In zahlreichen Gesprächen beim Besuch der Werft habe ihn das Gebäudeensemble fasziniert, das, verschont von den Bomben des Zweiten Weltkriegs, immer erweitert wurde.

„Ich bin sehr froh, dass ich im Auftrag der Gemeinde Kressbronn diese Ausstellung inhaltlich und wissenschaftlich ausarbeiten kann“, sagte der Historiker, der sowohl seine Magister- als auch seine Doktorarbeit dem Thema Motorschiffe auf dem Bodensee gewidmet hatte.

Während die Hallen zwei und drei des Werftgeländes zu Wohnungen umgebaut werden, bleiben Halle eins, die Montage Nord mit Schreinerei sowie das ehemalige Bürogebäude im Besitz der Gemeinde. Diese Gebäude sollen zukünftig die Dauerausstellung beherbergen.

Durch Abriss des größten Teils des Bürogebäudes wird die Fläche sehr stark reduziert, durch Umbaumaßnahmen soll aber ein etwa 80 Quadratmeter großer Aussichtspavillion entstehen. Dort werden mehrere Stationen installiert, die den Besuchern die Möglichkeit bieten, Wortbeiträge von Zeitzeugen abzuhören. Ehemalige Werftarbeiter, die Berg bei dieser Gelegenheit aufrief, sich zahlreich bei ihm zu melden, bekommen dabei die Gelegenheit, subjektiv über ihre Arbeit zu berichten.

Texte über die Geschichte der Werft werden auf sechs Stelen auf dem Gelände verteilt. Diese Stelen, die mit einer oberflächlichen Rostschicht bedeckt sind, sollen über die Geschichte der Bodenseeschifffahrt, über die Werft im Zweiten Weltkrieg sowie über die Nutzung des Geländes in vorindustrieller Zeit informieren.

Ein Zeitstrahl mit historischen Daten werde die Besucher vom Eingang zu Halle eins führen, wo sie ein Modell der Werft vorfinden sollen. Durch drücken von Knöpfen werden 360-Grad-Ansichten des entsprechenden Gebäudes auf einer Projektionsfläche an der Wand abgespielt. Auch Bildergalerien zu den verschiedenen Themenfeldern wären abrufbar, so Berg.

Ebenfalls in Halle eins, auf dem alten Hellingwagen, sieht die Planung ein Bistro für den Sommer vor. Ein Optimierungsvorschlag des Historikers, hier das Motorschiff Munot zu integrieren (1936 in der Bodanwerft gebaut und derzeit zum Verkauf stehend), ließe sich vermutlich nur mit Hilfe von Sponsoren realisieren.

In der Montagehalle Nord/Schreinerei wird eine ganzjährige Gastronomie untergebracht, denkbar wäre, dazwischen alte Drehbänke und Bohrmaschinen auszustellen. Beleben ließe sich das Areal seiner Ansicht nach durch einen Anleger im Bereich des gemeindeeigenen Osthafens, an dem Schiffe wie die Hohentwiel oder alte Fähren festmachen könnten.

„Dieses Konzept ist nicht in Stein gemeißelt“, sagte Michael Berg. Die gemeindeeigenen Gebäude sollen in einem Zeitraum von drei Jahren umgebaut werden. Der Kostenrahmen sei mit etwa 60 000 Euro veranschlagt.

Michael Berg (40): „Ich bin für die konzeptionelle, inhaltlich-wissenschaftliche Ausarbeitung zuständig“

Michael Berg (41), Historiker mit verkehrsgeschichtlichem Schwerpunkt, war bis zu seiner Promotion 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Leiter des Seemuseums Kreuzlingen.
Michael Berg (41), Historiker mit verkehrsgeschichtlichem Schwerpunkt, war bis zu seiner Promotion 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Leiter des Seemuseums Kreuzlingen.

Welche Quellen stehen Ihnen zur Verfügung?
Ich recherchiere in einigen Archiven. Unter anderem findet sich in mehreren Standorten des Bundesarchivs Material zur Bodan-Werft sowie in diversen Landesarchiven und im Gemeindearchiv Kressbronn. Sehr wertvoll und spannend sind auch die Kontakte zu den ehemaligen Mitarbeitern der Werft, die der geplanten Ausstellung überwiegend sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und mich mit mündlichen Auskünften, mit schriftlichen Quellen und vor allem mit Bildmaterial regelrecht "bombardieren". Ferner gibt es eine sogenannte "Chronik der Bodan-Werft", verfasst von Anneliese Dittmann, Anteilseignerin und Tochter von Hermann Stachelhaus, einem der drei Gründer der Werft. Diese Chronik darf nicht verwendet werden, wäre aber sehr hilfreich. Eine engere Einbindung ihres Sohnes und Enkels, Wilhelm und Robert Dittmann, wäre ebenfalls sehr wünschenswert.

Welchen Einfluss haben Sie auf die Präsentationsform?
Ich bin für die konzeptionelle, inhaltlich-wissenschaftliche Ausarbeitung zuständig, die Umsetzung liegt in anderer Hand.

Sollen mit der Ausstellung auch Kinder angesprochen werden?
Das wäre schön und wir haben intern auch darüber gesprochen. Leider ist für die Ausarbeitung einer kindgerechten Ausstellungsschiene im zeitlichen Rahmen bis Ende August keine Zeit.

Fragen: Anette Bengelsdorf