Seit 2014 gehört sie dem Markdorfer Gemeinderat an. Gefragt, ob ihre neue Rolle als Vorsitzende der CDU-Fraktion an ihrer Arbeit etwas verändern werde, antwortet Kerstin Mock, dass wohl etwas mehr Verantwortung auf sie zukomme. Doch fühle sie sich unterstützt, die Zusammenarbeit der CDU-Stadträte funktioniere gut.

Video: Jörg Büsche

Sie seien diskussionsfreudig. Eine wichtige Eigenschaft, denn im kommunalpolitischen Sommergespräch mit der Bäuerin vom Stüblehof wurde recht bald klar, dass Kerstin Mock durchaus nicht immer derselben Meinung ist wie ihre Fraktionskollegen.

Mock stellt Entlastung durch Südumfahrung infrage

Zum Beispiel bei der Südumfahrung. Kerstin Mock zweifelt die Entlastungswirkung durch die geplante Umgehungsstraße für Markdorf an. „Die Entlastung in der Ortsdurchfahrt Markdorf wird viel geringer ausfallen als viele Bürger sich das wünschen.“

Zudem sei die Trassenfindung für die B 31-neu noch nicht abgeschlossen, die ebenfalls eine Entlastungswirkung durch den Wegfall des Ausweichverkehrs bringen werde. Rund 33 Millionen Euro für 3,5 Kilometer Straße auszugeben, komme ihr absurd vor. „Und wenn das Ding erst mal gebaut ist, bleibt der Boden bis in alle Ewigkeit zugepflastert.“ Schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen sehe anders aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Landwirtschaft als prägend für die Region

Der Blick auf die Landschaft, der Umgang mit der Natur ist ihr wichtig. „Wir haben hier eine von der ländlichen Bevölkerung gepflegte Kulturlandschaft“, erklärt die studierte Agrarwirtschafterin. Einerseits prägten Obstbau und Viehwirtschaft sowie Getreideanbau die gesamte Region, andererseits erwirtschafteten die Landwirte mit ihren Produkten aber auch ihren Lebensunterhalt. „Sicher sind Hagelnetze nicht schön“, räumt Kerstin Mock ein. Ohne sie werde der Obstanbau jedoch zum Glücksspiel. „Auch eine Folge des Klimawandels – wenn man so will“, erklärt die CDU-Fraktionschefin.

Kerstin Mock hat einen guten Einblick in die Arbeit der rund 20 landwirtschaftlichen Haupt- und 20 Nebenerwerbsbetriebe in und rund um Markdorf.
Kerstin Mock hat einen guten Einblick in die Arbeit der rund 20 landwirtschaftlichen Haupt- und 20 Nebenerwerbsbetriebe in und rund um Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

In jedem Falle aber hätten die Landwirte ihre eigene Zukunft stets im Blick. „Da gibt es doch ein starkes Interesse, die Landschaft zu erhalten – schon um die eigene Lebensgrundlage zu erhalten.“ In der Regel achteten die Landwirte deshalb von sich aus auf Artenschutz, indem sie Blühstreifen anlegen und Nistkästen aufstellen. Doch Eingriffe in die Produktion, Vorschriften, was wer wann und wie anzubauen habe, damit werde sich kein Landwirt freiwillig abfinden, ist sie überzeugt.

Kritik an „Rettet die Bienen“

Dementsprechend kritisch äußert sich Kerstin Mock zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Sie fürchtet, dass in den Schutzgebieten im Bodenseekreis kein Pflanzenschutz mehr möglich sein werde, auch nicht für die biologisch wirtschaftenden Betriebe. Das käme ihrer Ansicht nach einem Berufsverbot für Obstbauern und Winzer gleich und würde das Aus für Bodenseeobst und Bodenseewein bedeuten. „Dessen müssen wir uns bewusst sein, dass diese von uns geliebten Produkte aus der Region dann nicht mehr zu kaufen sein werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Es sei viel Unkenntnis beziehungsweise Halbwissen im Spiel, wenn über Landwirtschaft gesprochen oder geschrieben werde, moniert Kerstin Mock. Etwa bei der Frage, welchen Anteil das Milchvieh am Klimawandel hat. „Wir wissen längst, dass Kühe keine Klimakiller sein müssen“, betont sie.

Lösung für Rathaus muss schnell gefunden werden

In der nun beginnenden Sitzungsperiode sieht Kerstin Mock den Markdorfer Gemeinderat vor die Aufgabe gestellt, „möglichst rasch eine Lösung fürs Rathaus zu finden“. Die neue CDU-Fraktionsvorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass ihr die im Dezember per Bürgerentscheid gekippte Lösung – Verwaltung ins Bischofsschloss – nach wie vor am meisten behagen würde. Schon allein, damit das Schloss nicht leer steht. Leer und verschlossen, gibt Mock zu bedenken. Als Vermieterin von Ferienwohnungen sei sie es gewohnt, die Stadt auch aus dem Blickwinkel von Touristen zu betrachten.

Als Gastgeberin von Urlaubern auf ihrem Hof hat Kerstin Mock auch stets im Blick, wie Touristen Landschaft und die Markdorfer Innenstadt wahrnehmen.
Als Gastgeberin von Urlaubern auf ihrem Hof hat Kerstin Mock auch stets im Blick, wie Touristen Landschaft und die Markdorfer Innenstadt wahrnehmen. | Bild: Jörg Büsche

Warnung vor Investitionsstau

Aber für die Rathaus-Schloss-Lösung sehe sie keine schnelle Realisierung. Nur solle etwas passieren. „Damit die Leute im Rathaus gescheite Arbeitsplätze haben.“ Hier macht Kerstin Mock einen gewissen Handlungsdruck aus. Einen Handlungsdruck, der der Stadt kaum mehr die Chance gebe, auf ein großes, ganzheitliches Entwicklungskonzept zu warten. Überdies heiße es, jetzt und fortlaufend zu investieren, nicht erst dann, wenn der Investitionsstau zu groß ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Aus Sicht Kerstin Mocks solle die Stadt künftig ruhig öfter zu jenem zuletzt beim Kindergarten Markdorf Süd gewählten „Generalübernehmer-Wettbewerbsverfahren“ zurückgreifen. Die üblichen Architektur-Wettbewerbe seien mit erheblichen Risiken und Unwägbarkeiten vor allem finanzieller Natur verbunden.

30 Millionen Euro zu viel für Umbau der Jakob-Gretser-Schule

Für die CDU-Fraktion stehe fest, dass der Umbau und die Erweiterung der Jakob-Gretser-Grundschule nicht die „horrende Summe von wahrscheinlich 30 Millionen Euro“ kosten dürfe. „Da muss man sich dann anschauen, ob aus der geplanten zweiten Turnhalle nicht doch nur eine Gymnastikhalle wird“, sagt Kerstin Mock.

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Investitionen stehen an

Bei allen vorhandenen Rücklagen, trotz des hehren Ziels des ausgeglichenen Haushalts, kämen mit dem Rathaus, mit der Grundschule doch so hohe Belastungen auf die Stadt zu, dass eine Kreditfinanzierung berechtigt sei. „Niemand baut sein Einfamilienhaus aus dem Laufenden.“ Und neue, weitere Aufgaben kündigten sich bereits an.

„Wir werden uns auch beim Franziskus-Zentrum etwas einfallen lassen müssen.“ Dass die Seniorenanlage in den Händen des Spitalfonds liegt, hält Kerstin Mock nach wie vor für eine überaus sinnvolle Regelung. „Ich bin froh, dass wir das nicht an Dritte abgegeben haben.

Flächenverbrauch und Wachstum: „Dieses Problem bewegt mich“

Sorge bereitet Kerstin Mock die Frage, wie die Stadt den Spagat zwischen geringem Flächenverbrauch auf der einen Seite und einem gewissen Wachstum auf der anderen Seite schaffen will. Hier wurmt die Landwirtin, dass Gebiete wie die Siechenwiesen recht bald als schützenswertes Gebiet deklariert werden, während „es auf landwirtschaftlich genutzten Flächen scheinbar ganz unproblematisch ist, daraus Bauland zu machen“.

Lösungen, wie die Stadt in Anbetracht ihrer allmählich zur Neige gehenden Flächen verfahren soll „habe ich auch keine, aber dieses Problem bewegt mich“, erklärt Kerstin Mock. Es bleibe wohl nichts anderes übrig, als jeden Quadratmeter so gut wie möglich auszunutzen – und gegebenenfalls weiter in die Höhe zu bauen.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €