Der Markdorfer Huancaray-Kreis hat Besuch. Seit knapp einer Woche sind Padre Mario und der Wassermeister Vidal zu Gast. Beide stammen aus Huancaray, der peruanischen Partnergemeinde der Pfarrei St. Nikolaus. Es ist der Gegenbesuch zum Huancaray-Aufenthalt von sechs Markdorfern im Juni. "Die Reisen sind im Zusammenhang mit dem 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft zu sehen", erklärte Helga Konzet-Horn. Sie hat die Verbindung auf den Weg gebracht.

Padre Mario und Wassermeister Vidal machen sich während ihres Aufenthalts ein Bild vom Leben in der katholischen Gemeinde, aber auch von Einrichtungen in der Stadt. So besuchten sie unter anderem das Mehrgenerationenhaus und das Bildungszentrum, aber auch das Abfallwirtschaftsamt.

Auch Wassermeister Vidal (links) wurde von Bürgermeister Riedmann empfangen. Daneben sitzen Übersetzer Louis Flores (von links), Helga Konzet Horn und Manfred Lorenz.
Auch Wassermeister Vidal (links) wurde von Bürgermeister Riedmann empfangen. Daneben sitzen Übersetzer Louis Flores (von links), Helga Konzet Horn und Manfred Lorenz. | Bild: Jörg Büsche

Wasserversorgung ist gewährleistet

Wassermangel sei bis vor Kurzem kein Thema in Markdorf gewesen. Das erklärte Bürgermeister Georg Riedmann am Dienstagmorgen, als ihn die Delegation aus Huancaray besuchte. Doch in diesem Sommer habe sich das geändert, sagte Riedmann. Aufgrund der lang anhaltend hohen Temperaturen hätten sich die hiesigen Obstbauern Sorgen machen müssen. "Es hat auch uns betroffen", wandte sich der Bürgermeister an die beiden Peruaner, "sehr wahrscheinlich sind das erst die Vorboten des Klimawandels."

Gruppenbild nach dem Empfang beim Bürgermeister: Louis Flores (von links), Elisabeth Arnegger, Kurt Rogalla, Dorothea Rogalla, Manfred Lorenz, Wassermeister Vidal, Regina Lorenz, Helga Konzet-Horn, Pfarrer Ulrich Hund, Padre Mario, Bürgermeister Georg Riedmann, Ernst Arnegger und Arturo Huamani.
Gruppenbild nach dem Empfang beim Bürgermeister: Louis Flores (von links), Elisabeth Arnegger, Kurt Rogalla, Dorothea Rogalla, Manfred Lorenz, Wassermeister Vidal, Regina Lorenz, Helga Konzet-Horn, Pfarrer Ulrich Hund, Padre Mario, Bürgermeister Georg Riedmann, Ernst Arnegger und Arturo Huamani. | Bild: Jörg Büsche

Mit Wasserknappheit haben die Menschen in Huancaray, der auf knapp 3000 Metern Höhe gelegenen Anden-Gemeinde mit rund 5000 Einwohnern, inzwischen weniger zu kämpfen. Warum das so ist, weiß Wassermeister Vidal genau. Schließlich leitet und überwacht er den Bau von Wasserleitungen in seiner Heimat. Es sind Wasserleitungen, die mit in Markdorf gesammelten Spendengeldern finanziert werden. Dadurch könnten nun auch die Dörfer rund um Huancaray mit frischem Wasser versorgt werden.

Solarprojekt spart Brennmaterial

"Viel gibt es nicht mehr zu bauen", erklärt Kurt Rogalla. Das Mitglied des Huancaray-Kreises war im Juni in Peru. "Unsere Arbeit geht trotzdem weiter", erklärt der pensionierte Ingenieur. So habe man nun auch das von ihm vorgeschlagene Solarprojekt realisiert. "Es hat etwas gebraucht", erzählt Rogalla. Dank der Solaranlage könne nun beim Kochen des Schulessens deutlich an Brennmaterial gespart werden. Durch die Anlage werde das Wasser bereits auf 70 Grad erhitzt.

Padre Mario (von links), Helga Konzet-Horn, Wassermeister Vidal und Louis Flores bei ihrem Besuch des Markdorfer Mehrgenerationenhauses.
Padre Mario (von links), Helga Konzet-Horn, Wassermeister Vidal und Louis Flores bei ihrem Besuch des Markdorfer Mehrgenerationenhauses. | Bild: Jörg Büsche

Im Dialog sei man inzwischen auch bezüglich des Mülls, für dessen Entsorgung es in Huancaray noch keine zufriedenstellende Lösung gibt. "Jetzt suchen wir zusammen nach einem Plan zur Lösung des Problems", berichtet Kurt Rogalla. Der Austausch werde per E-Mail gepflegt. "Früher haben wir uns Karten und Briefe geschickt, die ewig unterwegs waren."

In Huancaray finden die Familien inzwischen wieder öfter zusammen. So hat es Dorothea Rogalla beobachtet. "Seitdem die Wasserversorgung besser geworden ist, gibt es nicht mehr diese starke Landflucht." Zum Teil kehren die Jüngeren auch schon wieder in den Ort zurück. Das sei auch dringend nötig, da es keine Seniorenwohnungen gibt. "Die Alten bleiben weitgehend sich selbst überlassen", sagt Dorothea Rogalla.

Für Manfred Lorenz, gleichfalls Unterstützer des Huancaray-Kreises, genießt das Gespräch mit den Partnern aus Peru inzwischen einen hohen Stellenwert, denn "ich sehe Huancaray mittlerweile als meine zweite Heimat an".