Die Neujahrsansprache von Bürgermeister Georg Riedmann war kaum verklungen, als die Fraktionschefs im Markdorfer Gemeinderat, Dietmar Bitzenhofer (FW), Susanne Deiters Wälischmiller (UWG), Uwe Achilles (SPD) und Susanne Sträßle (CDU), vors Publikum traten. Wer nun allerdings, wie in den Vorjahren, ein launiges Ständchen oder einen Sketch erwartete, rieb sich die Augen. Was das Quartett bot, war gewissermaßen eine Art alternativer Neujahrsrede: Die großen Themen der Stadt aus ihrer Sicht – und damit, ob gewollt oder nicht, in Manchem quasi eine Gemeinderats-Korrektur der vorherigen Bürgermeister-Rede. Ob das dem Rathauschef tatsächlich auch gefallen hat? Die Frage muss an dieser Stelle offen bleiben.

Er habe gedacht, dass Riedmann noch mehr Projekte ansprechen würde, merkte gleich zu Beginn Bitzenhofer an. "Schaffen wir das und wie wollen wir das finanzieren?", fragte er ins Publikum, verweisend auf die lange Liste städtischer Großvorhaben vom Umbau der Grundschulen übers Bischofsschloss bis zum neuen Rathausareal. Ähnliche Investitionsvorhaben habe es aber auch schon in früheren Jahren gegeben, beruhigte er. Etwa das Bildungszentrum oder das Gewerbegebiet Riedwiesen. "Weitsichtig, wohlüberlegt und solide finanziert", würden Rat und Verwaltung die Projekte angehen.

Dass der Rathaus-Umzug ins Bischofsschloss am Ratstisch kritischer gesehen wird als auf dem Rathaus-Chefsessel, das war vor allem bei Deiters Wälischmiller und Achilles nicht zu überhören. Alles sei geprüft worden, im Grunde habe es weder Eile noch Zeitdruck gegeben. Dass es aus der Bürgerschaft heraus nun offenbar Bestrebungen für ein Bürgerbegehren gegen den Rathaus-Umzug gibt, begrüßte sie. Jede Form der Bürgerbeteiligung sei "richtig und wichtig", ein positives Miteinander könne fruchtbar sein. Er müsse "Wasser in den Wein des Bischofsschlosses gießen", hob Achilles an. Der Rat habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht, die SPD und Teile der FW seien dagegen gewesen. Auch die SPD wünsche sich eine durchaus noch stärkere Rückmeldung aus der Bürgerschaft.

Zur Gegenrede setzte dann wiederum Sträßle an – wie ihre CDU-Kollegen eine glühende Verfechterin des Rathaus-Umzugs ins Schloss. "Man könnte meinen, in Markdorf schlagen die Wellen hoch", kommentierte sie die Nachrichten über das Bürgerbegehren-Ansinnen. "Und man könnte meinen, dass die Kritiker in der Überzahl wären", so viel sei in der Zeitung darüber berichtet worden. Der Beschluss sei aber sorgfältig getroffen worden, nach "etlichen Beratungen und Abwägungen".