Das Rätselraten um den künftigen Standort der Außenstelle ist nun beendet: Die Bildungseinrichtung wird am Bildungszentrum angesiedelt. Der Vorteil: Die Gebäude gehören bereits dem Landkreis. Der Nachteil: Die Stadt Markdorf bekommt keine Entschädigung, sie bleibt bis auf weiteres auf den Mietkosten für das eigens angemietete Gebäude in der Poststraße sitzen.

Der Bodenseekreis hat Räume für die Außenstelle Markdorf der Volkshochschule gefunden. Sie wird in das Bibliotheksgebäude am Bildungszentrum einziehen. Das berichtet Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts, auf Nachfrage des SÜDKURIER. "Dort gibt es Schulungs- und Unterrichtsräume. Wir gehen im Augenblick davon aus, dass die Sachen dorthin verlagert werden und dort stattfinden können. Die Detailplanung dazu wird gegenwärtig in Zusammenarbeit mit der Schule ausgearbeitet. Wobei der Kreis Wert auf die Feststellung legt, dass diese Räume nicht der Teil der Schule sind, die zwar von der Schule auch mitgenutzt werden, aber in einem separaten Gebäude liegen, wo es ohnehin schon Publikumsverkehr gibt." Es sei deshalb aus Sicht des Kreises gut, dass dort auch eine Bildungseinrichtung untergebracht werde. Das Bildungszentrum mit der Bibliothek gehört dem Kreis.

Das Gebäude an der Ravensburger Straße, in dem die VHS derzeit untergebracht ist, wird im Spätherbst abgerissen, um einer Baustraße für den Um- und Neubau des Bischofsschlosses zu weichen. Der Vertrag mit der VHS ist von der Stadt bereits zum 31. Juli gekündigt worden. Das bedeutet voraussichtlich, ab dem Wintersemester werden die dort abgehaltenen VHS-Kurse in der Bibliothek stattfinden. Die dortigen Räume müssen nach Auskunft von Schwarz bei teilweise schon vorhandener Technik auch noch für Computerkurse ertüchtigt werden. Zu diesen Kosten gibt es noch keine Angaben.

Bislang ist das noch eine der Markdorfer Schmuddel-Ecken: Das Gebäude der VHS-Außenstelle des Kreises unterhalb des Rathauses an der B-33-Durchfahrt soll noch in diesem Jahr abgerissen werden, ebenso die dahinterliegende "Turmstube".
Bild: Helmar Grupp

Bislang ist das noch eine der Markdorfer Schmuddel-Ecken: Das Gebäude der VHS-Außenstelle des Kreises unterhalb des Rathauses an der B-33-Durchfahrt soll noch in diesem Jahr abgerissen werden, ebenso die dahinterliegende "Turmstube".

Der Kreistag hatte den Umzug in die von der Stadt Markdorf ab Dezember vergangenen Jahres angemieteten Räume in der Poststraße, ehemaliges EP-Gebäude, im Dezember im Zuge der Haushaltsberatung abgelehnt. 30 000 Euro wurden dabei für die VHS-Außenstelle Markdorf gestrichen. Ursprünglich lag eine schriftliche Zusage der Kreisverwaltung vor, wie Bürgermeister Georg Riedmann berichtet. Auch Riedmann stimmte für diesen Haushalt, allerdings nicht ohne zu diesem Punkt erhebliche Bedenken zu formulieren. Der Haushalt sei in Summe mit den Anträgen der Fraktionen abgestimmt worden und nicht über die etwa 150 Einzelpunkte, in denen die Streichung der VHS-Mittel enthalten war. "Die Verwaltung hat uns einen nicht ausgeglichenen Haushalt in Höhe von 10 Millionen Euro präsentiert und der Kreistag wollte diesen Haushalt zum Ausgleich bringen", sagt Riedmann.

Über die Räume in der Poststraße 4 wurde von der Stadt ein befristeter Mietvertrag über zehn Jahre geschlossen, wie Riedmann jetzt berichtet, kein unbefristeter. Mit dem Vermieter sei inzwischen eine Einigung dahingehend erzielt worden, dass die Stadt aus dem Mietvertrag aussteigen kann, sobald ein Nachmieter gefunden ist. "Ich bin zuversichtlich, dass wir bald eine Nachmietlösung finden", sagt Riedmann, "und dann kann man dies unter der Überschrift ärgerliche Angelegenheit verbuchen". Von Regressansprüchen gegen den Kreis hält er nichts. Nach Auskunft von Schwarz sei ein Ausgleich der Mietkosten der Stadt durch den Kreis nach seiner Kenntnis nicht geplant.

Was bisher geschah

Der Abriss des Gebäudes an der Ravensburger Straße, unterhalb des Rathauses, steht im Zusammenhang mit der Neu- und Umgestaltung des Bischofsschlosses zum Markdorfer Rathaus. Dafür wird eine Baustraße hoch zum Hexenturm benötigt. In nichtöffentlicher Sitzung am 19. September wurde deshalb vom Gemeinderat nach Rücksprache mit der Kreisverwaltung beschlossen, die Volkshochschule (VHS) des Bodenseekreises in Markdorf in den Räumen des Gebäudes Poststraße 4 unterzubringen sowie einen Mietvertrag ab 1. Dezember 2017 zu schließen. Gleichzeitig sollte mit dem Landkreis ein Untermietvertrag ab 1. Januar 2018 abgeschlossen werden. Die VHS hätte 950 Euro Miete tragen sollen, die Stadt 550 Euro. Der Kreis hätte aber auch 30 000 bis 40 000 Euro investieren müssen, insbesondere in die IT und den Brandschutz. Schon Anfang Dezember begann der Kreis nach alternativen Standorten zu suchen. Dennoch standen im Dezember noch 30 000 Euro im Entwurf des Kreishaushalts für 2018, die jedoch vom Kreistag kurz vor Weihnachten im Zuge des Haushaltsbeschlusses gestrichen wurden. Die Räume in der Ravensburger Straße wurden von der Stadt Markdorf zum 31. Juli 2018 gekündigt. (wex)

 

 

Hintergrund und Ratsdiskussion

  1. Warum die VHS ausziehen muss: Die bisherige VHS-Außenstelle unterhalb des Rathauses muss umziehen, weil dort die geplante Baustraße für den Umbau des Bischofsschlosses zum Rathaus eingerichtet werden soll. Für den Abriss sind im Haushaltsentwurf 2018 Mittel in Höhe von 130 000 Euro eingeplant, für die Baustraße 90 000 Euro. Abgerissen werden soll nebenan auch die Kneipe "Turmstube".
  2. Die Diskussion im Gemeinderat: In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am 27. Februar entwickelte sich bei den Haushaltsplanberatungen eine Diskussion um den VHS-Umzug. Freie-Wähler-Stadtrat Arnold Holstein hatte Bürgermeister Georg Riedmann gefragt, ob die Stadt nach der Absage des Kreises das eigens angemietete Gebäude in der Poststraße wieder gekündigt habe. Dies sei nicht möglich, so Riedmann, da der Vertrag auf zehn Jahre abgeschlossen sei. Aber es sei die Vereinbarung getroffen worden, dass die Stadt aus dem Vertrag aussteigen könne, sobald der Inhaber einen anderen Nachmieter gefunden habe, den er nun suchen wolle. FW-Chef Dietmar Bitzenhofer fragte daraufhin an, ob die Stadt den Kreis wegen der Mietkosten in Regress nehmen könne. Er würde dies nicht empfehlen, so Riedmann. Er könne den Räten aber in nichtöffentlicher Sitzung sagen, wie man diese Kosten gegenüber dem Kreis auffangen könne. "Da werden Sie nicht unglücklich sein", sagte Riedmann. Öffentlich wollte er sich nicht weiter dazu äußern. (gup)