Kunst, so sagte einst Karl Valentin, sei schön, mache aber viel Arbeit. Wie viel, das können nun jene rund 60 Zehntklässler des Schulverbunds am Markdorfer Bildungszentrum (BZM) ermessen, die sich an einem besonderen Kunstprojekt beteiligt haben. Die Kunstlehrerinnen Carolin Engels und Carmen Dollmann haben es initiiert. „Wir arbeiten immer schon relativ gerne zusammen“, erzählt Carmen Dollmann. Da sei die Idee naheliegend gewesen, auch einmal klassenübergreifend zu kooperieren – mit einer besonderen Aufgabenstellung für ihre Schüler.

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Schüler überwinden Grenzen

Worin die bestanden hat, das erklärte Carolin Engels jetzt bei der Vernissage zur Ausstellung mit den fertigen Schülerarbeiten in der Bibliothek am BZM.

„Ausgangspunkt waren Bilder von Salvador Dalí“, erläuterte Engels. Dessen surreale Gemälde sollten die Schüler zur Grundlage von Skulpturen machen. „Aus der zweidimensionalen Vorlage galt es dreidimensionale Figuren zu gestalten“, führte die Kunstlehrerin aus. Ob es da nähere Anweisungen gegeben habe, erkundigte sich eine Frau aus dem Vernissage-Publikum, der die träumerische Fantastik der Dalí-Bilder als Hemmnis erschien.

Caroline Engels‘ Antwort: „Wir haben die Schüler schon darauf hingewiesen, dass es nicht einfach sein wird, auf der Leinwand Schwebendes auch als Gegenstand im Raum schweben zu lassen.“ Doch die jungen Künstler akzeptierten offensichtlich keine Grenzen: Sie lassen ihre Skulpturen teils auf sehr dünnen Stelzen stehen. Wobei ihnen da das für ihre Arbeiten gewählte Material entgegenkommt: leichtes Pappmaschee.

Veronika Elflein, Tobias Baumert und Caroline Engels (von links) bestaunen die Schülerkunst.
Veronika Elflein, Tobias Baumert und Caroline Engels (von links) bestaunen die Schülerkunst. | Bild: Jörg Büsche

Vom Bild zur Pappmaschee-Plastik

„Es hat sich gelohnt“, schaut Anna Piekniewski, 16 Jahre, auf sechs Monate intensive Arbeit an ihrer Dalí-Skulptur zurück. Zusammen mit Lovrena Müller, gleichfalls 16, hat sie eines der zerfließenden Selbstporträts des spanischen Surrealisten aufgegriffen. „Das Gesicht einfach nur zu formen hat nicht ausgereicht“, erklärte Lovrena Müller. Damit die Pappmaschee-Plastik auch wirklich die Plastizität des Gemäldes erreicht, hätten sie Licht- und Schattenbereiche mit dem Pinsel auftragen müssen.

Anna Piekniewski und Lovrena Müller mit ihrer einem Dalí-Gemälde nachempfundenen Skulptur.
Anna Piekniewski und Lovrena Müller mit ihrer einem Dalí-Gemälde nachempfundenen Skulptur. | Bild: Jörg Büsche

Anja Poloczek ist begeistert. Ihre Tochter hat eine Windmühle mit Schmetterlingsflügeln gestaltet. „Das hätte ich nie gedacht“, staunte die Mutter. Sie habe es kaum glauben können, als sie das nun in der Bibliothek ausgestellte Kunstwerk auf der Website der Schule gesehen habe. Sie könne es kaum abwarten, „bis die Schmetterlingsmühle in unser Wohnzimmer kommt“.

Die Windmühle mit den Schmetterlingsflügeln hat Julia Poloczek gestaltet.
Die Windmühle mit den Schmetterlingsflügeln hat Julia Poloczek gestaltet. | Bild: Jörg Büsche

Doch muss sich Anja Poloczek noch eine Weile gedulden, bis es so weit ist. Erstens sollen die Schülerarbeiten noch einige Wochen in der Bibliothek zu sehen sein, wie deren Leiterin, Kornelia Schaub, erklärte – und zweitens plant die Stadt ebenfalls noch eine Ausstellung mit den Dalí-Skulpturen.

Lucas Rauh ist der Gestalter der brennenden Giraffe.
Lucas Rauh ist der Gestalter der brennenden Giraffe. | Bild: Jörg Büsche

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