Jahrgangsbester, Firmengründer und Jetsetter – Johannes Sträßle hat mit seinen 21 Jahren schon mehr geschafft, als andere in einem ganzen Berufsleben. Dabei begann der Werdegang des Markdorfers nicht gerade typisch. Mit 17 Jahren verließ Sträßle das Technische Gymnasium, ohne Abschluss. "Ich hatte einen guten Realschulabschluss in der Tasche und habe gemerkt, dass die Schule einfach nichts mehr für mich ist", erzählt der inzwischen 21-Jährige. An den Noten habe seine Entscheidung nicht gelegen – mit einem Durchschnitt von 2,0 hätte er auch das Abitur machen können, erzählt er. Doch Sträßle entschied sich anders, wollte praktisch arbeiten und eine Idee von der echten Welt bekommen. Sein Interesse für die Informatik brachte ihn zur Mechatronik. "Die Interdisziplinarität war für mich reizvoll. Informatik, Mechanik und Elektronik – man bekommt das gesamte Paket", so Johannes Sträßle.

Über Umwege landete der junge Mann im September 2013 bei der Eftec-Engineering GmbH. Das Unternehmen gehört zur EMS-Eftec Gruppe, einem Bereich des schweizerischen EMS-Chemie Konzerns. Der Markdorfer Sitz ist für die Entwicklung, den Vertrieb und den Aufbau von automatisierten Applikationssystemen für die Bereiche Schützen, Dichten und Dämpfen in der Automobilindustrie zuständig. Oder einfacher gesagt: Dass die Karosserien der großen Automobilhersteller nicht rosten, liegt am Markdorfer Fachwissen, die sich auf Dichtungen spezialisiert haben. Dreieinhalb Tage die Woche montierte, programmierte und plante Sträßle mit. Die restliche Zeit büffelte er Theorie in der Gewerblichen Schule Ravensburg.

Und das ziemlich erfolgreich. Mit einer Abschlussnote von 1,1 schloss er seine Mechatroniker-Ausbildung als Preisträger der IHK Bodensee-Oberschwaben ab. Für Sträßle ist die Auszeichnung jedoch kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen. "Da muss man aber auch der Typ für sein", so der 21-Jährige.

Immer etwas mehr tun als der Rest. Mit seinem Ehrgeiz und Engagement fiel Sträßle auch seinem Ausbilder Jan-Eric Baur, Leiter der Abteilung Steuerungstechnik, positiv auf. "Das Niveau hier ist sehr hoch. In einem Betrieb dieser Größe kann man den Auszubildenden aber deshalb nicht ständig das Händchen halten", erklärt Baur. Bei Sträßle sei dies auch nicht notwendig gewesen, im Gegenteil. Bei Aufträgen im Ausland, beispielsweise in China, Tschechien, Polen und der Türkei, habe der Lehrling oft eigenständig arbeiten müssen. Was eine Überforderung hätte sein können, genoss der Mechatroniker: "Das hat mich beruflich weitergebracht und nebenbei habe ich viel von der Welt gesehen – besser geht es nicht."

Auch nach der Lehre bleibt er seinem Ausbildungsbetrieb treu. Nach einem dreimonatigen Intermezzo als Projektassistent in den USA ist er jetzt wieder auf 450 Euro-Basis für Eftec tätig. Sträßles Schwerpunkt liegt aber inzwischen auf der Weiterbildung. In Überlingen holt er derzeit seine Fachhochschulreife nach, um danach Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. "Ich habe in den USA gemerkt, dass ich im Projektmanagement mit meiner Ausbildung schnell an Grenzen stoße. Ich will aber, dass mir alles offen steht, deshalb will ich studieren", erklärt er.

Seinen Schritt, die Schule zu verlassen, um stattdessen eine Ausbildung zu machen, habe er aber "nicht eine Sekunde bereut", beteuert der 21-Jährige. In seinem letzten Ausbildungsjahr hat er mit Freunden außerdem die Firma "Bedrock Internet" gegründet, die an der Entwicklung einer App arbeitet. Auch hier will Sträßle zukünftig mehr Zeit hinein investieren. "Mein Weg war kein Umweg, sondern genau der Richtige. Ich habe etwas gefunden, was mir Spaß macht und würde, hätte ich noch einmal die Wahl, nichts anders machen."

Zur Person

Johannes Sträßle wurde 1995 in Friedrichshafen geboren. Nach dem Besuch der Realschule, die er mit der Note 1,7 abschloss, besuchte er für ein Jahr das Technische Gymnasium. Seine Berufsausbildung zum Mechatroniker schloss er im Juli diesen Jahres als Jahrgangsbester mit der Abschlussnote 1,1 ab, wofür er von der IHK Bodensee-Oberschwaben ausgezeichnet wurde. Derzeit macht der Markdorfer seine Fachhochschulreife. (jel)

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