Am Tag nach dem verheerenden Brand der Kressbronner Feuerwache, bei dem am frühen Sonntagabend die Fahrzeughalle und sieben Wagen zerstört wurden, steht die Gemeinde unter Schock. „Wir haben seit heute Vormittag einen Krisenstab“, berichtet Bürgermeister Daniel Enzensberger am Montag, „zunächst gilt es, die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr wieder zu sichern.“ Im Moment sei die Kressbronner Feuerwehr nicht einsatzfähig, so der Bürgermeister.

Das Feuer wurde der Kressbronner Wehr am Sonntag gegen 17 Uhr gemeldet. Als die Feuerwehrleute an an ihrer 1994 gebauten Halle des Gerätehauses ankamen, wütete dort bereits ein Brand. Da die Schutzausrüstung und die Lösch- und Mannschaftswagen der Kressbronner Wehr im Gerätehaus untergebracht waren, blieb den Feuerwehrleuten nichts anderes übrig, als sofort Unterstützung aus benachbarten Gemeinden anzufordern.

Nach Angaben von Christian Gorber, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Bodenseekreis, brach das Feuer am äußeren Rand der Halle aus. „Wir konnten durch den Einsatz von 140 Feuerwehrleuten aus acht verschiedenen Gemeinden von Markdorf bis Lindau unter der Leitung des Kressbronner Kommandanten Peter Schlegel verhindern, dass das Feuer auch auf den anderen Gebäudeteil und den angrenzenden Gemeindebauhof übergreift“, berichtet er. Schulungs-, Funk- und weitere Funktionsräume seien weitestgehend von den Flammen verschont geblieben. Auch der Bauhof blieb unversehrt.

Die Löscharbeiten dauerten bis Mitternacht und gestalteten sich laut Gorber sehr schwierig. „Im Hallendach loderten immer wieder Brand-und Glutnester auf“, sagt er, „und wir konnten das Gebäude aufgrund der Einsturzgefahr nicht mehr betreten.“ Gegen 23 Uhr wurde das Hallendach mit einem Bagger komplett abgerissen. Auf dem Dach war eine Fotovoltaikanlage angebracht.

Verletzt wurde bei dem Großbrand allerdings niemand. Nach Polizeiangaben musste eine Anwohnerin kurzzeitig evakuiert werden, konnte kurz darauf aber wieder in ihr Haus zurück. Aufgrund des starken Rauchs wurden weitere Anwohner per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen und die Fenster zu schließen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) war mit 30 Hilfskräften vor Ort, die Polizei sperrte das Gelände großflächig ab.

Derzeit bilanziert die Polizei den Schaden auf rund vier Millionen Euro. Zwei Millionen entfallen dabei nach Angaben von Polizeisprecher Fritz Bezikofer auf das Feuerwehrhaus selbst, weitere zwei Millionen auf die Fahrzeuge. Laut Polizei waren ein Kriminaltechniker und ein Brandgutachter am Montag vor Ort, am Dienstag kommen Kriminaltechniker des Landeskriminalamts. Von einer natürlichen Ursache, also beispielsweise einem Blitzeinschlag, geht die Polizei derzeit nicht aus. Auch auf Brandstiftung weist im Moment nichts hin. Bleibt also noch die Möglichkeit eines technischen Defekts, so der Polizeisprecher.

Die Kressbronner Feuerwehr sichtet und prüft nun die verbliebene Ausstattung. Von den insgesamt acht Fahrzeugen der Kressbronner Wehr sind drei stark beschädigt, vier brannten völlig aus, bestätigt Gorber. Nun hat die Wehr nur noch ein intaktes Mannschaftsfahrzeug. „Wir werden uns Fahrzeuge und Ausrüstung von umliegenden Feuerwehren ausleihen müssen", berichtet Bürgermeister Enzensberger. Neben dem Bürgermeister war auch Landrat Lothar Wölfle zur Einsatzstelle gekommen, um sich einen persönlichen Eindruck über das Ausmaß der Schäden zu verschaffen.

Die Bilanz des Brandes ist laut einer Mitteilung des Kreisfeuerwehrverbands „ernüchternd“. Sollte es in den nächsten Tagen einen Einsatz in Kressbronn geben, müssten nun die Feuerwehren Langenargen, Eriskirch und Tettnang ausrücken. „Lindau und Tettnang haben bereits zugesagt, Kressbronn Fahrzeuge auszuleihen, die im benachbarten Bauhof untergebracht werden können“, erklärt Gorber. Peter Schörkhuber, stellvertretender Kreisbrandmeister sowie stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kressbronn, ist sich sicher: „Bis Ende der Woche, spätestens Anfang nächster Woche ist der Grundschutz durch die Freiwillige Feuerwehr Kressbronn wieder sichergestellt.“

Ob eine Versicherung für den entstanden Schaden aufkommt, ist derzeit noch ungeklärt. Zunächst gilt es, die Brandursache zu finden.

 

Im Einsatz

Neben fünf Feuerwehren aus dem Bodenseekreis (Kressbronn, Tettnang, Langenargen, Eriskirch und Markdorf) waren die Wehren Lindau, Wasserburg und Nonnenhorn aus dem bayerischen Kreis Lindau im Einsatz. Einsatzleiter war der Kressbronner Kommandant Peter Schlegel, der von Kreisbrandmeister Henning Nöh unterstützt wurde. Insgesamt zählt der Kreisfeuerwehrverband rund 140 freiwillige Kräfte, die beim Löscheinsatz beteiligt waren.