Hinter den Türen, die der SÜDKURIER Markdorf für rund 20 ausgeloste Leser öffnete, verbarg sich Überraschendes: Das scheinbar unscheinbare Unternehmen Sonett in Deggenhausertal ist Weltmarktführer im Bereich ökologische Waschmittel und die Nadeln, mit denen die über 50 belieferten Länder auf der Weltkarte markiert werden, nehmen zu.

Tiefe Einblicke, nicht nur in die riesigen Kessel, gewährte Christian Germann den SÜDKURIER-Lesern, die sich für die Führung bei Sonett in Deggenhausertal beworben hatten.
Tiefe Einblicke, nicht nur in die riesigen Kessel, gewährte Christian Germann den SÜDKURIER-Lesern, die sich für die Führung bei Sonett in Deggenhausertal beworben hatten. | Bild: Christiane Keutner

Im krassen Gegensatz dazu steht die Philosophie des Unternehmens, die Gewinn fast außer Acht lässt – es ist eher gemeinsinnorientiert und der Profit auf Miteinander und Menschlichkeit ausgerichtet. Das und die Herstellung beeindruckten die Besucher sehr, die Abteilungsleiter Christian Germann mit Herzblut durch die Abteilungen führte. Redaktionsleiter Helmar Grupp stellte fest: "Danke, das war sehr informativ, interessant, nett und humorvoll!"

Ruth Walther, Meersburg: "Das es die Produkte auch im Supermarkt gibt, hat uns inspiriert, herzukommen. Wir dachten, was hat so ein kleiner Laden schon: Etwas sehr Wichtiges, weniger Rückstände."
Ruth Walther, Meersburg: "Das es die Produkte auch im Supermarkt gibt, hat uns inspiriert, herzukommen. Wir dachten, was hat so ein kleiner Laden schon: Etwas sehr Wichtiges, weniger Rückstände." | Bild: Christiane Keutner

Wie Sonett entstand? Ende der 60er Jahre war der Rhein eine Kloake. Ein Großteil der Verunreinigung von Wasser kam ironischerweise vom Saubermachen. Naturwissenschaftler Johannes Schnorr aus Herrischried entwickelte die Idee des Waschens im Baukastensystem – Anstoß zur Gründung von Sonett. Als die zunächst erfolgreiche Firma 1992 kurz vor der Pleite stand, weil plötzlich Pulver nicht mehr gefragt waren, hatte eine der Geschäftsführerinnen, Diplom-Chemikerin Beate Oberdorfer, die Idee, das Sortiment um flüssige Waschmittel zu erweitern, die Firma war gerettet. Heute machen die Pulverprodukte etwa ein Zehntel aus.

Werner Amann, Mimmenhausen: "Klasse, dass die Arbeitsplätze auch für Benachteiligte sind und hier Inklusion gelebt wird, und das man mit dem Bioprodukt das gleiche Ergebnis erzielen kann, wie mit herkömmlichen Wasch- und Reinigungsmitteln."
Werner Amann, Mimmenhausen: "Klasse, dass die Arbeitsplätze auch für Benachteiligte sind und hier Inklusion gelebt wird, und das man mit dem Bioprodukt das gleiche Ergebnis erzielen kann, wie mit herkömmlichen Wasch- und Reinigungsmitteln." | Bild: Christiane Keutner

Das gesamte Sortiment wächst jährlich um 15 bis 18 Prozent und mit ihm die Gebäude in Deggenhausen. Startschuss für eine neue Produktionsstätte ist am 1. April. Eine Weiterentwicklung gibt es auch im kosmetischen Bereich mit Lotionen und Cremes. Sie werden, wie die bisherigen über 50 Produkte, vier Qualitätsmerkmale aufweisen: Zu 100 Prozent biologisch abbaubar, es werden weder Erdölrohstoffe noch Gentechnik oder allergieauslösende Enzyme verwendet.

Melissa Lang-Schnee, Mimmenhausen: "Die Philosophie fand ich sehr interessant und wie sich Sonett für die Umwelt einsetzt. Das tun viel zu wenige. Zudem bin ich chemisch interessiert und besonders an den Entwicklungen der Produkte."
Melissa Lang-Schnee, Mimmenhausen: "Die Philosophie fand ich sehr interessant und wie sich Sonett für die Umwelt einsetzt. Das tun viel zu wenige. Zudem bin ich chemisch interessiert und besonders an den Entwicklungen der Produkte." | Bild: Christiane Keutner

Weil überwiegend biologisch-dynamische Zutaten verwendet werden und nur echte ätherische Öle, ist die Gewinnspanne nicht so groß wie bei anderen Unternehmen. Ökologisch ist auch der Strombezug vom Nachbarn aus einer Wasserkraftanlage und für Greenpeace die bewussten Zahlung eines höheren Preises. Lebensmittelechte Plastikflaschen sind unverzichtbar, weil recycelte unerwünschte Stoffe abgeben.

Thomas Schwegler, Markdorf: "Ich wollte Sonett privat und als Lehrer kennenlernen und schauen, ob sich die Firma für Schülerpraktika und Ausbildungsberufe eignet. Die Firmenphilosophie als Stiftung hat mich am meisten beeindruckt."
Thomas Schwegler, Markdorf: "Ich wollte Sonett privat und als Lehrer kennenlernen und schauen, ob sich die Firma für Schülerpraktika und Ausbildungsberufe eignet. Die Firmenphilosophie als Stiftung hat mich am meisten beeindruckt." | Bild: Christiane Keutner

Eine Besonderheit sind die Mitarbeiter, unter ihnen Geflüchtete und ehemalige Drogenabhängige. 90 Mitarbeiter aus 22 Nationen plus derzeit 26 Menschen mit Handicap, die in den Lehenhof-Werkstätten Etiketten aufkleben und abfüllen. Von der sozialen Verantwortung profitieren unbefristet Angestellte. Sie bekommen 50 Euro monatlichen Zuschuss zur Gesundheitsvorsorge, den sie auch ihren Kollegen spenden können, Geburtstagsständchen, Vergünstigungen im Lehenhofladen und Zuschuss für Fitness-Studios. Es gibt Poesie am Arbeitsplatz als Ausgleich zur industriellen Arbeit und überall hängen Kunstwerke. Des Weiteren sponsert Sonett soziale Projekte.

Christian Germann (rechts) verschenkte Proben und Informationen.
Christian Germann (rechts) verschenkte Proben und Informationen. | Bild: Christiane Keutner

Speziell ist auch die Beimischung von acht Substanzen in alle Produkte, die im sogenannten Oloid 49 Mal rollenderweise vermengt werden, und die Verwirbelung des Produktionswassers, was eine harmonische Kristallstruktur bewirkt. "Wir wollen damit einen lebenden Impuls beigeben und das Wasser energetisieren", so Christian Germann. Sonett will der ausgebeuteten Erde etwas zurückgeben.