Das satte Grün weicht rostigem Rot und Braun. Der städtische Wald auf dem Gehrenberg ist ein ernsthaft kranker Patient. Schuld ist, neben Pilzen und Käfern, der Klimawandel: Hitze und Trockenheit setzen ihm zu, seit zwei Jahren in besorgniserregend rapidem Tempo.

Alle Baumarten betroffen

Der Waldbericht, den Stadtförster Jörn Burger im Gemeinderat vorstellte, ist alarmierend. Betroffen sind alle Baumarten, Nadel- wie Laubbäume. Neu und besonders erschreckend ist das Tannensterben, das Burger und seine Mitarbeiter Peter Ummenhofer und Bernhard Brutsch seit kurzem registrieren: Die teils bis zu 130 Jahre alten Bäume sterben von oben herab ab, färben sich von der Krone nach unten rot und brechen dann bereits bei etwas stärkerem Wind in sich zusammen.

Als kahle Gerippe zeigen sich, etwa im Bereich Allerheiligen, die Lärchen. Auch sie sterben aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit ab. Die Fichten wiederum sind in diesem Jahr stark vom Buchdrucker-Käfer befallen. Unter den Rinden finden sich tausende Larven, das Holz ist Schadholz. Die Eschen, so an der B 33 Richtung Ittendorf, leiden unter Pilzbefall, dem so genannten Eschentriebsterben. Vermutlich werden in absehbarer Zeit wieder Bäume entlang der Straße umgemacht werden müssen.

Der Wald am Gehrenberg ist krank. Aktuell sterben viele Tannen, die teils bis zu 130 Jahre alt sind, in rapide kurzer Zeit ab. Sie färben sich von oben herab rot, ihre Stämme werden instabil, bei bereits etwas stärkerem Wind brechen sie in sich zusammen.
Der Wald am Gehrenberg ist krank. Aktuell sterben viele Tannen, die teils bis zu 130 Jahre alt sind, in rapide kurzer Zeit ab. Sie färben sich von oben herab rot, ihre Stämme werden instabil, bei bereits etwas stärkerem Wind brechen sie in sich zusammen. | Bild: Florian Fahlenbock

12 000 Festmeter Schadholz

5000 Festmeter müssten er und seine Mitarbeiter der Planung nach jährlich einschlagen, berichtete Burger. Bereits Mitte dieses Jahres seien es aber schon 15 000 Festmeter gewesen. Davon waren jedoch gerade mal 3000 Festmeter regulärer Einschlag, die restlichen 12 000 Festmeter mussten gefällt werden wegen Sturm, Dürre, Schäden. „Wir haben bald nicht mehr das Personal, um das Holz einzuschlagen und abzufahren. Wir kommen mit der Arbeit kaum hinterher“, berichtete Burger. Zusätzlich zu den Arbeiten im städtischen Forst und im Spitalforst werden außerdem Aufträge der rund 800 Privatwaldbesitzer am Gehrenberg abgearbeitet: „Wir haben eine sehr schwierige Situation und sind nahe am Kapitulieren.“

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Riedmann: „Haben Krise im Wald„

„Kapitulieren werden wir nicht, aber wir haben eine Krise im Wald„, konstatierte Bürgermeister Georg Riedmann. Burger und sein Team würden extrem harte Arbeit leisten und vor „riesigen Herausforderungen“ stehen. Vorwürfe, die Stadt wolle mit ihrem hohen Holzeinschlag ihren Haushalt sanieren, seien „respektlos und faktischer Unsinn“. Es gehe einzig um die Sicherung des Waldes für die Erholungsnutzung.

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Holzpreis fällt in den Keller

Dramatisch ist auch die wirtschaftliche Situation des städtischen Forsts. Der Holzpreis befindet sich in freiem Fall, der Betriebsplan rauscht 2020 tief in die roten Zahlen. Von 70 Euro pro Festmeter im vergangenen Jahr auf inzwischen rund 30 Euro hat der Holzpreis schon nachgegeben – und ein Ende der Talfahrt sei noch nicht in Sicht, sagte Burger. Im Betriebsplan 2019 waren noch 49 Euro angesetzt, bei 5000 Festmetern wäre das ein kalkulierter Erlös in Höhe von 245 000 Euro. Für 2019 wurden 292 300 Euro Einnahmen Ausgaben in Höhe von 383 650 Euro gegenübergestellt, im Ergebnis ein kalkuliertes Minus von 91 350 Euro. Tatsächlich dürfte das Minus aber noch höher ausfallen. Für 2020 rechne er mit einem nochmals deutlich schlechteren Ergebnis, sagte Burger.

Im städtischen Forst stapelt sich das eingeschlagene Holz, die Forstmitarbeiter kommen mit der Arbeit kaum hinterher. Die Holzpreise selbst sind im Keller.
Im städtischen Forst stapelt sich das eingeschlagene Holz, die Forstmitarbeiter kommen mit der Arbeit kaum hinterher. Die Holzpreise selbst sind im Keller. | Bild: Florian Fahlenbock

Forstreform dürfte für Mehrkosten sorgen

Durch die zum 1. Januar 2020 in Kraft tretende Forstreform des Landes sei von einer Kostenerhöhung im Privatwald von rund 30 Prozent auszugehen, heißt es seitens der Verwaltung. Wesentliche Änderung: Das Land zieht sich komplett aus dem Holzverkauf außerhalb des Staatswaldes zurück. Landkreise und Gemeinden sind nun gefordert, dafür Zusammenschlüsse zu bilden. Im Bodenseekreis wird vermutlich eine Genossenschaft gegründet, der der Kreis und mehrere Gemeinden angehören werden. Die Stadt Markdorf wird ihren Wald und den zuständigen Privatwald weiterhin selbst bewirtschaften und das Holz weiter selbst vermarkten. Letzteren Punkt hat der Rat beschlossen, bei einer Enthaltung von Rolf Haas (FDP). Ebenso wurde mit demselben Stimmenergebnis dem forstlichen Betriebsplan 2020 der Stadt zugestimmt.

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Die Lösungsvorschläge aus dem Rat

Susanne Sträßle (CDU) schlug vor, forstferne Aufgaben anderen Haushaltsbereichen zuzuordnen, etwa dem Tourismus. Beispiele: Pflege Premiumwanderwege (15 000 Euro), möglicher Neubau Mountainbike-Trail (25 000 Euro). Kämmerer Michael Lissner sagte, dies werde aktuell geprüft und für die genannten Fälle ab 2020 auch umgesetzt. Dietmar Bitzenhofer (FW) regte eine Personalaufstockung an, Wolfgang Zimmermann (SPD) das Pflanzen anderer oder neuer Baumarten, die resistenter gegenüber den Folgen des Klimawandels sind. Man pflanze bereits wieder mehr Eichen, bestätigte Burger. Doch komplett auf zum Beispiel Fichten wolle man nicht verzichten.

Diese Baumart bringe auf dem Markt die höchsten Erlöse, da es am besten als Bauholz geeignet sei, und sei aus wirtschaftlichen Gründen auch künftig wichtig für den städtischen Forst. Denn man müsse auch an die nachfolgenden Generationen denken, nicht nur was den Schutz des Waldes betreffe, sondern auch dessen Erlösseite. Joachim Mutschler (UWG) sagte, die Tendenz, dass Wald immer mehr kosten werde, werde noch zunehmen. Die UWG sei aber klar für eine Bewirtschaftung des städtischen Waldes und des Spitalwaldes. „Denn einfach alles zu lassen, wie es ist, genau das ist nicht ökologisch.“

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