Nach Vorgaben des Landesamtes für Denkmalpflege wird derzeit eine Bestandsaufnahme der Bausubstanz und des Untergrundes erstellt. Der Zustand soll möglichst genau erfasst und dokumentiert werden. Das Ulmer Architekturbüro Braunger und Wörtz ist mit der Koordination dieser Voruntersuchungen und Auswertungen beauftragt, die durch diverse Fachgutachter erledigt werden. "Mehr als zehn Gutachter und Fachplaner sind eingebunden", berichtete Geschäftsführer Marcus Wörtz am Dienstagabend im Gemeinderat. Wörtz gab in öffentlicher Sitzung einen Überblick über erledigte, über laufende und über bevorstehende Aufgaben. Er sprach angesichts der vorhandenen historischen Bausubstanz von einem "Schatz", den es zu heben gelte. Wörtz brachte als ein Beispiel das einstige Restaurant im Schlossturm. Die dort verbauten Balken schätzte der Architekt auf ein Alter von mindestens 1000 Jahren. Es gehe auch darum, zu dokumentieren, welche Bauteile des Schloss-Ensembles wie alt sind, welche historisch bedeutsam sind und deren Bestand so gut wie möglich erhalten werden muss. "Wir haben die Chance, Geschichte erlebbar zu erhalten", so Wörtz.

Blick auf eine freigelegte Armierung, rechts vom Eingang des Turms des Bischofschlosses. Bild: Toni Ganter
Blick auf eine freigelegte Armierung, rechts vom Eingang des Turms des Bischofschlosses. Bild: Toni Ganter | Bild: Toni Ganter

Wie Wörtz dargelegt hat, laufen die Sondierungsarbeiten seit rund vier Monaten und sind in der Endphase. Allein daran lasse sich erkennen, wie komplex die ganze Angelegenheit ist. Inzwischen sei mit der Auswertung des erhobenen Ist-Zustands der unterschiedlichsten Bauteile des Schloss-Ensembles begonnen worden. Beispielsweise werden Putz und Stuck, Mauerwände, Dachtragwerke, Fenster, sowie Bodengründungen, Wand-, Decken- und Dachaufbauten sowie mögliche Schadstoffe untersucht. Für das Landesamt für Denkmalpflege müssen die Ergebnisse der Untersuchungen dargelegt sowie Schäden in einzelnen Sanierungsvorschlägen aufgearbeitet werden. Außerdem muss ein sogenanntes Raumbuch erstellt werden. Für jeden einzelnen Raum werden Datenblätter erstellt, auf denen die Lage und der ermittelte Ist-Zustand auch mit Fotos dokumentiert wird. Im Raumbuch werden laut Wörtz mehr als 200 Sondierungen dokumentiert sein, parallel dazu werden die Pläne aus den 80er Jahren überprüft, als das Schloss-Ensemble generalsaniert war. Das Raumbuch werde mehrere 100 Seiten umfassen und beim Landesamt für Denkmalschutz hinterlegt werden. Ein Werk dieser Art gebe es für das Schloss-Ensemble bislang nicht.

"Brandschutz ist ein ganz großes Thema", richtete Wörtz das Augenmerk auf einen wesentlichen Aspekt. Es gehe beispielsweise um Fluchtwege und Notausgänge. Dieser Aufgabenbereich werde regelmäßig in Abstimmung mit dem Landratsamt und mit dem Landesamt für Denkmalschutz besprochen. "Wir müssen gute und kreative Lösungen finden", sagte Wörtz und erklärte, dass Denkmalschutz und Brandschutz überhaupt nicht leicht vereinbar sind, weshalb um Kompromisse gerungen werden muss.

In den vergangenen Monaten wurden umfangreiche Untersuchungen der Substanz des Bischofsschlosses vorgenommen, damit der Umfang der geplanten Sanierungsarbeiten besser eingeschätzt werden konnte. Hier wurde eine Probebohrung an einer Rissstelle im Wandputz vorgenommen.
In den vergangenen Monaten wurden umfangreiche Untersuchungen der Substanz des Bischofsschlosses vorgenommen, damit der Umfang der geplanten Sanierungsarbeiten besser eingeschätzt werden konnte. Hier wurde eine Probebohrung an einer Rissstelle im Wandputz vorgenommen. | Bild: Toni Ganter

Das Raumbuch soll noch im April fertiggestellt sein, die Kostenberechnungen sollen bis Ende Mai/Anfang Juni vorliegen. Der Gemeinderat soll am 12. Juni in öffentlicher Sitzung über ein bis dahin fertiges Entwicklungskonzept mit Kostenberechnung beraten.

Bürgermeister Georg Riedmann lobte das Engagement aller am Projekt beteiligten: "Wir spüren, dass mit viel Herzblut und mit großer Sorgfalt gearbeitet wird."

 

Projektgruppe gebildet

In eine Bauausschuss-Projektgruppe "Rathaus im Bischofsschloss" sind am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung von den vier Fraktionen Stadträte entsandt worden. Für die CDU: Alfons Viellieber; für die Umweltgruppe: Benno Sandkühler; für die Freien Wähler: Jens Neumann; für die SPD: Uwe Achilles. Als weitere Mitglieder sind Vertreter der Verwaltung, des Landesamtes für Denkmalpflege und des Architekturbüros Braunger und Wörtz vorgesehen. Dieses Gremium tagt regelmäßig. Nach derzeitigem Stand der Dinge soll der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am 12. Juni über eine dann fertige Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung beraten. (gan)