Bei bodenseetypisch schwülwarmen Temperaturen blieb der Kreis der Interessierten überschaubar und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl gab sich in kleinem Kreis hemdsärmelig. Nach einem kurzen Fernsehinterview trennte er sich spontan von seinem wollenen Trachtenjackett, krempelte die Ärmel hoch und stieg zusammen mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen in eines der neuen Feuerwehrautos.

Wichtig sei, dass Entscheidungen getroffen werden, sagte Peter Schlegel. Als der 31-Jährige im vergangenen Jahr Kommandant der Kressbronner Feuerwehr wurde, brannte die gesamte Halle mit allen Löschfahrzeugen ab. Doch bereits einen Tag später war klar, dass sechs Fahrzeuge umgehend ersetzt würden. Auch Landrat Lothar Wölfle konnte die Anschaffung neuer Feuerwehrboote für den Bodenseekreis mithilfe von Geldern des Landes bestätigen. Er arbeite gern mit Wölfle zusammen, sagte Strobl, es sei ein Miteinander, kein Nebeneinander oder gar Gegeneinander.

Feuerwehrkommandant Peter Schlegel (von links im Vordergrund) zeigt Lothar Riebsamen und Thomas Strobl die neue Technik der Löschfahrzeuge.
Feuerwehrkommandant Peter Schlegel (von links im Vordergrund) zeigt Lothar Riebsamen und Thomas Strobl die neue Technik der Löschfahrzeuge. | Bild: Anette Bengelsdorf

Doch haben die Dieselfahrzeuge überhaupt eine Zukunft? Es sei gut, dass Dynamik in die Debatte und in die Automobilindustrie gekommen sei, sagte er auf Nachfrage eines Bürgers. Und: "Wir wollen keine Fahrverbote, wir wollen saubere Luft." Mit seiner guten CO2-Bilanz sehe er in bestimmten Fahrzeugen durchaus eine Zukunft für den Diesel, da die Feinstaubbelastung von Städten wie Stuttgart nicht alleine auf dessen Emission zurückzuführen sei. Auch sogenannte Komfortkamine, Feuerstellen, die den heimischen Wohlfühlfaktor befeuern, machte er als Verursacher aus. Ein in diesem Zusammenhang vorstellbares Verbot von Verbrennungsmotoren bis 2030 hält Strobl zum heutigen Zeitpunkt für nicht vorhersehbar und ist überzeugt, dass man mit überschaubaren Maßnahmen mit der Feinstaubbelastung unter die gesetzlichen Grenzwerte kommt.

Der erste Bauabschnitt der neuen Uferpromenade auf dem Bodanwerft-Gelände ist bereits 700 Meter lang.
Der erste Bauabschnitt der neuen Uferpromenade auf dem Bodanwerft-Gelände ist bereits 700 Meter lang. | Bild: Anette Bengelsdorf

Ein ähnlich komplexes Thema sprach Gemeinderat Hermann Wieland mit der Abschiebung von Gefährdern an. "Herz und Härte" sei sein Motiv, sagte Strobl. Und so habe Baden-Württemberg mehr Gefährder zurückgeführt als andere Bundesländer und die freiwillige Ausreise sei unter Druck gestiegen. Doch Härtefallkommissionen, Petitionsausschüsse und Widerstand in der Bevölkerung mache die Rückführung von Migranten ohne Bleibeperspektive aus sicheren Herkunftsländern häufig kompliziert.

Interessierte Bürger konnten sich einen Einblick in den Baufortschritt auf dem ehemaligen Werftgelände verschaffen.
Interessierte Bürger konnten sich einen Einblick in den Baufortschritt auf dem ehemaligen Werftgelände verschaffen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Die Besichtigung der ehemaligen Bodanwerft und der neuen Uferpromenade rief bei Strobl Begeisterung hervor, bei den Bürgern keine kritischen Fragen. Trotz seiner Lackschuhe folgte er Investor Willi Schmeh durch den Schotter des im Bau befindlichen Geländes, wo er sich ein Bild von den Wohnungen mit Seeblick machen konnte. Um vier Uhr war dann Eile angesagt, Zeit, das "letzte Zipfele" von Baden-Württemberg, wie Riebsamen die Bodenseeregion nannte, zu verlassen. Thomas Strobl wurde bereits in Biberach erwartet.