Fasnetsfreunden ist es am Dienstagnachmittag etwas schwer ums Herz. Denn die Narretei neigt sich dem Ende zu. Deshalb muss der Narrenbaum gefällt werden, der die Machthoheit der Narren symbolisiert hat. Um 14 Uhr zieht eine Narrenschar vom Zunfthaus Obertor auf den Marktplatz, wo Zuschauer auf die bevorstehenden Ereignisse warten. Schirrmeister Bernhard Brutsch, sein Vorgänger Josef Weber und dessen Enkel Florian Rist-Weber stehen bereit, um Zunftmeisterin Birgit Beck, Vizezunftmeister Hardy Frick, Narrenbolizei Heinz Schwenninger sowie Narrenvater Hubert Rössler bei den Fällarbeiten zu beraten. "Erst wird mit einer Axt eine Kerbe in den Stamm geschlagen, das gibt die Fallrichtung vor. Zudem ist ein Seil befestigt, um die Fallrichtung sicherzustellen", erklärt Weber. Narrenbolizei und Narrenvater machen den Anfang. Kaum sind die ersten Sägebewegungen getätigt, erschallen Anfeuerungsrufe. Aber nicht eins, zwei, sondern "Heinz, zwei – Heinz, zwei...". Nach einigen Minuten werden Narrenvater und -bolizei von Zunftmeisterin und Vizezunftmeister abgelöst. Um 14.14 Uhr ist es vollbracht, der Narrenbaum fällt. Jung und Alt machen sich sogleich über dessen Bänder und Reisig her, die als Glücksbringer gelten. Ein Stück der dreiteiligen Dolde wird auf einen alten hölzernen Wagen geladen und während eines kleinen Umzugs über die Markt- und Hauptstraße zum Städtle hinaus gezogen. Brutsch sägt den Stamm in Stücke, gegen 15 Uhr ist vom Baum nichts mehr zu sehen. Wie Narrenbüttel und Vize Dietmar Bitzenhofer erzählt, werden vom Stamm Vesperbrettle gefertigt: "Am 8. Juni wird es beim Freitagessen im Zunfthaus Obertor Hamburger vom Narrenbaum geben."