„Im Prozess“ heißt die Ausstellung, mit der der Kunstverein dieses Jahr beginnt. Ab heute Abend zeigt er Arbeiten von Barbara Seifried. Es ist nicht das erste Mal, dass Bilder von ihr in den Räumen der Stadtgalerie hängen. Schon wenige Monate nach der Eröffnung der Galerie präsentierte Seifried zusammen mit anderen Künstlerinnen Gemälde zum Thema „Frauengestalten“. Fünf Jahre darauf stellte sie gemeinsam mit der Schweizer Eisenplastikerin Martina Lauinger aus.

Überblick über das Schaffen während zehn Jahren

„Wir wollen einen Überblick über das Schaffen von Barbara Seifried während der vergangenen zehn Jahre geben“, erklärt Christiane Oßwald. Sie hat zusammen mit ihren beiden Vorstandskolleginnen im Kunstverein, Christine Roth-Waldheuer und Diana Bartosz, die aktuelle Ausstellung vorbereitet.

Gebunden, gehalten oder bekränzt – alles Ansichtssache.
Gebunden, gehalten oder bekränzt – alles Ansichtssache. | Bild: Jörg Büsche

Regelmäßige Besuche im Atelier

Der Kontakt reiße nie ab, betont Christine Roth-Waldheuer. Seitdem sie mit Christiane Oßwald vor etlichen Jahren für das „Leben am See“, das Jahrbuch des Bodenseekreises, einen Aufsatz über Barbara Seifried geschrieben habe, sei der regelmäßige Atelierbesuch bei Barbara Seifried zur lieb gewonnenen Gewohnheit geworden. „Weil es dort immer viel Neues zu sehen gibt“, erklärt Christiane Oßwald. Und weil das Gespräch mit der Künstlerin stets aufschlussreich sei, beständig weitergeführt werde.

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Künstlerin versteht ihre Arbeiten „Im Prozess“

Von daher habe der Titel der neuen Ausstellung nahe gelegen. „Im Prozess“ deutet an, wie die seit den 1970er Jahren malende Künstlerin selbst ihr Arbeiten versteht. „Würde ich an einem bestimmten Punkt verharren, würde ich immer nur dasselbe malen“, erläutert Seifried ihr Anliegen, „dann könnte ich auch aufhören.“

Wer? Woher? Wohin? Seifrieds Bootsmenschen werfen existenzielle Fragen auf.
Wer? Woher? Wohin? Seifrieds Bootsmenschen werfen existenzielle Fragen auf. | Bild: Jörg Büsche

Besucher begegnen alten Bekannten wie den Bootsmenschen

Dabei begegnen schon beim Betreten der Galerieräume alte Bekannte. Der Blick fällt sehr bald auf die Seifried‚schen Bootsmenschen, auf konturierte Figuren, die in Nachen sitzen. Vertraut sind auch die Kokons, ebenso wie die an Linien gebundenen, gefesselten oder doch nur gehaltenen Gestalten, die kauern oder liegen, teils in embryonaler Stellung, teils in anderer Haltung.

Eine Papierarbeit von Barbara Seifried.
Eine Papierarbeit von Barbara Seifried. | Bild: Jörg Büsche

Themen, Technik, Perspektiven variieren

Die Themen werden variiert. Sie begegnen aus beständig wechselnder Perspektive. Und nicht nur das: Auch die Technik, auch den Ausdruck verändert Barbara Seifried fortwährend. „Mich hat das besonders fasziniert“, erklärt Christine Roth-Waldheuer. Augenfällig wird bei der Markdorfer Überblicksausstellung, wie virtuos die Künstlerin mit ihrem Malmittel zu verfahren weiß, der Ei-Tempera, dieser bereits vor Jahrhunderten angewandten Technik. Wem sie erklärt, wie heikel das täglich neue Anmischen von Eigelb, Wasser und Pigmenten ist, wie schnell der gewünschte Farbton verfehlt wird, der kann die Kohärenz der leuchtstarken Flächen auf Seifrieds zum Teil recht großformatigen Leinwänden nur noch bestaunen.

Neben Gemälden und Papierarbeiten ist auch eine Kokon-Skulptur zu sehen.
Neben Gemälden und Papierarbeiten ist auch eine Kokon-Skulptur zu sehen. | Bild: Jörg Büsche

Zu Bestaunen gibt es noch Weiteres: etwa Barbara Seifrieds kompositorisches Geschick oder ihr herausragendes Vermögen, unterschiedliche Texturen miteinander kommunizieren zu lassen. Die eigenwillige Rhythmik ihrer Bilder lässt die so archaisch wirkenden Motive darauf wie gleichzeitig rätselhaft fremde, aber vertraute Sprache erklingen, wie eine ältere Stufe des gegenwärtig Geläufigen.

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