Ein buntes Programm mit Kunst und Kultur in ganz unterschiedlichen Facetten bot am Samstag die 3. Lange Kulturnacht von Kressbronn und Langenargen. Mehr als 30 Standorte und noch mehr Künstler machten es den Besuchern nicht leicht, ihre Auswahl zu treffen. Selbst wer sich auf nur eine der beiden Gemeinden beschränkte, musste die Kulturhäppchen nach dem Motto "Mut zur Lücke" genießen. So war es am besten, sich einfach ganz nach Lust und Laune von einem Lokal zum anderen treiben zu lassen.

Münzhof, Museum, Kavalierhaus, Katholische Kirche, Buch-Kunst-Galerie Jäger – viele Kulturorte liegen in Langenargen dicht beieinander. Am Anfang steht etwas Langenargener Geschichte. Märchenhaft verpackt vom Duo Agel und Essigbeck darf im Münzhof gelacht werden. Ernst wurde es dagegen bei der Lesung von Anja Jonuleit, die im Sitzungssaal des Rathauses ihr Buch "Rabenfrauen" vorstellte. In ihm setzt sie sich mit den grausamen Geschehnissen in der Sekte Colonia Dignidad auseinander. Alles andere als einfache Kost.

Wieder draußen klingen vom Uhlandplatz die wummernden Bässe von der Open-Air Disco herüber. Dazwischen mischt sich der kreischende Sound der Motorsäge, mit der Steffen Burkhardt Skulpturen zaubert. Viele Besucher bleiben auch stehen, um dem Gute-Laune-Sound der "Agenten des Wahnsinns" zuzuhören. Dass sie ausgerechnet vor dem Rathaus spielen, gab Bürgermeister Achim Krafft bei der Eröffnung der Kulturnacht zu denken.

Fast ein Muss war ein Besuch der Gruppe "F.I.T.A.", die zu jeder vollen Stunde ihren A-cappella-Sound in der Langenargener Festhalle hören ließ. "I'm so excited" und "Englishman in New York" sind nur zwei ihrer Songs, die sie mit nichts anderem als der Stimme zum Besten geben. Beat-Box inbegriffen. Unterwegs lohnte sich ein Stopp in der Bäckerei Metzler. Hier gab es nicht nur Aperitif und Zwiebelkuchen, sondern auch gelungene Jazzmusik mit Stefan Schnell & Friends. Klangzeichen setzten "Hang & Horn" in der Katholischen Kirche. Bei den beiden Musikern konnte man sich entspannt zurücklehnen und genießen. Auch die Froschgeschichten, gelesen von Friederike Lutz, in der Buch-Kunst-Galerie Jäger waren etwas für Leute, die gerne zuhören. Und fürs Auge gab es hier tolle Froschköpfe von Annette Weber. Aber die Nacht war noch jung und an vielen Orten wurde jetzt erst richtig aufgedreht, zum Beispiel im Musiksalon Hirscher im Bahnhof. Hier war die Luft zum Schneiden, aber davon ließen sich die Fans der "Monkey Riot Gang" nicht beeindrucken.

Bunt wie ein Variete

Mit 14 Örtlichkeiten und 20 Attraktionen im ganzen Ort war am Samstag auch in Kressbronn einiges geboten. Neben zahlreichen musikalischen Acts erwartete die Gäste der Langen Kulturnacht hier unter anderem der zaubernde Entertainer Charlie Martin, die Burlesque-Künstlerinnen Rita Fox und Lola Lunette sowie ein Poetry Slam mit Teilnehmenden aus ganz Deutschland.

Charlie Martin erzählte einen Witz, über den er selbst so stark lachen musste, dass er es nicht mehr schaffte, den roten Luftballon aufzupusten. Diese Szene steht exemplarisch für den Auftritt des selbstbetitelten "Zaubertainers", der in seiner Show sowohl die Zauberkunst als auch die vermeintliche Emotionslosigkeit seines Publikums aufs Korn nahm. Auch der Klassiker "Getränk in der Zeitung" fand Einzug in seine Performance.

Martin würdigte das Event mit diesen Worten: "Der heutige Abend ist so bunt wie das Programm eines Varietés. Kulturnacht-Besucherin Sabine Vögele fand den Auftritt ähnlich gut wie ihre Sitznachbarin, die eine halbe Stunde lang nahezu durchgehend lachte. "Mein Highlight war es, wie Martin einen Zuschauer und seine Jacke in einen Trick einbezogen hat", erklärte die Frau, welche sich mit ihren Freundinnen später noch von Kressbronn nach Langenargen aufmachte.

Als die Burlesque-Show "ArTEAShocken" begann, standen die Kulturfans im Kressbronner Rathaus-Foyer bereits im hinteren Bereich des Raumes und saßen auf den Treppen. Die Tänzerinnen Rita Fox und Lola Lunette leiteten in Pfälzer Dialekt von Lied zu Lied. Fox scherzt zum Ende der ersten Showeinheit über die verhältnismäßig züchtigen Outfits: "Sie dachten sicherlich alle, Burlesque sei das mit dem Ausziehen. Aber wir sind hier ja schließlich in Kressbronn und nicht in Paris."

Die Bücherei am Rathausplatz war Schauplatz des Wettbewerbs deutscher Slampoeten. Im zweiten Block gewann der Dichter mit der kürzesten Anfahrtszeit, Alex Simm aus Konstanz, mit seiner Lobrede auf den Kaktus. Die Pausen zwischen den einzelnen Auftrittseinheiten füllte der Häfler Saxophonist Thomas Riether. Thomas Otto, Inhaber des Geschäfts Optik Hoffmann, das in der Langen Kulturnacht Kurzfilme zeigte, fasst zusammen, was ihm an dem Event gefällt. "Ich finde es schön, viele Kressbronner zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen."