Der Markdorfer Manuel Kreiter hat eine Leidenschaft für Raketen auf vier Rädern. Er startet übers Wochenende in Hockenheim bei „NitrOlympX“ bei Dragsterrennen in der höchsten Amateurklasse „Competition Eleminator“.

Der Markdorfer Manuel Kreiter mit seiner neuen Rakete auf vier Rädern: ein Pontiac, Baujahr 1997, V8-Saugmotor mit 7,11 Litern Hubraum.
Der Markdorfer Manuel Kreiter mit seiner neuen Rakete auf vier Rädern: ein Pontiac, Baujahr 1997, V8-Saugmotor mit 7,11 Litern Hubraum. | Bild: Toni Ganter

Doch in dieser Saison ist die Rennwelt für Kreiter und sein Team „Drag Racing Bodensee“ eine andere. Das bisherige Rennauto – ein Drag Racing Car auf Basis eines Chevrolet Bel Air (1955) hat er verkauft. In Schweden kaufte Kreiter einen Pontiac Firebird, Baujahr 1997.

Blick auf die beiden Vergaser, die auf dem V 8-Motor sitzen.
Blick auf die beiden Vergaser, die auf dem V 8-Motor sitzen. | Bild: Toni Ganter

Dieses Auto hat er in Eigenregie auf Vordermann gebracht, repariert und für die Rennen aufgebaut. Am heutigen Donnerstagmorgen, 15. August, hat Kreiter mit seinem Team um 6.30 Uhr den Pontiac samt Werkstattausrüstung per Lastwagen nach Hockenheim transportiert.

Der Neigungswinkel des Heckspoilers ist mittels Gestänge und Sicherungssplinten einstellbar.
Der Neigungswinkel des Heckspoilers ist mittels Gestänge und Sicherungssplinten einstellbar. | Bild: Toni Ganter

„Eigentlich war es nicht geplant, die neue Saison mit einem neuen Wagen zu starten, aber Ende Februar wurde ein für mich sehr interessantes Fahrzeug in Schweden angeboten – das habe ich per Zufall in einer Facebook-Gruppe entdeckt. Ohne Motor, ohne Getriebe und mit so einigen anderen Problemen“, erzählt Kreiter am Mittwoch während der Lastwagen fürs Rennwochenende beladen wird. Der Pontiac habe „dadurch einen annehmbaren Preis und genau die richtigen Anlagen gehabt, um mit unserem kleinen Motor noch etwas schneller zu werden“.

Das kraftvolle Herz des Pontiac Firebird: ein 7,11-Liter-V 8-Saugmotor rund 950 PS – mit Lachgaszufuhr nochmals bis zu 750 PS mehr. Wenn alles glatt läuft, sind bis zu 1700 PS machbar.
Das kraftvolle Herz des Pontiac Firebird: ein 7,11-Liter-V 8-Saugmotor rund 950 PS – mit Lachgaszufuhr nochmals bis zu 750 PS mehr. Wenn alles glatt läuft, sind bis zu 1700 PS machbar. | Bild: Toni Ganter

Der „kleine Motor“ ist ein V8-Sauger mit 7,11 Litern Hubraum und leistet 950 PS. Bei Lachgaszufuhr sind nochmals bis zu 750 PS mehr drin – wenn alles funktioniert wie‘s soll. „Mit ein wenig Herzschmerz habe ich innerhalb von drei Tagen einen Käufer für meinen Bel Air gefunden und der Deal wurde abgeschlossen.“

Ohne Motorhaube: vorne mit rotem Schraubdeckel der Tank, dahinter rechts ein Treibstofffilter, links davon eine Treibstoffpumpe, wiederum dahinter der Kühler und der Motor, auf dem momentan noch ein Ansaugstutzen für die Luftzufuhr sitzt.
Ohne Motorhaube: vorne mit rotem Schraubdeckel der Tank, dahinter rechts ein Treibstofffilter, links davon eine Treibstoffpumpe, wiederum dahinter der Kühler und der Motor, auf dem momentan noch ein Ansaugstutzen für die Luftzufuhr sitzt. | Bild: Toni Ganter

 

Nachdem der Firebird per Spedition geliefert war, blieb wenig Zeit bis zum geplanten ersten Rennen im italienischen Rivanazzano. „Fünf Wochen lang habe ich jede freie Minute gearbeitet. Es mussten nicht nur Motor und Getriebe eingebaut, sondern auch so einige Änderungen am Rahmen, an der Aufhängung und so weiter und so weiter gemacht werden.“

Ein festgeschreubtes Zusatzgewicht aus VA-Stahl. Das hat ein spezifisches Gewicht von 7 Kilogramm je Liter Volumen.
Ein festgeschreubtes Zusatzgewicht aus VA-Stahl. Das hat ein spezifisches Gewicht von 7 Kilogramm je Liter Volumen. | Bild: Toni Ganter

Das Auto war für das Reglement um 120 Kilogramm zu leicht, also mussten an mehreren Stellen Zusatzgewichte verbaut werden. Beispielsweise rundes Vollmaterial aus VA-Stahl. „ VA hat ein spezifisches Gewicht von etwa 7 Kilogramm je Liter Volumen“, erklärt Teammitglied Michael Utz.

Diese beiden ausgemusterten Tauchflaschen mit jeweils 2,6 Litern Volumen sind mit Bleischrot gefüllt und dienen ebenfalls als Zusatzgewichte. Bleischrot hat ein spezifisches Gewicht von 11 Kilogramm je Liter Volumen.
Diese beiden ausgemusterten Tauchflaschen mit jeweils 2,6 Litern Volumen sind mit Bleischrot gefüllt und dienen ebenfalls als Zusatzgewichte. Bleischrot hat ein spezifisches Gewicht von 11 Kilogramm je Liter Volumen. | Bild: Toni Ganter

An anderer Stelle wurden zwei ausgemusterte Tauchflaschen mit je 2,6 Litern Fassungsvermögen mit Bleischrot gefüllt. „Bleischrot hat ein spezifisches Gewicht von 11 Kilogramm je Liter“, ergänzt Utz.

So sieht das Bleischrot aus, das Manuel Kreiter für Zusatzgewichte an seinem Pontiac verwendet. Dieses kleine Kistchen mit weniger als DIN-A5-Bodenfläche wiegt mehr als ein Kasten Bier.
So sieht das Bleischrot aus, das Manuel Kreiter für Zusatzgewichte an seinem Pontiac verwendet. Dieses kleine Kistchen mit weniger als DIN-A5-Bodenfläche wiegt mehr als ein Kasten Bier. | Bild: Toni Ganter

Außerdem sei die komplette Elektronik in Eigenregie installiert worden, berichtet Utz, der gelernter Elektriker ist. Folglich kümmert er sich im Team um die Elektronik und die Datenaufzeichnung. „Es werden wie bei der Forme 1 Daten aufgezeichnet: beispielsweise Motordrehzahl, die Abgastemperatur von jedem der acht Zylinder, Lachgas- sowie Spritdruck...“

Blick ins Innere des Pontiac Firebird: rechts der Fahrersitz, praktisch auf dem Bodenblech befestigt, links unten das Pedal. Darüber Kontrollanzeigen und Lenkrad. Links im Hintergrund ein Teil der Elektronik. Alles umgeben von Stahlrohrrahmen.
Blick ins Innere des Pontiac Firebird: rechts der Fahrersitz, praktisch auf dem Bodenblech befestigt, links unten das Pedal. Darüber Kontrollanzeigen und Lenkrad. Links im Hintergrund ein Teil der Elektronik. Alles umgeben von Stahlrohrrahmen. | Bild: Toni Ganter

Die letzten Arbeiten seien dann tatsächlich erst vor Ort in Italien erledigt worden, am Morgen vor dem ersten Rennlauf.

Video: Drag Racing Bodensee

„Der erste Lauf mit dem Firebird in Rivanazzano war eine wilde Angelegenheit. Es war noch etwas schwierig, den Wagen zu kontrollieren, ich kam schon ins Grübeln, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe.“ Der Streckensprecher habe natürlich gesehen, wie der Firebird ausbrach und sinngemäß kommentiert: „Da hat sich der Fahrer wohl in die Hosen gemacht.“ Aber dem sei jedenfalls nicht so gewesen, „ich hatte das noch gut unter Kontrolle“, so Kreiter.

Video: Drag Racing Bodensee

Nach genauer Videoanalyse seien nur wenige kleine Korrekturen an der Fahrwerkseinstellung des Firebird nötig gewesen. Der zweite Lauf habe ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. „Neue persönliche Bestzeit mit 7,71 Sekunden auf die Quartermile bei 287 Stundenkilometern, ganze 20 km/h schneller als mit dem Bel Air auf dieser Strecke.“

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Und nun bei NitrOlympX in Hockenheim? „Wir versuchen unsere Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen, zumal die Wettervorhersagen noch nicht die besten sind“, so Kreiter.

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