Was sind Ursachen für Mobbing und wie oft tritt es auf?

Das Thema Neid spielt eine große Rolle. Oft mündet der Neid auf bessere Noten oder die Kleidung eines Mitschülers in einem Verhalten, das dem anderen bewusst schaden will. Dieses schädigende Verhalten ist eine Form von Mobbing. Entscheidend dabei ist, dass das Opfer das Tun des Täters auch als Schädigung empfindet. Nach offiziellen Angaben sind heute fünf bis sieben Prozent der Schüler von Mobbing betroffen.

Gibt es Kinder, die verstärkt in die Opferrolle gedrängt werden?

Es ist klar zu erkennen, dass zurückhaltende, schüchterne Kinder eher von Mobbing betroffen sind, weil die Täter wissen, dass sich diese Kinder nicht trauen, über die Vorfälle zu sprechen. Hier spielt auch die Schamkomponente eine Rolle. Die Opfer stellen sich dabei die Frage, ob sie selbst etwas falsch gemacht haben.

Wie erkennen Lehrer oder Eltern, dass ein Kind gemobbt wird?

Lehrer müssen genau hinschauen, was zwischen den Kindern passiert, das Geschehen beobachten und im Verdachtsfall gegebenenfalls die Eltern informieren. Offensichtliche Anzeichen für Mobbing können das Schuleschwänzen, ein deutlicher Leistungsabfall oder anhaltende Bauch- und Kopfschmerzen sein. Warum betroffene Kinder sich Eltern nicht anvertrauen, liegt oft an Empfindungen, wie „meine Eltern haben nie Zeit und verstehen mich nicht“, die als Hemmschwelle dienen.

Was kann man tun, um sein Kind vor Mobbing zu schützen?

Es ist wichtig, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken. Hierbei können sogar sportliche Aktivitäten, wie Judo oder Karate, unterstützen. Wichtig ist es auch, dem Kind klarzumachen, dass Angst keine Schwäche, sondern ganz normal ist. Eltern sollten als Vorbilder fungieren, indem sie mit ihren Kindern offen über verschiedene Situationen sprechen. So bauen sie eine Vertrauensbasis auf.

Wie ist mit Mobbingfällen aus Ihrer Sicht umzugehen?

Jede Schule regelt die vorhandenen Probleme auf eigene Art und Weise. Da jeder Mobbingfall sehr individuell ist, gibt es keinen Leitfaden. Aufgabe der Schule ist es in jedem Fall, aggressives Verhalten zu bekämpfen. Außerhalb der Schule bleibt den Eltern im schlimmsten Fall die Möglichkeit, das Jugendamt zu benachrichtigen und auf die Umstände aufmerksam zu machen.

Wie sieht eine mögliche Therapie von Opfer und Täter aus?

Eine Therapie würde dem Opfer soziale Kompetenz vermitteln und auch lernen, bei Bedarf Hilfe zu holen und eigene Grenzen zu verteidigen. Der Täter muss lernen, dass es sozialverträgliche Wege gibt, Ziele zu erreichen und er nicht immer bekommen kann, was er will. In die Therapie müssen Eltern und Schule involviert werden, gegebenenfalls sogar das Jugendamt. Die Herausforderung liegt darin, alle betroffenen Parteien in ein Boot zu bekommen.