Möggenweiler Einwohner haben die Nase gestrichen voll. Dort gibt es trotz Beschilderungen viel zu viel unberechtigten Durchgangsverkehr, obwohl die Straßen ausschließlich für Anlieger freigegeben sind. Inzwischen werden Bauarbeiten zur Neuerschließung des Dorfs im westlichen Teil der Möggenweilerstraße erledigt, dieser Abschnitt ist komplett gesperrt, eine Umleitung für Anlieger über die Straße Buchenweg eingerichtet – gleichzeitig Baustraße mit Bodenwellen.

All dies schert Auto- und auch Motorradfahrer nicht, wie Möggenweiler Anwohner während eines Ortstermins mit Bürgermeister Georg Riedmann und Stadtbauamtsleiter Michael Schlegel dargelegt haben.

Bürgermeister Georg Riedmann (ganz links) und Stadtbauamtsleiter Michael Schlegel (Zweiter von rechts) besprechen mit Einwohnern Möggenweilers, was während der Erschließungsarbgeiten im Dorf gegen den übermäßigen unberechtigten Duchgängsverkehr unternommen werden kann.
Bürgermeister Georg Riedmann (ganz links) und Stadtbauamtsleiter Michael Schlegel (Zweiter von rechts) besprechen mit Einwohnern Möggenweilers, was während der Erschließungsarbgeiten im Dorf gegen den übermäßigen unberechtigten Duchgängsverkehr unternommen werden kann. | Bild: Toni Ganter

Noch vor Kurzem sei es kaum auszuhalten gewesen. Karin Muschel hat nach eigenem Bekunden an zwei Tagen unter der Woche von 16 bis 18 Uhr jeweils mehr als 200 Fahrzeuge gezählt. „Motorradfahrer fuhren wie auf einer Crossstrecke. Als sie mich sahen, haben sie noch extra Gas gegeben.“ Auch Autofahrer mit geländegängigen Autos seien viel zu schnell auf dm Buchenweg unterwegs. Ein Anwohner ergänzte: „Staub wird aufgewirbelt, Steine spicken durch die Gegend.“

Eine improvisierte Hinweistafel in der Straße Buchenweg. Die Bitte wird laut Anwohnern eher selten beachtet.
Eine improvisierte Hinweistafel in der Straße Buchenweg. Die Bitte wird laut Anwohnern eher selten beachtet. | Bild: Toni Ganter

Vergangene Woche – nachdem bei der Beschilderung nachgebessert wurde – waren es an einem Abend im gleichen Zeitraum immer noch mehr als 100 Fahrer, die die Anliegerregelung ignorierten, erzählte Muschel.

Bürgermeister Georg Riedmann erklärt einer Autofahrerin, dass sie nicht durch die Straße Buchenweg fahren darf. Während der Erschließung Möggenweilers ist der Buchenweg als Baustellenstraße ausschließlich für Anlieger frei.
Bürgermeister Georg Riedmann erklärt einer Autofahrerin, dass sie nicht durch die Straße Buchenweg fahren darf. Während der Erschließung Möggenweilers ist der Buchenweg als Baustellenstraße ausschließlich für Anlieger frei. | Bild: Toni Ganter

Diese missbräuchlichen Durchfahrten und das Ignorieren der Beschilderungen werde es immer wieder geben, erklärte Bürgermeister Georg Riedmann. Die Stadtverwaltung sei lediglich berechtigt, den ruhenden Verkehr – gemeint sind beispielsweise Parkverstöße – zu kontrollieren und zu ahnden. Ausschließlich die Polizei dürfe den rollenden Verkehr kontrollieren.

„Anliegerstraße – Anlügerstraße“

Doch das Ignorieren von Anliegerregelungen sei für die Polizei „ein unbedeutendes Problem“, erklärte der Bürgermeister. Verwaltungsintern gebe es das Schlagwort „Anliegerstraße –Anlügerstraße“, denn leicht werde ein berechtigtes Anliegen vorgegaukelt, das kaum widerlegbar sei. Und laut Polizei, so Riedmann, sei es „ein Ding der Unmöglichkeit, Anliegerstraßen zu kontrollieren“.

Einige Verbesserungsideen vorgeschlagen

Stadtbauamtsleiter Michael Schlegel und Bürgermeister Riedmann unterbreiteten den Anwohnern einige Vorschläge und Ideen, um die Situation zu verbessern. Beispielsweise weitere Beschilderungen, eine Tempo-20-Zone von der Dorfmitte beim Brunnen in der Hochwaldstraße bis zum Buchenweg sowie das Montieren von Bodenschwellen aus Kunststoff.

Buchenweg angeblich schlecht befahrbar

Eine weitere Idee ist, an der Bundesstraße 33 die Beschilderung zu verbessern, das Wort „Möggenweiler„ abzukleben und den Zusatz anzubringen, dass der Gastronomiebetrieb Paradies erreichbar ist. Der Buchenweg – Baustraße und Umleitung für Anlieger – soll für den unberechtigten Durchgangsverkehr so unattraktiv wie möglich bleiben, deshalb werden die Bodenwellen belassen. Der Bürgermeister berichtete, laut Paradies-Betreiber hätten Kunden der Gastronomie bemängelt, dass der Buchenweg schlecht befahrbar sei. „Ich komme mit meinem Auto problemlos durch“, konstatierte Riedmann. Mehrere Anwohner pflichteten ihm bei und ergänzten, dass der Buchenweg sehr wohl ordentlich passierbar sei, sofern mit angepasster Geschwindigkeit, also langsam gefahren werde.

Die Bodenwellen in der Straße Buchenweg, während der Erschließungsarbeiten als Baustraße ausschließlich für Anlieger frei, werden nicht geglättet. Zu viele Auto- und Motorradfahrer sind dort unberechtigt und zu schnell unterwegs.
Die Bodenwellen in der Straße Buchenweg, während der Erschließungsarbeiten als Baustraße ausschließlich für Anlieger frei, werden nicht geglättet. Zu viele Auto- und Motorradfahrer sind dort unberechtigt und zu schnell unterwegs. | Bild: Toni Ganter

„Wenn wieder etwas ist, melden Sie sich“, ermunterte der Bürgermeister die Anwohner, „wir können zwar nicht alle Probleme lösen, aber wir bemühen uns.“ Laut Stadtbaumeister Schlegel werden alle Verbesserungsmaßnahmen, die verwirklicht werden sollen, mit der Verkehrsbehörde und der Bauleitung abgesprochen. Denn die Verkehrsbehörde müsse rechtliche Anordnungen geben, die Stadtverwaltung könne nicht einfach so aktiv werden und Veränderungen vornehmen.

Erst nach rund 45 Minuten und geschätzt nach 40 Fahrzeugen fährt während des Möggenweiler Ortstermins der erste richtige Anlieger durch den Buchenweg. Das freut Bürgermeister Georg Riedmann. Der Möggenweiler Einwohner solle sich im Rathaus melden und eine Flasche Markdorfer Wein abholen.
Erst nach rund 45 Minuten und geschätzt nach 40 Fahrzeugen fährt während des Möggenweiler Ortstermins der erste richtige Anlieger durch den Buchenweg. Das freut Bürgermeister Georg Riedmann. Der Möggenweiler Einwohner solle sich im Rathaus melden und eine Flasche Markdorfer Wein abholen. | Bild: Toni Ganter

Während des rund 45 Minuten dauernden Termins waren es wohl so um die 40 Fahrzeuge, die unberechtigt durch Möggenweiler fuhren und den Buchenweg nutzten. Einige davon wurden vom Bürgermeister auf die bestehende Anliegerregelung aufmerksam gemacht. „Kommen sie im Rathaus vorbei, Sie sind jetzt der erste Anlieger“, sprach der Bürgermeister dann einen Autofahrer an, der in Möggenweiler wohnt, er bekomme eine Flasche Markdorfer Wein spendiert. Lob gab es übrigens von den Anwohnern für die Bauarbeiter, die machten ihre Sache gut.