Das Lied zum Zweck des Konzerts, der Bodensee-Medley-Chor sang es: „We are the world“ von Michael Jackson. Wobei die deutsche Fassung allen in der gut besetzten Stadthalle deutlich machte, was derzeit angesagt ist. „Es muss etwas geschehen“, intonierten die Sänger mit bewegender Eindringlichkeit. Und den Grund lieferte der Text sogleich mit: Weil auch wir, die Nichtbetroffenen, zu jener Welt gehören, in der „Kinder in Armut leben“. Ja, es müsse etwas geschehen. Die Frage aber stellt sich: „Wer nimmt es heute in die Hand?“

Zum Teil wurde diese Frage schon zu Konzertbeginn beantwortet – zum Beispiel, als Pfarrer Ulrich Hund die Besucher im Namen des Christlichen Bildungswerks Markdorf (CBW) begrüßte. Er verwies auf die lange Tradition der CBW-Wohltätigkeitskonzerte. Seit mehr als drei Jahrzehnten finden sie statt. Und stets singt eine Reihe Markdorfer Chöre für ein Kindergartenprojekt im brasilianischen Sao Paulo. Dort hält Pfarrer Karl-Heinz Speckert, vor Jahren Vikar in Markdorf, den Kontakt zu einer Kindertagesstätten-Initiative, die Kindern aus den Armutsvierteln vor dem Elend bewahren will. „Drogenhandel, Diebstahl, sogar Kinder-Prostitution“, zählte Pfarrer Hund die großen Probleme auf. Inzwischen sei das Kindergartenprojekt auf fünf Kindergärten angewachsen, in denen rund 530 Kinder sicheren Halt finden. Ermöglich werde das nicht zuletzt durch die Spendenbereitschaft der Markdorfer Wohltätigkeitskonzert-Besucher, sagte Pfarrer Hund. Ausdrücklich bedankte er sich bei den fünf mitwirkenden Chören sowie dem Musikverein Riedheim.

Das Blasorchester aus Riedheim gestaltete dann auch den Auftakt. Unter der Leitung von Nicolaus Köb spielte es „Guardians of Peace“, eine Komposition von James L. Hosay. Ein neuerliches Beispiel für die Verve, mit der die Musiker auch komplexe Stücke angehen. Sie überzeugen durch die Art, wie sie ihre Klangpalette präsentieren. Alles fügt sich, Tuben bereiten die Basis, auf der mal die Saxofone, mal die Querflöten melodiöse Glanzlichter setzen. Selbst Wuchtiges wie „The Patriot“ von John Williams wirkt keineswegs überladen.

Gemessen, beinahe schmachtend dagegen das erste Chor-Stück. Der „Schöne Bodensee“, mit dem der Männergesangsverein Markdorf unter Frieda Moor in heimische Gefilde zurückführte. Sehnsuchtsvoll, andächtig und in starkem Kontrast zum dann folgenden, sehr temperamentvollen „Mala moja“. Die heitere, unterhaltsame Note griff der Medley-Chor auf. Seine „Magischen Momente“ wurden gewissermaßen zum Programm des Konzerts. Denn sie begegneten bei Bernd Langs Gemischtem Chor aus Ittendorf – etwa bei „Musica, die ganz liebliche Kunst“ – ebenso wie bei den Liedern der Musikfreunde. Hier hatte Dirigent Uli Vollmer wahre Preziosen ausgewählt, „Nun fanget an!“ und „Tanzen und Springen“, keck Komponiertes auf der Schwelle zum Frühbarock vom Tonsetzer und Uhrmacher Hans Leo Haßler. Überdies eine neuerliche Hymne an Frau Musica, diesmal von Paul Peuerl, einem Zeitgenossen Haßlers.

Dirigentin Galina Eberhardt und ihr Chor „Ton in Ton“ brachten das Konzertmotto „Was das Herz erfreut“ mit Mirelle Matthieus Schlager „Pariser Tango“ schön auf den Punkt. Die Dirigentin durfte nach dem Auftritt ihres Chors das Heft in der Hand behalten: beim fulminanten Schlusschor aller Beteiligten. Sie sangen „Amazing grace“ und „Ein schöner Tag“. Wie wahr!


Die Beteiligten

Musikverein Riedheim unter

Nicolas Köb

Männergesangsverein Markdorf unter Frieda Moor

Bodensee-Medley-Chor unter

Willi Brommer

Gemischter Chor Ittendorf unter Bernd Lang

Musikfreunde Markdorf unter

Uli Vollmer

„Ton in Ton“ unter Galina Eberhardt

Die beim Chorkonzert des CBW eingenommenen Spenden gehen an das Kinder-Projekt von Pfarrer Karl-Heinz Speckert in einem Vorort von

Sao Paulo.