Ein Arzttermin steht an und ein älterer Herr weiß nicht, wie er in die Praxis kommen soll. Die Hecke muss dringend geschnitten werden. Eine Familie fährt in den Urlaub und hat niemanden, der in der Zeit den Briefkasten leert. Oder jemand ist einfach auf der Suche nach einem offenen Ohr für seine Sorgen. All das sind Situationen, in denen die Gruppe „Bürger füreinander“ in Bermatingen und Ahausen auf unbürokratische Weise helfen möchte.

Einsatz ist kostenlos, Spenden für Fahrdienste sind willkommen

„Unser Hilfsangebot richtet sich an ältere Hilfsbedürftige ebenso wie an junge Familien oder Menschen, die durch eine Krankheit oder einen Unfall in eine Notsituation geraten sind“, informiert Karin Polster, die zum Organisationsteam der „Bürger füreinander“ gehört. Grundsätzlich ist der Einsatz der aktuell 30 ehrenamtlichen Helfer für die Bürger kostenlos. „Ausnahme sind Fahrdienste. Da freuen wir uns über eine kleine Spende“, fügt Karin Polster hinzu. Am Jahresende fließe der gesammelte Betrag in den großen Topf des Vereins „Miteinander im Mesnerhaus“, zu dem auch die „Bürger füreinander“ gehören.

Gruppe ging aus Bürger-Workshop hervor

Die Gruppe ging 2014 aus dem Bürger-Workshop „Leben und älter werden in Bermatingen“ hervor. Jederzeit telefonisch oder einmal pro Woche persönlich können sich die Menschen mit ihrem Hilfewunsch an „Bürger füreinander“ wenden. Anfangs sei die Hemmschwelle oft groß. „Später dann nicht mehr“, hat Polster die Erfahrung gemacht.

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Organisationsteam koordiniert Helfer

Harry Nadler, Edith Weber und Tina Dziewior sind Vermittler und schauen, welcher Helfer bei welcher Anfrage zum Einsatz kommen kann. Handelt es sich um Fahrdienste zum Arzt, Begleitung beim Einkaufen oder Unterstützung bei einem Ämterbesuch, sind eher die Helfer gefragt, die bereits im Ruhestand sind. „Wir haben aber auch Berufstätige, die die Menschen auch mal am Wochenende unterstützen, zum Beispiel wenn jemand umzieht“, berichtet Harry Nadler. Insgesamt habe es im vergangenen Jahr 78 Anfragen bei „Bürger füreinander“ gegeben – die höchste Zahl seit Gründung der Gruppe.

Einsätze sind einmalig, nicht regelmäßig

Wichtig ist, dass es sich bei den Hilfen um einmalige Einsätze beziehungsweise um Ausnahmesituationen handelt. „Wir kommen nicht jede Woche in denselben Garten und mähen den Rasen oder gehen täglich mit dem Hund Gassi“, erklärt Edith Weber. „Das können wir nicht leisten.“ Auch mit einem Pflegedienst seien die „Bürger füreinander“ nicht zu verwechseln. Sehr wohl informieren sie aber über professionelle Hilfsdienste oder Reinigungsunternehmen und stellen Kontakte her.

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Gruppe auch bei Integration von Flüchtlingen aktiv

Sehr aktiv waren „Bürger füreinander“, als Flüchtlinge nach Bermatingen kamen. Für jede Familie übernahm ein Helfer eine Patenschaft. „Das war ein großes Glück für die Gemeinde und hat bei der Integration einen wertvollen Beitrag geleistet“, ist sich Karin Polster sicher. Wenn es um Gartenarbeit, das Reparieren von Fahrrädern oder um Hilfe bei einem Umzug geht, unterstützen einige Menschen mit Fluchthintergrund die Bürger inzwischen selbst als Helfer.

Helfer können in der Regel nicht am selben Tag zur Stelle sein

Wichtig ist den Organisatoren der Hinweis, dass die ehrenamtlichen Helfer im Normalfall nicht am selben Tag zur Stelle sein können. „Wir bemühen uns aber darum, dass es so schnell wie möglich klappt“, sagt Harry Nadler. Schön sei, dass nicht selten über die Einsätze von „Bürger füreinander“ Kontakte entstünden und eine Art Nachbarschaftshilfe wachse.