"Wir sind mehr!" lautete das Motto einer Kundgebung auf dem Ravensburger Marienplatz am Montagabend. Rund 2000 Menschen der verschiedensten Alters- und Gesellschaftsschichten folgten dem Aufruf mehrerer Initiativen aus Oberschwaben, um gegen rechte Hetze gegen geflüchtete Menschen und Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen zu setzen. Schon weit vor dem eigentlichen Beginn um 18.30 Uhr hatten sich die Demonstranten auf dem Marienplatz eingefunden und malten noch an Plakaten und Transparenten. Von Punks über Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik bis hin zu Chefs regionaler Unternehmen – zumindest während diesen eineinhalb Stunden waren sich alle in diesem Punkt einig: Rechte Hetze darf in der Gesellschaft keine Chance haben.

Schon lange vor dem eigentlichen Start versammelten sich die Teilnehmer und bereiteten Plakate und Transparente vor.
Schon lange vor dem eigentlichen Start versammelten sich die Teilnehmer und bereiteten Plakate und Transparente vor. | Bild: Frank Enderle

Eigentlich war die Kundgebung vor dem Ravensburger Lederhaus als Gegenveranstaltung für eine sogenannte "Mahnwache" für die Verletzten der Messerattacke Ende September angedacht. Allerdings sagte deren Initiatorin diese am Montag überraschend wieder ab. "Schon das ist ein zivilgesellschaftlicher Erfolg", sagte Michaela Matschinski vom Bündnis für Bleiberecht Oberschwaben-Bodensee bei der Eröffnung der Kundgebung. "Wie zynisch ist das denn, wenn die Tat eines psychisch Kranken von rechten Nationalisten dazu genutzt wird, ihr immer währendes Lied von einer Überfremdung und Hass auf den Islam anzustimmen", ergänzte die Mitorganisatorin. In Richtung rechter Gruppierungen schickte sie die klare Botschaft: "Ihr seid nicht das Volk, denn wir sind mehr."

Messerattacke Ende September

Ende September hatte ein afghanischer Asylbewerber in der Ravensburger Innenstadt drei Menschen mit einem Messer schwer verletzt. Er wurde in eine psychiatrische Einrichtung eingeliefert. Die Polizei teilte mit, der 21-Jährige leide nach Einschätzung eines Gutachters an einer tief greifenden psychiatrischen Erkrankung. Hintergrund der Tat soll auch ein Streit mit einem Arbeitskollegen gewesen sein.

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Ein entschlossenes Statement gab bei der "Wir sind mehr!"-Kundgebung auch Jens Liedtke, Regionalsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes. "Ich bin es total leid, dass diese rechten Hohlköpfe seit Monaten den politischen Diskurs bestimmen und Politik und Medien vor sich hertreiben", sagte er. Liedtke kritisierte zudem den Nährboden für eine gesellschaftliche Spaltung – das immer noch drastischer werdende Auseinanderdriften von Arm und Reich.

Mitorganisatorin Michaela Matschinski vom Bündnis für Bleiberecht Oberschwaben-Bodensee bei ihrer Eröffnungsansprache.
Mitorganisatorin Michaela Matschinski vom Bündnis für Bleiberecht Oberschwaben-Bodensee bei ihrer Eröffnungsansprache. | Bild: Frank Enderle

Ein gesunde Portion Humor in die Veranstaltung brachte Werner Langenbach von der katholischen Betriebsseelsorge. "Durch den schönen Sommer hat mein Kopf eine schöne braune Farbe angenommen" berichtete er. Sein Bauch und seine Oberarme hingegen seien kreideweiß. "Sind die jetzt mehr deutsch, nur weil sie weißer sind?", schickte Langenbach unter Beifall hinterher. Auch die Kreisverbandsvorsitzenden der CDU, SPD, FDP und der Grünen nutzen die Kundgebung für ein gemeinsames Statement. "Rassismus und jegliche Form von Ausgrenzung haben bei uns keinen Platz, wir wollen ein friedliches Miteinander", sagte SPD-Vertreterin Heike Engelhardt stellvertretend.

Die verschiedensten Altersgruppen und Interessengruppen nahmen der der Kundgebung teil.
Die verschiedensten Altersgruppen und Interessengruppen nahmen der der Kundgebung teil. | Bild: Frank Enderle

Friedlich blieb alles an diesem Abend. Die Polizei, die im gesamten Innenstadtbereich vorsorglich starke Präsenz zeigte, meldete keinerlei Vorfälle oder Probleme. "Wir gehen hier mit einem richtig guten Gefühl nach Hause", schloss Michaela Matschinski die Kundgebung prägend ab.

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