Über die Nutzung des ehemaligen Bodanwerft-Geländes in Kressbronn wird seit vielen Jahren diskutiert und gestritten. Jetzt tagte der Petitionsausschuss des Landtags in Kressbronn, um über zwei Petitionen, also Eingaben an den Landtag, zu diskutieren.

Seit jeher Widerstand gegen Wohnbebauung

Auf dem ehemaligen Werftgelände steht bereits eine neue Wohnanlage mit mehreren Gebäuden, die nach Auskunft von Investor Willi Schmeh alle bewohnt sind. Kressbronns Bürgermeister Daniel Enzensperger zufolge werden 20 Prozent der Wohnungen als Zweitwohnsitz genutzt.

Das Luftbild entstand während der Bauarbeiten für die ersten neuen Wohnhäuser auf dem Bodanwerft-Gelände. Es zeigt die Dimensionen des Geländes.
Das Luftbild entstand während der Bauarbeiten für die ersten neuen Wohnhäuser auf dem Bodanwerft-Gelände. Es zeigt die Dimensionen des Geländes. | Bild: Archiv

Widerstand gegen die Bebauung des Geländes gab es bereits, seit klar war, dass dort Wohnhäuser entstehen sollen. Umweltverbände und etliche Bürger hatten sich gegen die Bebauung ausgesprochen.

Seit 1940 Landschaftsschutzgebiet

Sabine Otto vom Wirtschaftsministerium berichtet: "Das Gelände war zwar seit 1940 Landschaftsschutzgebiet, doch durch Sondergenehmigungen konnten dort in den 60er und 70er Jahren weitere Hallen errichtet werden."

Das könnte Sie auch interessieren

Auf der freien Fläche neben den Wohnhäusern, wo derzeit alte Hallen und Schuppen stehen, will Investor Willi Schmeh ein Hotel mit mehr als 100 Zimmern und einer Tiefgarage errichten. Umweltverbände und Naturschützer fürchten, dass gerade etliche Vogelarten und Fledermäuse durch eine weitere Bebauung aus ihrem Lebensraum verdrängt werden könnten.

Matthias Klemm (links) und Hans Steitz haben die beiden Petitionen eingereicht.
Matthias Klemm (links) und Hans Steitz haben die beiden Petitionen eingereicht. | Bild: Susanne Hogl.

Matthias Klemm: Regionaler Grünzug statt Hotel

Matthias Klemm will das Hotel mithilfe einer von ihm initiierten Petition verhindern. Er setzt sich dafür ein, dass das Gelände als regionaler Grünzug erhalten bleibt. "Es handelt sich um ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, das jetzt einfach bebaut werden soll", erklärte Klemm den Mitgliedern des Petitionsausschusses. "Dabei sollte die Natur erhalten bleiben und für die Öffentlichkeit weiter zugänglich sein."

Der Petitionsausschuss des Landtages hat sich das Gelände der ehemaligen Bodanwerft angeschaut. Auf dem Gelände, auf dem das Hotel entstehen soll, stehen derzeit noch alte Hallen und Schuppen.
Der Petitionsausschuss des Landtages hat sich das Gelände der ehemaligen Bodanwerft angeschaut. Auf dem Gelände, auf dem das Hotel entstehen soll, stehen derzeit noch alte Hallen und Schuppen. | Bild: Susanne Hogl

Hans Steitz: Bebauung greift in Hochwasserrisikogebiet ein

Die zweite Petition war von Hans Steitz eingereicht worden. Er glaubt, dass durch eine weitere Bebauung in Hochwasserrisikogebiete und ausgewiesene Überschwemmungsflächen eingegriffen werde und zweifelt deren Rechtmäßigkeit an. "Das Kressbronner System funktioniert am Seeufer in allen denkbaren Schutzgebieten seit zehn Jahren so gut, dass alle Eingriffe, die so woanders nicht möglich wären, genehmigt werden und alle Bürgereinwendungen abgelehnt werden."

Die Mitglieder des Petitionsauschusses des Landtages haben das Gelände der ehemaligen Bodanwerft in Kressbronn besichtigt.
Die Mitglieder des Petitionsauschusses des Landtages haben das Gelände der ehemaligen Bodanwerft in Kressbronn besichtigt. | Bild: Susanne Hogl

Bürgermeister: noch keine Entscheidung

Der Bürgermeister gab zu Bedenken: "Es ist in unserem Interesse, alle Auflagen einzuhalten, wir sind mitten im Verfahren und es gibt noch keine Entscheidung. Der Hochwasserschutz ist uns dabei sehr wichtig."

Im denkmalgeschützten Pavillon soll die Geschichte der Bodanwerft präsentiert werden.
Im denkmalgeschützten Pavillon soll die Geschichte der Bodanwerft präsentiert werden. | Bild: Barbara Fülle

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Krebs, die die Sitzung leitete, bemerkte: "Wir sollten eventuell über notwendige Ausgleichsflächen sprechen, das sind wir den Menschen schuldig, dass wir uns darum kümmern."

Regionalverband: keine jungfräuliche Landschaft

Wilfried Franke, Verbandsdirektor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, entgegnete den beiden Petenten: "Seit vielen Jahrzehnten ist das Gelände dort bebaut und es gibt oft Bauten, die in Landschaftsschutzgebieten stehen. Wir haben hier keine jungfräuliche Landschaft, sondern eine Gewerbe- und Industrielandschaft." Jetzt wird das Plenum des Landtags darüber beraten, ob eine oder beide Petitionen positiv beschieden werden.