Zwischen Juni 2016 und März 2017 hat der Angeklagte nachweislich gekifft und in Friedrichshafen Marihuana an Kumpels weiterverkauft. In von der Polizei ausgewerteten Chatverläufen war in diesem Zusammenhang von Kaugummis und Freilandeiern die Rede.

Polizei wird bei Hausdurchsuchung fündig

Im Januar 2017 war es zur Hausdurchsuchung gekommen, bei der die Polizei rund 33 Gramm Marihuana in Einmachgläsern fand. "Was wollten Sie damit machen?", fragte Hussels-Eichhorn. Der Großteil sei für den Eigenbedarf vorgesehen gewesen. "Ja, an Kumpels hätte ich auch für 10 Euro je Gramm was verkauft", räumte der Angeklagte ein, der noch bei seinen Eltern wohnt.

Chatverlauf auf Handy bringt Ermittler auf die Spur

Insbesondere stieß dem Richter auf, dass der junge Mann nach der ersten Hausdurchsuchung munter weitergemacht hat. Knapp drei Monate war bei einer zweiten Hausdurchsuchung ebenfalls eine geringe Mengen Marihuana gefunden worden. Auslöser war erneut ein Chatverlauf auf dem Handy eines Kumpels, der der Drogenfahndung ins Netz gegangen war.

Großunternehmen verlangt Urintest

Abgepasst wurde der Angeklagte von der Polizei am Werkstor seines Arbeitgebers in Friedrichshafen. "Großunternehmen verstehen bei Drogen normalerweise keinen Spaß und schmeißen ihre Azubis raus", sagte Hussels-Eichhorn. In diesem Fall musste der Angeklagte regelmäßig zum firmeninternen Urin-Test, der laut Gutachten seit Mai 2017 bis heute keinen Nachweis auf Drogenkonsum erbracht hat.

Zeugen helfen nicht groß weiter

Kaum ergiebig waren die Aussagen zweier junger Männer im Zeugenstand. Einer machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, da gegen ihn aktuell ebenfalls ein Verfahren läuft. Kurzfristig kam ein Polizeibeamter aus Überlingen, um Licht in den Fall zu bringen. Ein weiterer Zeuge konnte sich nicht mehr so genau an seine Drogenkäufe erinnern. "Ist schon ewig her", sagte er.

Im Laufe der Verhandlung wurden aus anfangs 23 Fällen von Handel mit Marihuana elf Fälle. Fallengelassen wurde der Anklagepunkt, laut dem der junge Mann in Spanien 80 Gramm Marihuana gekauft haben soll.

Jugendgerichtshilfe: "Nicht gefestigte Person"

Die Jugendgerichtshilfe beantragte die Anwendung von Jugendstrafrecht, da der Angeklagte zur Tatzeit erst 18 beziehungsweise 19 Jahre alt war. "Ich empfinde ihn nicht als gefestigte Person", erklärte Mitarbeiterin Bader, die eine Verlagerung der Suchtmittel von Marihuana zu Alkohol sieht. Ihr folgten Staatsanwalt Bauer und Anwalt Gerd Pokrop.

Bauer forderte sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung, Pokrop lediglich eine Geldstrafe als Denkzettel. Richter Hussels-Eichhorn und die Schöffen sehen den Angeklagten auf einem guten Weg im Umgang mit Betäubungsmitteln. Die Kosten des Verfahrens hat er zu tragen.