Die Buchhandlung Wälischmiller hat einen neuen Besitzer. Und nicht nur das: seitdem sie aus den Händen von Susanne Scheffel in die von Margarete und Michael Riethmüller aus Ravensburg gegangen ist, trägt das Traditionsgeschäft am Stadtgraben auch einen neuen Namen. Nun heißt es Buchhandlung Ravensbuch und fügt sich damit ins inhabergeführte Familienunternehmen der Riethmüllers ein – mit seinen inzwischen vier Standorten. Das Ehepaar hat vor 27 Jahren Ravensbuch in Ravensburg eröffnet, 2006 dann eine zweite Buchhandlung in Friedrichshafen. Im vergangenen Jahr kam in Tettnang eine dritte hinzu – und mit der Buchhandlung Wälischmiller in Markdorf schließlich im vergangenen Januar das vierte Geschäft.

Den Begriff Filiale mag Martin Riethmüller so gar nicht. Jedenfalls nicht, wenn der sich auf eine seiner nunmehr vier Buchhandlungen bezieht. Am Rande eines Vorstellungsabends von Margarete und Michael Riethmüller sowie von Martin Riethmüller, ihrem Sohn, und Christoph Paris, die beiden letzteren werden in den nächsten Wochen zu den neuen Geschäftsführern von Ravensbuch, erläuterte Michael Riethmüller, warum ihm der Filial-Begriff so wenig behagt. "Das hört sich nach übergreifendem Konzept an und kann damit den örtlichen Besonderheiten nicht gerecht werden."

Eigenständigkeit soll bleiben

Das lokale Gewachsensein in Markdorf macht aus Sicht von Martin Riethmüller die enge Beziehung der Markdorfer zu ihrer Buchhandlung aus: "Noch enger vielleicht als in anderen Städten begreift man das Buchgeschäft hier als Ort des Austauschs." Das sei denn auch der Grund gewesen, "warum wir uns hier als die neuen Besitzer vorgestellt haben." Ravensbuch in Markdorf werde eine gewisse Eigenständigkeit behalten. Filialleiterin Kristina Deike und ihre fünf Kolleginnen bestimmen auch weiterhin das Sortiment. Anders als in Ketten-Buchhandlungen bleibt so das eigene Gesicht des Angebots und wird nicht von oben – einheitlich für alle Filialen – festgelegt.

Nicola Benz, Kristina Deike, Yvonne Voigt (von links) und Heidi Ziegler (rechts außen) waren den Markdorfer Kunden schon aus der Buchnandlung Wälischmiller bekannt, Christoph Paris, Michael, Martin und Margarete Riethmüller stellten sich nun neu vor.
Nicola Benz, Kristina Deike, Yvonne Voigt (von links) und Heidi Ziegler (rechts außen) waren den Markdorfer Kunden schon aus der Buchnandlung Wälischmiller bekannt, Christoph Paris, Michael, Martin und Margarete Riethmüller stellten sich nun neu vor. | Bild: Jörg Büsche

Einen gewissen Gestaltungsspielraum behalten die Markdorfer Mitarbeiterinnen auch bei den Veranstaltungen, erklärt Martin Riethmüller, der bei Ravensbuch fürs Marketing zuständig ist, während seine Mutter Margarete Riethmüller sich um die Events kümmert. Martin Riethmüller betont indes, dass es Ravensbuch allein schon durch seine Größe leichter hat, auch bekannte Autoren für eine Lesung zu gewinnen. Heute kommt Takis Würger nach Markdorf, er hat den viel diskutierten Roman "Stella" geschrieben. Überhaupt werde die Zahl der Veranstaltungen in der Markdorfer Buchhandlung wieder steigen, so Riethmüller.

Abholbox nach Ladenschluss

Für die Kunden gestaltet sich in Zukunft einiges leichter und vieles schneller. Unter dem Ravensbuch-Dach kommt nun ein dritter Großhändler hinzu. Nun sind auch wieder antiquarische Bestellungen möglich. Schneller treffen Bücher ein, die aus einer der drei anderen Ravensbuch-Geschäfte direkt abgeholt werden können. Und dank der demnächst installierten Abholbox bekommen die Leser die von ihnen bestellten Bücher auch nach Ladenschluss beziehungsweise sonntags.

Online bestellt, lokal gekauft

Online-Bestellung und lokaler Einkauf greifen hier ineinander – ganz im Sinne von Michael Riethmüller, dem Mitbegründer des Vereins "Buy local", der Kaufkraft regional binden möchte, damit sie vor Ort der Wirtschaft und der Kultur zugute kommt und sie nicht weiter zunehmend ins Internet abwandert.

"Eine Stärkung des Einzelhandels"

In der Markdorfer Einzelhändlerschaft und beim Standortmarketing der Stadt sieht man den Inhaberwechsel bei der Buchhandlung Wälischmiller positiv.

 

Lucie Fieber, Geschäftsführerin von Markdorf Marketing sieht eine ganze Reihe von positiven Faktoren. Sehr erfreulich sei, dass die angestammten Mitarbeiter übernommen worden seien. Viele von ihnen hätten ganz persönliche Beziehungen zu den Markdorfern. Die Buchhandlung sei zudem die stärkste Verkaufsstelle für den Markdorf-Gutschein und werde dies nun auch bleiben. Grundsätzlich sei es aus Sicht des Einzelhandels und des Standortmarketings zu begrüßen, dass es ein regionales Unternehmen sei, das die alteingesessene Buchhandlung übernommen habe. Damit sei gewährleistet, dass sich auch das neue Führungsteam mit Markdorf als Standort identifiziere. Dies zeige auch der Umstand, dass das Angebot an Lesungen und Veranstaltungen weitergeführt werde. "Wir finden es sehr gut, dass man dort weiterhin mit anfassbaren Menschen zu tun hat", sagt Fieber. Vor allem in Abgrenzung zu Internet-Anbietern wie Amazon sei dies ein wertvoller Standortfaktor. "Das Lesungsprogramm und der Kontakt von Mensch zu Mensch sind ein Service, den das Internet nicht bieten kann." Nicht zuletzt sei eine Buchhandlung vor Ort ein wichtiges Angebot für Markdorf als großen Schulstandort, so Fieber. Gäbe es die Buchhandlung in Markdorf nicht mehr, wäre dies "ein großer Verlust für das Einzelhandelssegment unserer Stadt".