Das Votum des Verwaltungsgerichts Sigmaringen war eindeutig: Es folgte der Argumentation des Kressbronners nicht, der die Bauarbeiten zur Renaturierung des Bodenseeufers verhindern wollte. Der Grund des Antragstellers: Er befürchtet, dass durch die Maßnahmen Grundwasser in sein Gebäude läuft – es liegt 125 Meter vom Ufer entfernt und zwischen Wohngebäude und Ufer befinden sich mehrere andere Gebäude sowie die Bodanstraße.

Massive Uferbefestigungen und -mauern, aber auch zahlreiche Hafen- und Steganlagen prägen aktuell weite Bereiche des Bodenseeufers in Kressbronn. Bereits seit den 1980er Jahren gibt es Überlegungen, das Ufer ökologisch zu verbessern. Der Plan sieht vor, den Uferbereich zwischen dem Gemeindehafen und der Landesgrenze zu Bayern über eine Länge von circa 750 Metern durch eine zehn bis 40 Meter breite Vorschüttung umzugestalten. Die Ufermauern vor den öffentlichen Grundstücken werden abgebrochen und das landwärts gelegene Gelände in einer Tiefe von fünf bis 15 Meter abgetragen. Vor den privaten Grundstücken sollen die Mauern überwiegend erhalten bleiben. Stege, Slipanlagen, Bootsanlegestellen und sonstige Verbauungen sollen abgebrochen werden. In dem Abschnitt vom Seepark bis zum Landungssteg ist geplant, einen maximal zwei Meter breiten Weg anzulegen.

In seiner Urteilsbegründung schreibt das Verwaltungsgericht Sigmaringen, dass im Renaturierungsabschnitt auf Höhe des Grundstücks des Antragstellers die Ufermauern nicht entfernt, sondern nur angeschüttet würden. Die Wasserspiegellage des Bodensees ändere sich durch die geplanten Maßnahmen nicht und Auswirkungen auf das Grundstück könnten ausgeschlossen werden. Dem Eilantrag fehle es auch an der erforderlichen Dringlichkeit, nachdem die Antragsteller seit 16 Jahren Zeit gehabt hätten, sich über eine mögliche Beeinträchtigung ihres Grundstücks zu informieren. Für das Verfahren hat er die Hälfte des angesetzten Streitwerts in Höhe von 12.500 Euro zu tragen.

"Wir freuen uns sehr, dass die Baumaßnahmen östlich des Landungsstegs jetzt endlich starten können", sagt Thomas Feick, Leiter des Amts für Gemeindeentwicklung und Bauwesen. Gewünscht hätte sich die Gemeinde dies auch im westlichen Teil des Kressbronner Ufers in Richtung Bodan-Areal. "Aber der hohe Wasserstand lässt aktuell keine Baumaßnahmen zu." Im Sommer wolle man Erholungssuchende am Ufer nicht durch Baulärm stören, sodass es in diesem Bereich erst Ende des Jahres beziehungsweise Anfang 2019 zu Bauarbeiten kommen werde.