Ein Glücksgriff gelang Festivalleiter Peter Vogel bei der Auswahl der Musiker für die Eröffnung der Herbstkonzerte im Schloss Langenargen. Nach dem großen Erfolg von Andrej Bielow (Violine), Alexey Stadler (Violoncello) und Özgür Aydin (Klavier) als Solisten und Kammermusikpartner beim diesjährigen Konstanzer Musikfestival wurde diese Zusammenarbeit nun bei den Schlosskonzerten fortgesetzt. Den treuen Zuhörern in Langenargen ist jeder als Solist von den Sommerkonzerten bekannt.

Bei der Programmauswahl griffen die drei preisgekrönten Künstler, auf Vorschlag von Aydin, in die Vollen: die beiden großen Klaviertrios von Franz Schubert. Entstanden im Todesjahr Schuberts, gehören sie zu den Gipfelleistungen der gesamten Klaviertrioliteratur. Allein schon wegen ihres Umfangs von je 45 Minuten reicht es den meisten Trios, an einem Abend eines dieser Werke ins Programm zu nehmen.

In klangvollen parallelen Oktaven von Violine und Cello mit flüssigen Triolen, leichter Begleitung von Klavierakkorden, der Einstieg in das erste Trio B-Dur op. 99. Beim Rollentausch übernahm das Klavier in gleichem Ausdruck das marschartige Hauptthema. Perfekt aufeinander eingespielt entwickelte sich im Trio mit fließenden Triolen, perlenden Sechzehntelketten und punktieren Einwürfen ein genussvoller, lyrischer Klangzauber. In zartem Piano stimmte Stadler mit runder Tiefe auf dem Cello das zweite Thema an, um sich dann mit der Violine zum gesanglichen Duett zu verbinden. Mit vollem Körpereinsatz, harter Bogenführung von Violine und Cello, gelang die Steigerung bis zum kraftvollen Fortissimo der blockartigen Wechsel der Themengruppen.

In traumhaften, fließenden Wellen, scheinbar zeitlos, die wiegende Lyrik im Andante des zweiten Satzes. Treffend abgesetzt der Mittelteil mit synkopischem Gegeneinander, kurzen Auf- und Abschwüngen. Mit schnellen Wechseln zwischen Staccato und Legato, atmenden Einsätzen und kanonartigen Motivläufen durch alle Stimmen, die komplizierte Rhythmik leichtfüßig dargeboten das temperamentvolle Scherzo. Im Es-Dur Trio glänzten Violine und Cello mit weit phrasierten „Walzerklängen“ über einfacher Klavierbegleitung. Nach der akzentuierten Vorstellung des Rondothemas im letzten Satz durch die Violine führte das Trio in wechselnden Rhythmen zu schwebenden Klängen oder massiven Tutti-Klängen mit einem bewundernswertem breitem Spektrum.

Das Es-Dur-Trio op. 100, nach Schumann „mehr handelnd, männlich, dramatisch“ als das Schwesterwerk in B-Dur, ist durch gemeinsame Motive in allen Sätzen zu einem Zyklus verbunden. Durch das deutliche Hervortreten dieser Gemeinsamkeiten faszinierte die in sich geschlossene Interpretation des weiträumigen Werkes. Özgür Aydin wechselte mühelos vom einfühlsamen Begleiter zum virtuos auftrumpfenden Klaviervirtuosen, meißelte Motivköpfe hart in die Tastatur. Immer mit seinen Mitspielern durch Blickkontakt verbunden, unterstützte und leitete er seine Mitspieler. Andrej Bielow, jenseits aller technischen Probleme, brachte seine Violine mit erstaunlichsten Klangfarben zum Strahlen und Brillieren. Alexey Stadler nahm die Zuhörer mit seiner großen Leidenschaft in den Cello-Gesängen gefangen. Besonders beeindruckend, mit einer intensiven Sensitivität von allen drei Musikern, der Trauermarsch mit dem betörend schönen schwedischen Volkslied im Andante. Über bebenden Klavierakkorden, mit aggressiv fordernden Gesten führte eine dramatische Steigerung „bis zur Herzensangst“ (Schumann) im raumgreifenden dreifachen Fortissimo. Heitere Grundstimmung zu Beginn des Scherzos mit spielerischem Kanon zwischen Klavier und Streichern. Schroffe Akzente, derbe Einsätze, kantige Bögen boten im Trio eine bissige Episode. Der Finalsatz war der absolute Höhepunkt der Aufführung. Nach kontrastreicher Vorstellung der beiden Themen, das erste als Dur-Tanz, das zweite eine unruhige Moll-Melodie, entwickelten die Musiker spannungsgeladen monumentale 750 Takte. Wildester Wettstreit der Themen mit Oktavdurchgängen und rasenden Tremoli halfen über „himmlische Längen“ (Schumann) hinweg. Gänsehautgefühl beim Einschub des Trauermarsch-Themas. Am Ende des Satzes folgte die Erlösung mit einem gehaltenen Dur-Schluss.