Würden Sie sich als gläubig bezeichnen?

Ja, ich würde sagen, dass ich gläubiger Christ bin.

Wie sind Sie zum Glauben gekommen und ab wann wurde er für Sie zum Thema?

Ich war nicht automatisch gläubig, sondern bin erst durch die Jugendarbeit in der Kirche mit dem Glauben in Berührung gekommen. Vor allem der Austausch über dieses Thema, in den ich mit den anderen Jugendlichen gekommen bin, hat dazu geführt, dass ich mich mit ihm auseinandergesetzt habe.

Denken Sie, dass heute im Alltag von Jugendlichen, neben Schulstress, Leistungsdruck und Social Media, überhaupt noch Platz für Gott ist?

Ich würde sagen ja und nein. Viele Jugendliche, die wir ansprechen, suchen ganz gezielt die Auseinandersetzung mit ihrem Glauben und Gott – vielleicht auch als Ausgleich und Gegensatz zum Schulstress und Leistungsdruck, dem sie im Alltag begegnen. Sie möchten sich mit uns austauschen. Ich sehe es aber auch als eine der Herausforderungen, für die Kirche und ihre Jugendarbeit in die Räume vorzudringen, in denen sich die jungen Menschen heute aufhalten. Für mich schließen sich Glaube und Social Media nicht aus. Meiner Meinung nach sollte die Kirche da noch mehr machen.

Gibt es im Dekanat Linzgau ein Nachwuchsproblem und wenn ja, was versuchen Sie dagegen zu unternehmen?

Hier in Markdorf haben wir eine sehr starke Ministranten-Gruppe, die eigentlich eher wächst. Außerdem gibt es eine aktive Gruppe Pfadfinder. Allerdings macht der demografische Wandel natürlich auch vor der kirchlichen Jugendarbeit nicht Halt. Gerade in ländlichen Regionen gibt es durchaus ein Nachwuchsproblem. Eine von vielen Ideen, mit der wir gegenarbeiten wollen, ist das Jugendpastorale Team, das durch die Dekanate Linzgau, Hegau, Konstanz, Zollern und Sigmaringen-Meßkirch im Mai 2017 gegründet wurde. Wir versuchen, noch enger zusammenzuarbeiten und haben gemeinsame Angebote wie den Sprungbrett- und den Profikurs für Gruppenleiter. Der Sprungbrettkurs ist für Jugendliche ab 13, 14 Jahren, der Profikurs für alle, die 18 Jahre oder älter sind. Durch den erweiterten Einzugskreis der Teilnehmer können die Kinder und jungen Erwachsenen neue Gesichter kennenlernen.

Glauben Sie, dass die Kirche fortschrittlicher werden muss, um wieder mehr junge Menschen anzusprechen?

Der Fortschritt geht in der Kirche zwar nur langsam voran, aber er kommt in vielen Bereichen. Dennoch wünsche ich mir manchmal, dass es schneller gehen würde. Gerade die Rolle der Frau muss in der katholischen Kirche meiner Meinung nach gestärkt werden. Auch die Jugendarbeit sollte mehr in den Fokus rücken und man müsste die jungen Menschen einfach mehr fragen, was sie brauchen, um in der Kirche zu bleiben. Dennoch finde ich, dass Traditionen etwas Schönes sind. Sie sollten Neuerungen und Zukunft niemals ausschließen.

Hadern Sie manchmal auch selbst mit ihrem Glauben und Gott?

Jeder, der glaubt, hadert manchmal, weil glauben eben nicht wissen ist. Und eben deshalb ist das Umgehen mit dem Hadern ein elementarer Teil meiner Arbeit. Jede junge Person hadert und stellt sich Fragen wie zum Beispiel, warum Gott zulässt, dass es in Syrien Krieg gibt. Ich finde es toll, junge Gläubige im Umgang mit diesen Fragen begleiten und unterstützen zu können.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?

Die Arbeit mit den Ehrenamtlichen. Ich bin sehr beeindruckt davon, wie sich viele Jugendliche in ihrer Freizeit in der Kirche und der Jugendarbeit engagieren, einfach nur, weil sie Lust darauf haben und es aus Überzeugung tun. Außerdem bin ich viel unterwegs, was mir ebenfalls gut gefällt. In einer Woche bin ich auf einem unserer Kurse und in der nächsten darf ich den Erzbischof treffen. Das ist schon toll.

Wenn man ganz ehrlich ist, dann gibt es auch immer etwas, das einem im Job nicht so viel Freude bereitet. Was ist es bei Ihnen?

Die Büroarbeit, also Berichte schreiben und Fördergelder beantragen. Ich mache das schon auch gern, aber ich bin eben einfach lieber draußen, unterwegs und in der Natur.

Fragen: Angelina Sortino

Zur Person

Alexander Kleber ist 31 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Konstanz. Nach seinem Abitur absolvierte er den Zivildienst im katholischen Jugendbüro Konstanz. Anschließend begann er ein Lehramtsstudium in Freiburg. Seine Freizeit verbringt Alexander Kleber am liebsten am und im See sowie in der Natur. Die Kurse Sprungbrett und Profikurs finden vom 20. bis 22. April im Schlössle Bittelbrunn bei Engen (Sprungbrett) und Haus Maria See in Gaienhofen (Profikurs) statt. Anmeldeschluss ist der 16. März. Kontakt: 0 75 44/9 52 37 16, E-Mail linzgau@katholisches-jugendbuero.de