Es ist nur ein kleines "t", aber dieser unscheinbare Konsonant soll nun in der Gehrenbergstadt Großes bewirken und Markdorf zu "Marktdorf" machen. Mag sich der eine oder andere bis dato gefragt haben: "Was macht denn die Aktionsgemeinschaft so übers ganze Jahr?", zeigt sich hier: eine ganze Menge. Viele Ideen wurden in einer so genannten Zehnerrunde bei regelmäßigen Treffen gesammelt, abgewogen, befürwortet oder auch wieder verworfen – nun wurden diese Ideen in der großen Runde angeregt diskutiert und mit dem eindeutig geäußerten Wunsch kommuniziert: Es sind vom Einzelhandel mehr Märkte in Markdorf gewünscht, um mehr Besucher in die Stadt zu holen.

Zusätzlich zum Wochenmarkt ein Bauernmarkt, ein weiterer Flohmarkt, ein Herbstmarkt, und auch der "American Way of Life" soll mit einem so genannten "Street Food Market" noch in diesem Jahr in Markdorf Einzug halten. Ob das der Märkte zu viel ist oder nicht, das ist hier die Frage. Ein zweiter Wochenmarkt könnte ebenso bewirken, dass sich die Besucherfrequenz pro Markttag einfach halbiert und dass sich damit Missmut unter den Marktbeschickern breit macht. Denn wer besucht schon den Donnerstags- und den Samstagsmarkt? Ein zusätzlicher Flohmarkt kann gewiss nicht schaden, denn "Kruscht" zum Feilschen sammelt sich heutzutage im heimischen Haushalt schneller an, als die T-Shirts ihre Trendfarben wechseln.

Ein "Food Truck Event" indes könnte für Markdorf tatsächlich eine für den Bodenseeraum neben Überlingen und Lindau einzigartige Veranstaltung werden, auch wenn man bei den Schilderungen des jungen und charismatischen Markus Fetscher zunächst die Luft anhalten möchte. Er weiß, was er tut, und es scheint, er tut dies mit Leidenschaft. Wie seine Mutter seit einer gefühlten Ewigkeit das farbenfrohe Kinderkarussell bedient, das immer noch seinen großen kleinen Fankreis hat und das auch am Elisabethenmarkt zum Einsatz kommt. Neben allen "neuen Märkten" sollte dieser traditionelle und alteingesessene Markt nicht zum Nebenschauplatz werden. Es ist zu wünschen, dass Markdorf gerade durch diesen nostalgischen und liebenswerten und irgendwie auch reizend-schrulligen Markt mit den Gemüsehobeln, den Schuhputzmitteln, den Kochlöffeln und mit seinem Duft nach gebrannten Mandeln und nach Kindheit das "Dorf" in seinem Namen bewahrt und nicht Gefahr läuft, in den Köpfen irgendwann in "Marktstadt" umbenannt zu werden.