Auf womöglich tückischen Pfaden bewegt sich der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, dessen Planungsausschuss das Zielabweichungsverfahren für den geplanten Kiesabbau am Standort "Grund" im oberschwäbischen Vogt absegnen sollte. Wie ihr Fachreferent Guido Köberle bei der Tagung im Bürgerhaus von Mengen-Ennetach darlegte, beabsichtigt die Kiesgesellschaft Karsee (Amtzell), in diesem Wasserschutzgebiet einen Kiesabbau oberhalb des Grundwassers (Fachbegriff: Trockenauskiesung) vorzunehmen. Mit den Untersuchungen habe das Unternehmen im Altdorfer Wald begonnen. Auch die Forstdirektion habe in Abklärung dem Verfahren bereits zugestimmt, so Köberle, und aus Sicht der Regionalverbandsverwaltung könne dem vorbehaltlos zugestimmt werden. Der Referent verwies zudem auf die erfolgte strategische Umweltprüfung. Die Abbaustelle soll wieder verfüllt werden.

Köberle informierte aber auch darüber, dass beim Verband jüngst eine Vielzahl an Schreiben der Gemeinden Baienfurt, Baindt und Vogt sowie von Ratsfraktionen eingegangen seien – alle von der Sorge getragen, was dieser Kiesabbau wohl mit sich bringen würde. Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp, der aus seiner wohlwollenden Haltung gegenüber dem Regionalverband keinen Hehl machte, reklamierte in der Sitzung gleichwohl Beratungsbedarf in den Fraktionen zum Thema und plädierte für eine Verschiebung des Beschlusses auf den Verbandstag. Dieser findet am 15. Dezember in Baienfurt statt.

"Ein hochemotionales Thema mit konfliktträchtigem Potenzial", brachte der Regionalverbandsvorsitzende Thomas Kugler die Diskrepranzen auf den Punkt und versicherte: "Wir nehmen alle Probleme ernst, Wasserschutz hat einen hohen Stellenwert!" Demgegenüber reklamierten die beiden Bürgermeister von Baienfurt und Baindt, Günter A. Binder und Elmar Buemann, Widersprüche zu raumordnerischen Vorgaben und Zielen, erläuterten im Gespräch mit dem SÜDKURIER vor Ort ihre strikt ablehnenden Gründe. Schließlich handele es sich hierbei um ein Einzugsgebiet von Trinkwasserquellen mit einem Wasserreservoir für 80 000 Menschen im Schussental.

Binder verwies auf Experten, die das Wasser aus geologisch tiefen Schichten als "jungfräulich" bezeichnet hätten, vergleichbar mit der qualitativen Reinheit von Mineralwasser. "Kiese und Sande sind endlich, dieses Wasser aber unendlich", sagte Binder: "Der gesundheitliche Aspekt muss höher stehen als wirtschaftliche Einzelinteressen." Er stütze sich darauf, dass der Kiesabbau des Betreibers auf mehrere Jahre gesichert und dieser mit der Rohstoffgewinnung bis 2015 in Grenis (Amtzell) ausgelastet sei und er noch dazu über entsprechende Abbaureserve verfüge. Ein vom Unternehmen reklamierter Härtefall bestehe daher nicht. Das Gemeindeoberhaupt von Baienfurt ist sich sicher, dass der Regionalverband dieser Maßnahme nicht zustimmen könne, da sie die besseren und vor allem korrekten Argumente hätten. Das von ihnen in Auftrag gegebene Gutachten soll bis Anfang Dezember fertiggestellt sein.