Jana klingt skeptisch. Gleichzeitig klingt sie aber auch ein bisschen freudig. Ihre Freude ist gekommen, weil sich die bunten Pakete so hoch stapeln. Und weil Jana weiß, dass in jedem einzelnen dieser liebevoll umwickelten Kartons Geschenke sind. Geschenke für Kinder, aber auch Jugendliche und komplette Familien.

Große Armut in ländlichen Regionen

Geschenke für Menschen, die in Albanien, in Bosnien, in Bulgarien, in Rumänien oder in der Ukraine leben – und das in bitterer Armut. Der begegne man gerade in den ländlichen Regionen, erklärt Monja Miez, Lehrerin am Markdorfer Bildungszentrum (BZM).

Die Schüler der Verbundschule machen schon zum wiederholten Male mit bei der Johanniter-Weihnachtstrucker-Aktion.
Die Schüler der Verbundschule machen schon zum wiederholten Male mit bei der Johanniter-Weihnachtstrucker-Aktion. | Bild: Jörg Büsche

Wie ihre Mitschüler hat auch die elfjährige Jana jenen YouTube-Film gesehen, der einen Lastwagenkonvoi zeigt. Startpunkt ist irgendwo in Bayern. Später folgen Bilder aus dem osteuropäischen Nirgendwo. Die Geografie spielt keine Rolle. Ins Gewicht fallen die Bilder. Szenen mit strahlenden Kindern, die Päckchen in Empfang nehmen. Dick vermummt, die Strickmützen ins Gesicht gezogen, ist doch ihr Staunen zu erkennen. Glauben können sie es offenbar kaum, dass sie an Weihnachten so reich beschenkt werden.

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Wenn Mehl und Zahnbürsten Freude bereiten

Im Hintergrund sind Häuser zu erkennen, mit Holzschindeln gedeckte Dächer, Kirchen mit blätterndem Putz. Die Kamera folgt einigen Kindern in die Wohnstube, schaut zu beim Auspacken. „Eine Zahnbürste!“, ruft ein Mädchen und freut sich sichtlich.

Das ist haften geblieben bei Jana. Daher ihre Zweifel, ob Päckchen zu Weihnachten – und kommen sie auch in Lastwagenladungen ins Land – den Menschen nachhaltig helfen können. „Da muss man wohl mehr tun“, findet die Elfjährige.

Welche Hilfsgüter auf der Packliste stehen

Ein Malblock und Malstifte stehen auf der Liste für die „Johanniter-Weihnachtstrucker“. Dann folgen zwei Kilogramm Zucker, drei Kilogramm Mehl, je ein Kilogramm Reis und Nudeln, zwei Liter Speiseöl in Plastikflaschen. 14 Posten werden benannt.

Johanniter holen Pakete ab

Von Jahr zu Jahr können die Wünsche etwas variieren, erklärt Jonas Schauer, Bereitschaftsführer der Johanniter-Unfallhilfe Ravensburg. Gemeinsam mit Elena Lisai und Thilo Hiltmann ist er nach Markdorf gekommen, um die von den Schulverbundschülern gepackten Päckchen abzuholen, damit die per Johanniter-Weihnachtstrucker noch rechtzeitig zu den Festtagen ihre Empfänger in Osteuropa erreichen.

Auch Nino und Claudius packen tüchtig mit an.
Auch Nino und Claudius packen tüchtig mit an. | Bild: Jörg Büsche

Logistische Herausforderung

Das sei durchaus eine logistische Herausforderung, erklärt Lehrerin Monja Miez, die auch ehrenamtliche Bereitschaftsführerin bei den Friedrichshafener Johannitern ist. Man sei eigentlich fortwährend auf der Suche nach Lastern, die über die Festtage nicht gebraucht werden, und daher beim Transport der Geschenke nach Osteuropa helfen können. Ein Problem sei die Größe. Sinnvoll seien nur die großen Züge, erläutert sie.

Unvorstellbare Lebensumstände

Luis, elf Jahre, hat sich ein Paket mit seinem Freund geteilt. „Wir haben besorgt, was auf der Liste stand“, erklärt der Realschüler. Nein, wirklich neu sei es nicht für ihn, dass man gar nicht so weit fahren muss, um Armut zu begegnen. Doch dass es in Europa Gegenden gibt, in denen die Menschen weder ans Strom-, noch ans Wassernetz angeschlossen sind, das habe ihn doch erstaunt, sagt der Elfjährige.

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Warum in allen Paketen das Gleiche ist

Dass die Päckchen alle gleich befüllt sind, findet die zehnjährige Hannah gut. „So bekommen wenigstens alle Familien das Gleiche – keiner wird benachteiligt.“ Johanniter Thilo Hiltmann erläutert, dass die Verteilungsgerechtigkeit eher am Rande eine Rolle spiele. Stärker ins Gewicht falle, dass die Formalitäten am Zoll wesentlich weniger aufwendig seien, wenn klar sei, was die Weihnachtstrucker über die Grenze bringen.