Rechnen macht hungrig. Das ist eine der wichtigsten Erfahrungen der Veranstalter. Deshalb haben sie vorgebeugt. Sie haben Kuchen bestellt, selber Süßigkeiten eingekauft, damit der geforderte Geist immer wieder neue Nahrung findet. Und tatsächlich verteilen sich auf den Tischen des Schulraums im Obergeschoss des Markdorfer Bildungszentrums (BZM) an diesem Abend so viele leckere Dinge, dass einen kurzen Moment lang der Verdacht aufkeimen könnte, die vielen, vielen Schüler sind der Kekse, Schoko-Riegel und Kuchenstücke wegen hier. 

Weit gefehlt. „Hier geht‘s um Mathe“, erklärt Charles Sampson, Oberstufenschüler am Gymnasium, und nimmt sich einen Keks. Eigentlich sei er ja mitten im Prüfungsstress, schreibe demnächst seine Sport-Klausur für‘s Abitur, aber die Mathenacht, die will er sich deshalb nicht nehmen lassen. Zu viel Spaß mache das Tüfteln in der Gruppe, das gemeinsame Knobeln an einem passenden Lösungsweg. Sprach‘s und eilte hinüber in eins der vier Klassenzimmer, in denen rund 80 Schüler an diesem Abend Mathematik-Aufgaben lösen.

Hier qualmen die Köpfe beim gemeinsamen Lösen der Aufgaben. In der Mitte (von links) Marius, Stephan und Philipp.
Hier qualmen die Köpfe beim gemeinsamen Lösen der Aufgaben. In der Mitte (von links) Marius, Stephan und Philipp. | Bild: Jörg Büsche

In Mannheim macht das Karl-Friederich-Gymnasium mit, in Köln das Hansa-Gymnasium und in Berlin das Europäische Gymnasium Bertha-von-Suttner. So zeigt es der Listen-Ausschnitt rund ums BZM auf der Internetseite der Langen Nacht der Mathematik. Insgesamt nehmen 382 Schulen teil – mit 19 402 mitrechnenden Schülern.

Schulleiterin Diana Amann (rechts) begrüßt die Teilnehmer der jüngsten Mathematiknacht im BZM-Gymnasium, neben ihr steht Rebekka Isak.
Schulleiterin Diana Amann (rechts) begrüßt die Teilnehmer der jüngsten Mathematiknacht im BZM-Gymnasium, neben ihr steht Rebekka Isak. | Bild: Jörg Büsche

Lena ist schon den ganzen Tag in der Schule. Vormittags hatte sie ihren normalen Unterricht. Am Nachmittag war sie in der Roboter-AG, werkelte mit an den fußballspielenden Automaten, mit denen die AG zum wiederholten Male die Siegerpokale von Roboter-Weltmeisterschaften eingefahren hat. Und nun, am noch frühen Abend will sie rechnen. „Bei den letzten beiden Mathe-Nächten hat‘s nicht geklappt“, erklärt die 16-Jährige. Stets musste sie zu anderen Terminen. In diesem Jahr jedoch will sie dabei sein. So viel Gutes habe sie gehört.

Charles Sampson, 17 Jahre: „Mathematik-Nächte haben einfach eine tolle Atmosphäre und machen großen Spaß.“
Charles Sampson, 17 Jahre: „Mathematik-Nächte haben einfach eine tolle Atmosphäre und machen großen Spaß.“ | Bild: Jörg Büsche

Wer in die Klassenräume schaut, in denen die Gruppen über ihren aus dem Netz empfangenen Aufgaben brüten, diskutieren und knobeln, der sieht, wie konzentriert alle sind. Warum das so sei, erklären Rebekka Isak und Beatrice Simonelli, beide Mathematiklehrerinnen und maßgeblich befasst mit der Organisation der Langen Mathenacht. „Im Unterricht wenden wir den zuvor durchgenommenen Lösungsweg ja immer nur an“, erläutert Rebekka Isak. Und ihre Kollegin, Beatrice Simonelli, ergänzt. „Hier dagegen müssen die Gruppen selber herausfinden, wie sie zum richtigen Ergebnis kommen.“

Lena, 16 Jahre: „Bin beim ersten Mal dabei – und finde es klasse, dass man mit anderen Leuten zusammen rechnen kann.“
Lena, 16 Jahre: „Bin beim ersten Mal dabei – und finde es klasse, dass man mit anderen Leuten zusammen rechnen kann.“ | Bild: Jörg Büsche

Stück für Stück ergänzen sich die Puzzel-Teilchen. Die Früchte der von den Schülern eingebrachten Ideen. Eben solche Kreativität mache Spaß. Darum das konzentriert Tüfteln. Hinzu komme dann noch, erklärt Mathematiklehrerin Simonelli, „dass die Lange Nacht der Mathematik ein besonderes soziales Erlebnis ist“. Zu dem sich dann auch Direktorin Diana Amann gesellt, um alle Teilnehmer zu begrüßen.

FÜr jeden Teilnehmer gibt es einen Stift mit der Zahl Pi darauf.
FÜr jeden Teilnehmer gibt es einen Stift mit der Zahl Pi darauf. | Bild: Jörg Büsche