"Geben sie Acht auf die Kleidung", warnt Birgit Fischer. Sie hat auf dem Markdorfer Wochenmarkt einen Stand mit Frühlingsboten aufgebaut. Allerlei Weidenkätzchen in verschiedenen Zweiglängen, Hartriegel oder auch Hornstrauch und Forsythien liegen auf der Tischfläche oder stehen in Gefäßen. Sie alle sind, frisch geschnitten, auf dem Gelände des Fischer'schen Obst- und Gemüsehofes in Oberteuringen geerntet. Nur die Osterglocken kommen aus dem Gewächshaus. Birgit Fischer holt etliche davon aus einem Kunststoffeimer, wickelt sie in einen Zeitungsbogen, steckt sie noch in eine dünne Plastiktüte und reicht den Strauß einer Kundin. "Nicht mit anderen Blumen zusammen in eine Vase tun", warnt die Blumen-Verkäuferin aus Oberteuringen. Ihre Kundin hat schon davon gehört, dass aus den Osterglocken-Stielen schleimige Flüssigkeit tropft. "Die ist scharf und macht, solange die Osterglocken frisch sind, alle anderen Blumen in der Vase kaputt", erklärt Birgit Fischer. Und wenn der schleimige Saft auf Stoff tropft, seien die Flecken kaum mehr zu entfernen.

Weidenkätzchen als Heilmittel

Solche Nebenwirkungen sind bei den übrigen Pflanzen am Marktstand von Birgit Fischer nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Die samtartig behaarten Palm- oder Blütenkätzchen galten lange Zeit als fruchtbarkeitsfördernd. Nicht umsonst wurden sie auch Lebensruten genannt. Eine große Rolle spielte die Weide in der sogenannten Sympathie-Medizin der frühen Neuzeit, deren Heilkundige nach der Methode "Gleiches hilft gegen Gleiches" verfuhren. Danach helfen Weidenzweige gegen Zahnschmerz, gegen Fieber und auch gegen Gelenkschmerzen – was heute auf die in der Rinde enthaltende Salicylsäure zurückgeführt wird, die hilft, Schmerzen zu lindern und Fieber zu senken. Um deren vermeintlichen Heil- oder Fruchtbarkeits-Wirkung willen stellen sich die Markdorfer Kunden von Birgit Fischer die frisch erstandenen Weidenkätzchen allerdings nicht in die Wohnung – sondern als hoch willkommene Frühlingsboten. "Wasser brauchen sie keins", erklärt die Markthändlerin, "anders als die Osterglocken."