Diese Begegnung mit Schiller lassen sich die Schüler gerne gefallen: Bei der Brettspielnacht im Bildungszentrum Markdorf (BZM) begegnen sie dem Klassiker nur indirekt und müssen dabei weder auf Versmaß noch auf Dramenhandlung zu achten. Die Schüler merken nicht einmal, dass sie der Geist des Weimarer Klassikers anweht: Schillers Satz, dass der Mensch nur dort ganz Mensch sei, wo er spielt.

Lisa, 15 Jahre alt: „Mir gefällt, dass man sich bei den Spielevents mit Leuten trifft, die die gleichen Interessen haben. Und man kann ohne großen Aufwand neue Spiele ausprobieren, weil es in der Schule viele davon gibt.“
Lisa, 15 Jahre alt: „Mir gefällt, dass man sich bei den Spielevents mit Leuten trifft, die die gleichen Interessen haben. Und man kann ohne großen Aufwand neue Spiele ausprobieren, weil es in der Schule viele davon gibt.“ | Bild: Jörg Büsche

Die Jugendlichen spielen in der Schule, obwohl die eigentlich geschlossen ist, weil Ferien sind – und weil sich am Freitagnachmittag sowieso nur ein paar Hartgesottene im Schulhaus befinden. Nämlich die Mitglieder der Roboter-AG, die ihre Fußball spielenden Automaten regelmäßig auch in Ferienzeiten für die nächste Meisterschaft präparieren. Doch auch die jungen Tüftler sind beim Spielemarathon im BZM dabei.

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Jens (15) erzählt, was die Brettspielnacht für ihn ausmacht: „Es macht viel mehr Spaß, mit anderen direkt zusammen zu spielen.“ Ähnliche Kommentare gibt es von den anderen Jugendlichen in der Runde. Spielen könne man natürlich auch alleine, daheim am Rechner oder am Smartphone. „Aber da fehlt die unmittelbare Interaktion mit den Mitspielern“, erklärt Schüler Jakov.

Wer versteckt sich hier als Agent in der Runde? Es könnte jeder sein (von links): Jens, Nick, Niklas, Jakov und Louis.
Wer versteckt sich hier als Agent in der Runde? Es könnte jeder sein (von links): Jens, Nick, Niklas, Jakov und Louis. | Bild: Jörg Büsche

Die Jugendlichen sitzen in einem Klassenraum im Obergeschoss des BZM um einen Tisch herum, auf dem einzelne Karten liegen. Sie wirken entspannt, ihr Ton ist heiter, sie sind in Lauerstellung. Einer unter ihnen stellt im Spiel nämlich einen Geheimagenten dar. Und diesen gilt es zu enttarnen, während der Agent herausfinden muss, an welchem Schauplatz er sich gerade befindet. Sitzt er in einer Bar? Besucht er ein Casino? Oder steht er gar in einer Polarstation?

Ida, 15 Jahre alt: „Auch bei mir steht die Gemeinschaft, also das Miteinander beim Spielen ganz oben. Ich spiele öfters mit meinen Freunden zusammen. Das gehört für mich mit dazu in der Freizeit und macht mir großen Spaß.“
Ida, 15 Jahre alt: „Auch bei mir steht die Gemeinschaft, also das Miteinander beim Spielen ganz oben. Ich spiele öfters mit meinen Freunden zusammen. Das gehört für mich mit dazu in der Freizeit und macht mir großen Spaß.“ | Bild: Jörg Büsche

Das Spielen mit Freunden sei ein guter Weg, um eine Zeit lang vom Smartphone weg zu kommen, meint Lehrer Niklas Thomas. Er unterrichtet Naturwissenschaften am BZM. Thomas nennt sich selbst einen begeisterten Spieler. „Das mit dem Handy weiß ich übrigens aus eigener Erfahrung“, sagt der Lehrer.

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Er betreut die Spielenacht, die ein bis zwei Mal im Schuljahr stattfindet, gemeinsam mit Schulsozialarbeiterin Antje Steinle. Einmal im Monat lädt Niklas Thomas außerdem im Rahmen der Spiele-AG zum gemeinsamen Spieleabend ein.

Während Thomas erzählt, blickt er auf das bunte Treiben auf dem Tisch neben ihm. Dort erobern gerade drei Jugendliche den Weltraum. Sie spielen das Strategiespiel „Gaia Projekt“, bei dem es darum geht, Planeten ferner Galaxien zu besiedeln. Das geschieht friedlich, erfordert viel Umsicht und genaues Planen. Denn Ressourcen stehen im Spiel nur begrenzt zur Verfügung.

„Beim Spielen spielt die Psychologie mit“

Aus dieser kleinen Runde kommt die gleiche Botschaft wie im Nachbarraum: Das direkte Miteinander mache den Reiz solcher Spiele aus. Zwar gebe es ein gewisses Miteinander auch bei Spielen im Internet, aber ein Chat verrate nie so viel wie Mimik, Gestik und Tonfall. Schüler Liam erklärt: „Beim Spielen spielt ja auch immer die Psychologie mit. Den ganzen Menschen erkennt man halt doch nur, wenn er einem gegenüber sitzt.“

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