Mit einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro davon kam ein 46-jähriger Autofahrer, der wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht Tettnang stand. Am 4. Februar 2017 hatte er mit einem Alkoholgehalt von 1,46 Promille in Kressbronn den Tod eines 84-jährigen Fußgängers verursacht. "Das Geschehen tut mir unfassbar leid. Ich habe einen riesen Fehler gemacht", schickte er der Verhandlung reumütig voraus. Nach dem Genuss von mehreren Flaschen Bier war der Mann am Abend gegen 19.20 Uhr auf der Kirchstraße in Richtung Hauptstraße gefahren. Just zu diesem Zeitpunkt überquerte der dunkel gekleidete 84-Jährige die Straße in Richtung Friedhofsweg. Regnerisch war das Wetter, nass die Fahrbahn. "Ich habe einen Schatten gesehen und dann kam es auch schon zum Aufprall", schilderte der Angeklagte seine Erinnerung. Zu Fuß sei er sofort zurück zur Unfallstelle gegangen, wo bereits Passanten bei dem Schwerstverletzten gewesen seien. "Das war eine weise Entscheidung", meinte Richter Max Märkle. Doch alle Hilfe nutzte nichts: Noch in der Nacht ist der 84-Jährige verstorben.

Sachverständige Christina Dimmler hat errechnet, dass der Angeklagte mit einer Geschwindigkeit von 43 Stundenkilometern gefahren sein muss. Im Zeugenstand sagte ein Polizeibeamter aus, dass die Sichtverhältnisse trotz Regen und Dunkelheit relativ gut gewesen seien. "Es war nicht unbedingt nötig, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern zu reduzieren.

" Neben den Beschädigungen am Fahrzeug hat die Sachverständige auch die mutmaßliche Gehgeschwindigkeit des Opfers, der normalerweise einen Rollator benutzt hat, in die Berechnungen einbezogen. "Hauptproblem war, dass er sich so langsam bewegt hat und damit nur einen geringen Reiz für das Auge des Fahrers bot", so Dimmler.

Es wurde klar, dass der Unfall auch für einen nüchternen Fahrer bei der zulässigen Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern nicht zu vermeiden gewesen wäre. "Aufgrund des Alkoholgenusses hätte er aber wissen müssen, dass er nicht mehr verkehrstauglich ist", sagte Rechtsreferendarin Julia Zell als Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Sie hatte für eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung plädiert. Richter Märkle legte seinem Urteil – 40 Tagessätze in Höhe von je 30 Euro – jedoch ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1970 zugrunde. Es geht nicht von der Frage aus, ob der Unfall bei Nüchternheit vermeidbar gewesen wäre, sondern von der adäquat zu reduzierenden Geschwindigkeit wegen Trunkenheit. Und diese lag mit 43 Stundenkilometern genau ein Punkt unter den berechneten 44 des Unglücksfahrers. Einig waren sich Anwalt Edgar Zimmermann, der auf Freispruch plädiert hatte, Julia Zell und Richter Märkle über die Dinge zugunsten des Angeklagten: keinerlei Einträge im Straf- oder Verkehrsregister und deutliche Reue. "Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände und Ihnen ist kein Fahrlässigkeitsvorwurf zu machen", begründete Märkle sein Urteil. Der Unglücksfahrer muss weitere drei Monate auf seinen Führerschein verzichten und die Kosten des Verfahrens tragen.