Heraus aus dem Elfenbeinturm: Die Rathaus-Führungsriege und die Stadträte suchen den Austausch mit den Bürgern Markdorfs. So lässt sich ein wenig provokant der Auftakt des Bürgerdialogs zur künftigen Stadtenwicklung morgen Nachmittag in der Stadthalle umschreiben.

Weil das einfacher klingt, als es ist und weil die Stadt, Stichwort Bischofsschloss-Bürgerentscheid, in der Vergangenheit nicht unbedingt glücklich agierte, hat sich die Verwaltung Experten ins Boot geholt.

Experten für die Stadt

Wolfgang Himmel und Tina Hekeler von der Konstanzer Agentur translake und Professor Frank Brettschneider, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim, beraten die Stadt auf ihrem Weg in eine kommunikativere Zukunft.

Das könnte Sie auch interessieren

Während Himmel dabei das Instrumentarium für die Praxis entwickeln soll, geht Brettschneider der Frage nach, wie die Kommunikation zwischen Politik und Bürgern auf erfolgversprechende Füße gestellt werden kann.

Professor Frank Brettschneider: "Gelingen kann die Beteiligung nur dann, wenn eine gewisse Offenheit besteht und keine fertigen Pläne präsentiert werden."
Professor Frank Brettschneider: "Gelingen kann die Beteiligung nur dann, wenn eine gewisse Offenheit besteht und keine fertigen Pläne präsentiert werden." | Bild: Universität Hohenheim

Erfolgsfaktoren und Hürden

Brettschneider wird am Samstag sein Leitmotiv mit nach Markdorf bringen. "Was sind die Erfolgsfaktoren für eine gelingende Beteiligung und was erschwert eine tragfähige Lösung oder wo gibt es Hürden?" Diese Frage gelte es als erstes zu klären, sagt Brettschneider im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Eine Hürde, die beim Bürgerentscheid offenbar eine zentrale Rolle gespielt hatte, hat er bereits ausgemacht. Die Verwaltung habe zwar viel informiert, aber in der Bevölkerung gehe das Bedürfnis über die reine Information über festgezurrte Planungen hinaus: "Gelingen kann die Beteiligung nur dann, wenn eine gewisse Offenheit besteht und keine fertigen Pläne präsentiert werden."

In der Stadthalle findet am Samstag um 14 Uhr der Bürgerdialog-Auftakt statt.
In der Stadthalle findet am Samstag um 14 Uhr der Bürgerdialog-Auftakt statt. | Bild: Helmar Grupp

Offenheit für Neustart

Nun jedoch seien die Voraussetzungen für einen Neustart gegeben. "Diese Offenheit ist jetzt beim Themenkomplex Rathaus, Rathausareal und Schloss da." Dabei dürfe es aktuell noch nicht um die Lösungsmöglichkeiten gehen, sondern um die Kriterien.

Was erwarten Politik und Bürger von einer künftigen Nutzung? Sei dies geklärt, könne man im nächsten Schritt die Lösungsmöglichkeiten anhand der Kriterien abklopfen. "Und dann hat man auch gleich schon eine positive Grundstimmung", sagt Brettschneider.

Das Bischofsschloss: Der knapp ausgegangene Bürgerentscheid, der den geplanten Umzug des Rathauses ins Schloss zum Kippen brachte, gab den Anlass zum Bürgerdialog, den die Stadt nun beginnen möchte.
Das Bischofsschloss: Der knapp ausgegangene Bürgerentscheid, der den geplanten Umzug des Rathauses ins Schloss zum Kippen brachte, gab den Anlass zum Bürgerdialog, den die Stadt nun beginnen möchte. | Bild: Helga Stützenberger

Auf die Veranstaltung sei er sehr gespannt. "Vor allem darauf, ob es uns gelingt, nun die Gräben hinter uns zu lassen und gemeinsam an die Lösung der Aufgaben gehen können." Bestenfalls gebe es mehrere Optionen für ein geplantes Vorhaben und damit einen Gestaltungsspielraum, sodass eine Beteiligung der Bürgerschaft auch sinnvoll sei.

Auch über das Ziel gebe es immer wieder Missverständnisse. Es gehe keineswegs darum, dass sich am Ende alle einig seien, stattdessen aber darum, dass eine Lösung gefunden werde, die von allen Seiten als ein tragfähiger Kompromiss angesehen werden könne.

Das könnte Sie auch interessieren