"Jetzt reicht's, aber wirklich." Barbara Baer ist entsetzt darüber, dass die Gemeinde an der Unteren Seestraße beim Schwediwald eine komplette Baumreihe auf rund 250 Metern Länge abholzen ließ. Ein Teil gehört zum Landschaftsschutzgebiet. Nur noch die Stümpfe sind von über 100 vormals gesunden Bäumen am westlichen Rand der Langenargener "Höhe" übrig. "Morgens um sieben war die Straße abgesperrt. Abends war schon alles vorbei", erzählt die Mutter von drei Kindern, die mit ihrer Familie ganz in der Nähe wohnt.

Protest vor dem Rathaus am Montagabend vor der Ratssitzung wegen des Kahlschlags an der Unteren Seestraße.
Protest vor dem Rathaus am Montagabend vor der Ratssitzung wegen des Kahlschlags an der Unteren Seestraße. | Bild: Cuko, Katy

Naturschutzbund nicht involviert

Nicht nur für sie ist diese Aktion "ein Kahlschlag unter dem Vorwand der Verkehrssicherung". Gut 30 Langenargener versammelten sich am Montagnachmittag vor dem Rathaus, um gegen die Fällaktion zu protestieren. Mittendrin einige Eltern mit ihren Jüngsten aus dem Waldkindergarten, der an der "Höhe" seinen Standplatz und nun deutlich weniger Grün vor der Nase hat. Dessen Leiterin Karin Hanser trauert nicht nur dem stattlichen Kletterbaum nach. "Die großen Fichten an der Straße haben viel Wind abgehalten", sagt sie.

Ein Teil der Baumreihe entlang der Unteren Seestraße in Langenargen vor der Abholzung. Die Buchenhecken um die Fichten wurden jahrelang nicht gepflegt.
Ein Teil der Baumreihe entlang der Unteren Seestraße in Langenargen vor der Abholzung. Die Buchenhecken um die Fichten wurden jahrelang nicht gepflegt. | Bild: Del Mar

"Aus unserer Sicht war das völlig daneben, zumindest stark übertrieben", reklamiert Edwin Strobel vom Naturschutzbund (Nabu) Langenargen. Und: "Wir können uns keinen Reim darauf machen." Der Nabu sei im Vorfeld weder vom Umweltamt noch von der Gemeinde beteiligt oder wenigstens informiert worden, deshalb wisse er auch nichts von einem Umweltgutachten.

Jeder Baum und Busch entlang der Unteren Seestraße an der "Höhe" wurde gefällt.
Jeder Baum und Busch entlang der Unteren Seestraße an der "Höhe" wurde gefällt. | Bild: Cuko, Katy

Am 1. und 8. Februar hatte das Rathaus im Amtsblatt mit einem Dreizeiler Rodungsarbeiten angekündigt, allerdings für Ende Februar. In welchem Ausmaß, darüber waren sich offenbar nicht einmal die Gemeinderäte im Klaren. "Wir sind sehr erschrocken über die Größenordnung dieser Aktion", erklärte Gertrud Reiß von der SPD-Fraktion auf dem Weg zur Ratssitzung. Ja, der Gemeinderat habe bereits im Oktober letzten Jahres Sicherheitsmaßnahmen zugestimmt, aber keinem Kahlschlag. Dass im Strandbad auch drei große Pappeln gefällt werden, "wussten wir nicht", so Gertrud Reiß.

Im Strandbad wurden drei große, bislang schattenspendende Bäume gefällt.
Im Strandbad wurden drei große, bislang schattenspendende Bäume gefällt. | Bild: Del Mar

Bürgermeister spricht von "Gefahrenabwehr"

Bürgermeister Achim Krafft versteht die ganze Aufregung nicht. "Natürlich sind alle Maßnahmen mit dem Landratsamt, Fachleuten der Lindauer Baumpflege und unseren Mitarbeitern des Fachressorts abgestimmt", teilt er auf Anfrage mit. In diesem Kreis würden die Vitalität von Bäumen überprüft und "erforderliche Eingriffe zur Gefahrenabwehr" benannt. Die Betriebssicherheit und das besondere Schutzbedürfnis der jeweiligen Nutzer, im Strandbad zum Beispiel die Kleinkinder, seien der Maßstab "und müssen gegen ebenso berechtigte Belange des Naturschutzes abgewogen werden", befindet Krafft.

Eine lange Reihe an Baumstümpfen sind das Resultat des Kahlschlags an der Seestraße.
Eine lange Reihe an Baumstümpfen sind das Resultat des Kahlschlags an der Seestraße. | Bild: Cuko, Katy

Das Landratsamt bestätigt, dass das Umweltamt die Abholzung der Bäume im Schutzgebiet genehmigt habe. Artenschutzrechtlich standen die Fichten zwar im Fokus. Laut Stellungnahme des beauftragten Fachbüros habe es aber keine Hinweise auf Probleme gegeben. Für das entfernte Gehölz soll es Ersatzpflanzungen geben, sodass hier ein mindestens gleichwertiger Bestand entstehen kann, so das Landratsamt.

Mit Bangen schaut mancher Langenargener nun zum Malereck. Auch für dieses schöne Fleckchen Erde hatte der Gemeinderat im Oktober Maßnahmen "zur Umsetzung der Verkehrssicherungspflicht" beschlossen.