Die Stadt hat in den vergangenen Jahren die Straßenbeleuchtung sukzessive auf moderne LED-Technik umgestellt. Damit ist Markdorf nicht alleine. Die Aufrüstung rechnet sich trotz der Kosten für die Installation sehr schnell. Der Energiebedarf ist weitaus geringer im Vergleich zu den alten Modellen.

Doch der bundesweite Trend zur Umstellung auf LED-Technik scheint ad absurdum geführt, wenn die Straßenlaternen am helllichten Tag leuchten. Am Montagvormittag war die Markdorfer Innenstadt hell erleuchtet. Um 10 Uhr vormittags wurden die Lichter schließlich ausgeknipst. Obwohl der Himmel zum Teil wolkenverhangen war und erstmals seit Monaten kein strahlender Sonnenschein herrschte, es vielmehr trist und grau war, bestand für den Energieaufwand keine offensichtliche Notwendigkeit.

„Es gibt Jahre, da fällt mehr an, in anderen weniger“

Ulrich Stark ist Pressesprecher der Netze BW im Gebiet des östlichen Bodensees, zu dem Markdorf zählt. „Des Rätsels Lösung ist ganz einfach“, sagt Stark, „an den Anlagen finden gerade Arbeiten statt“. Wer sich eine Straßenlaterne mal genauer ansieht, der erkennt ein ovales Türchen, das mit einem Vierkantschlüssel geöffnet wird. Dahinter befindet sich der sogenannte Kabelübergangskasten, auf dem auch die Sicherung sitzt. „Ein Verschleißteil, bei dem man nicht mit Sicherheit sagen kann, wie lange es hält“, sagt Stark und vergleicht es mit Einzelteilen am Auto: „Es gibt Jahre, da fällt mehr an, in anderen weniger.“

Sollte der Kabelübergangskasten seinen Dienst quittieren, bleibt es dunkel. Um dem vorzubeugen, war die Netze BW am Montag in Markdorf unterwegs. Das Prozedere schaut so aus: Die Lampen, die an ein und demselben Stromkreis hängen, werden zunächst allesamt angeschaltet.

„Das sind nicht bloß 20 oder 30 Stück, sondern können schon mal 150 Stück sein“, verdeutlicht Stark. Die Experten der Netze BW fahren währenddessen herum und überprüfen die Lampen. Am bloßen Leuchten dieser erkennen die Fachleute, in welchem Zustand die Kabelübergangskästen sind. Insbesondere, welche von diesen ersetzt werden müssen.

Im zweiten Schritt werden diejenigen ausgetauscht, die bei der Kontrolle aufgefallen sind. In diesem Zeitraum ist die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Zu guter Letzt, nachdem alle defekten oder schwächelnden Teile ausgetauscht wurden, gibt es eine letzte Kontrolle. Und dazu werden erneut alle Lampen angeschaltet und wiederum durch Inaugenscheinnahme überprüft. Der Vorgang "muss zwingend innerhalb eines Tages abgeschlossen sein, damit im Ernstfall wieder alles funktioniert", sagt Stark. Mit Ernstfall ist der Anbruch der Dunkelheit gemeint.

„Im Rahmen dessen leuchten die Lampen aber nicht ewig, also keine Stunden“, unterstreicht Ulrich Stark. Wie oft solche Kontrollgänge nötig sind, ließe sich nicht pauschal beantworten, es sei abhängig vom Alter der Anlagen. Die Stadt lobte der Pressesprecher in diesem Zusammenhang ausdrücklich für ihr ausgeprägtes Bewusstsein für Instandhaltungsmaßnahmen.