Gegenteil. Investitionen müssen so oder so gemacht werden, egal was final reinkommt!

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Welche Schlossnutzung würden Sie persönlich komplett ausschließen?

Ich würde es nicht befürworten, wenn das Schloss zum Beispiel in den Kapitalmarkt in Form von Eigentumswohnungen gehen würde.

Fragen: Helmar Grupp

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