Wenn Carlo Bevoli an die digitale Zukunft denkt, dann denkt er auch stets an sein Zuhause, denn in den eigenen vier Wänden des Geschäftsführers des Markdorfer "SAP Sustainability Lab" hat die digitale Zukunft längst begonnen. Will er die Rollläden öffnen, will er die Temperatur verändern, dann wendet sich Carlo Bevoli an "Alexa". So heißt jenes Sprach-Assistenz-Programm, mit dem der studierte Informatiker sein "Smart Home", sein intelligentes Heim, steuert, in dem Multimedia- und Haushaltsgeräte miteinander vernetzt sind. Licht schaltet sich ebenso per Sprachbefehl ein und aus, wie der Fernsehapparat.

"Wer hätte das noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten?", fragt Carlo Bevoli. Und beim "SAP Sustainability Lab"-Geschäftsführer ist durchaus eine gewisse Begeisterung für solchen Fortschritt herauszuhören. Eines Fortschritts, der indes ebenso wenig zu überblicken ist, wie er dies in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten war. "Wer hätte vor 20 Jahren ein Smartphone für möglich gehalten? Oder sich vorstellen können, dass wir Musik von Streamingdiensten empfangen?" fragt Bevoli weiter. Informations- und Kommunikationstechniken lassen immer mehr Alltagsgegenstände im sogenannten "Internet der Dinge" miteinander interagieren. Computer übernehmen Handlungen, die bisher vom Menschen ausgeführt werden müssen. Und die Rechner nehmen uns auch immer mehr Entscheidungen ab, weil sie komplexe Situationen schneller überschauen. Vom informations- und kommunikationstechnischen Fortschritt wird allerdings nicht allein die Freizeit erfasst. Ebenso sehr wie den privaten Bereich, prägt er auch die Arbeitsplätze.

"Schauen sie sich um in meinem Büro", fordert Bevoli auf, "kein Telefon – ich kommuniziere über Headset." Und das weltweit. Via Internet spricht Bevoli mit Mitarbeitern in Irland, China, Südamerika oder Indien. Regelmäßig kommt es zu Video-Konferenzen – an denen theoretisch bis zu 2500 Teilnehmer mitwirken könnten, erklärt Bevoli.

Renate Bleher, Personalerin im Markdorfer Ladenbau-Unternehmen Konrad Knoblauch GmbH betrachtet die digitale Zukunft ebenfalls als längst angebrochen. "Bei uns gibt es keinen Bereich mehr, in dem nicht mit dem Computer gearbeitet wird", erklärt sie. In der Verwaltung und im Technischen Produkt-Design ohnehin – aber auch die Schreiner und Schlosser bei Konrad Knoblauch bedienen sich des Computers, etwa wenn sie die Plan-Entwürfe umsetzen. Gleiches gelte natürlich auch für die Logistik. Ohne digitale Hilfe ließen sich weder Warenströme noch Produktionsprozesse organisieren. Berührungsängste beobachtet Renate Bleher übrigens keine. Im Gegenteil zeigten sich die Knoblauch-Mitarbeiter der fortschreitenden Digitalisierung aufgeschlossen. Was, so Blehers Beobachtung, "durchaus nicht altersabhängig ist." Vorausgesetzt ist allerdings eine gewisse Lernbereitschaft, auf die sie bereits beim Einstellungsgespräch achtet. Wobei die Personalerin betont, dass niemand überfordert werde. Niemand müsse programmieren können. Gefragt sei lediglich die Anwendungskompetenz.

Im Software-Unternehmen SAP beobachtet Carlo Bevoli eine weitere Entwicklung. Wo jemand sitzt und arbeitet, werde immer unwichtiger. Eine Tendenz, die er übrigens nicht nur im eigenen weltweit agierenden Software-Konzern beobachtet. "Nehmen wir den Brennerei-Ausstatter Holstein hier aus Markdorf – der bietet seine Produkte längst weltweit an." In Zeiten der Globalisierung könne sich kaum noch ein Unternehmen auf kleinräumige Märkte beschränken. Um so wichtiger sei deshalb, sich auf das Denken der internationalen Geschäftspartner einzulassen. Solche "Begegnung" über große Distanzen hinweg erfordere sehr viel kommunikative Kompetenz – auch bei den Mitarbeiter. Darüber hinaus aber sei die Fähigkeit geboten, sich auf kulturelle Differenzen einzulassen. "Offenheit ist gefragt", so bringt dies Carlo Bevoli auf den Punkt. In seinem Unternehmen habe man die besten Erfahrungen gemacht, wenn Kollegen aus verschiedenen Kulturen miteinander in einem Projekt zusammenarbeiten – und voneinander lernen. "Wenn die Kollegen aus Palo Alto ihre Innovationsbereitschaft, die Kollegen aus China ihre Analysefähigkeit und unsere deutschen Kollegen ihre Ingenieurs-Qualifikationen einbringen, dann kommt es zu ganz überraschenden Ergebnissen." Ohne hinreichende Sprachkompetenz – üblicherweise Englisch -, ohne interkulturelle Offenheit würden die ausgefeiltesten Kommunikationssysteme jedoch kaum weiterhelfen, betont Bevoli.

Ebenso wichtig sei die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit, erklärt "SAP Sustainability Lab"-Geschäftsführer Bevoli. "Wir arbeiten hier mit sogenannten "Teams of ten"."Ein Informatiker sitzt an einem Projekt zusammen mit mehreren anderen Spezialisten – für den Finanzplan, das Qualitätsmanagement... Der Informatiker muss betriebswirtschaftlich denken können und der Betriebswirtschaftler muss sich ebenso wohl in "informatorisches Denken" einarbeiten. Und da diese Teams nicht über Jahre zusammenarbeiten, brauche es einige Flexibilität. Carlo Bevoli sieht es als Chance. "Wir leben in einer Zeit extrem vieler Möglichkeiten", findet er. Das eröffne jenen eine spannende Zukunft, die die notwendige Offenheit und eine große Neugier mitbringen.

Ausbildung im Bodenseekreis

  • Bei der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg sind 940 Ausbildungsstellen im Bodenseekreis gemeldet. 200 Ausbildungsplätze sind im Kreisgebiet nicht besetzt. Unbesetzt blieben insbesondere Stellen im Einzelhandel (Kaufmann, Verkäufer), gefolgt von der Ausbildung zum Handelsfachwirt, zum Zahnmedizinischen Angestellten oder zum Koch. Dem gegenüber stehen im Landkreis 90 Bewerber ohne Ausbildungsplatz (Stand 11. September). Groß ist die Nachfrage der Nachwuchskräfte nach Ausbildungsplätzen in einigen Metallberufen wie Kfz-Mechatroniker oder Zerspannungsmechaniker. Mit Partnern arbeite die Agentur daran, die duale Berufsausbildung zu stärken. "Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist die beste Eintrittskarte ins Arbeitsleben", so Walter Nägele. In der Region würden Fachkräfte dringend gesucht.
  • Die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben verzeichnete kurz vor Ausbildungsbeginn 2280 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Das Gebiet der IHK Bodensee-Oberschwaben umfasst die Landkreise Bodenseekreis, Ravensburg und Sigmaringen. Im Vergleich zum Vorjahr ergebe das laut IHK ein leichtes Plus von 1,1 Prozent. Bis zum Jahresende wird mit einem Ausbildungsniveau von rund 2500 neuen Ausbildungsverträgen gerechnet. Im Bodenseekreis gab es bei den kaufmännischen (371 neu Ausbildungsverträge), den technischen Berufen (291) sowie den Hotel- und Gaststättenberufen (90) mit einem Plus von 1,8 Prozent einen leichten Anstieg. Der Zuwachs entstand bei den technischen Berufen in den Elektroberufen (70 statt 62). Bei den kaufmännischen Berufen ist außer bei den Bankkaufleuten (34 statt 43) Stabilität oder ein leichter Zuwachs zu verzeichnen. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind im Kreis die Ausbildungsberufe Industriemechaniker, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Industriekaufleute und Hotelkaufleute.
  • Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis: Aktuell lernen im Bodenseekreis 800 junge Menschen einen Handwerksberuf, 297 davon im ersten Lehrjahr. "In den vergangenen Jahren konnten wir zum Glück wieder leichte Steigerungen der Ausbildungszahlen registrieren", erklärt Geschäftsführer Georg Beetz. Bei den Bauberufen und im Lebensmittelbereich fehlen Auszubildende, in den technischen Bereichen sei die Situation etwas entspannter. "Wir brauchen wieder dringend eine höhere Wertschätzung der Handwerksberufe", findet Beetz. Insgesamt würde die Nachwuchswerbung im Handwerk inzwischen Wirkung zeigen. Beetz betont: "Was den Ruf der Azubis angeht, will ich ungern der weit verbreiteten Auffassung verfallen „Früher war alles besser“ – es gibt sie noch, die motivierten jungen Menschen." (wie)