Ravensburg – Wegen schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung muss sich ein 28-jähriger Mann vor der zweiten großen Strafkammer des Landgerichts Ravensburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einen Mann bedroht, mit dem Messer verletzt und beraubt zu haben. Einen anderen soll er in einer Spielothek bedroht und Geld gefordert haben. Zudem werden ihm Verstöße gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz zur Last gelegt.

Der Hauptvorwurf: Am späten Abend im März 2016 habe der Angeklagte bei einem Friedrichshafener Spielplatz einen Mann überfallen. Ein inzwischen verstorbener Komplize habe diesen auf eine Bank gedrückt und in den Bauch geschlagen. Der Angeklagte stieß ihm laut Anklage ein Messer in den rechten Oberschenkel und sagte dazu: "Jetzt siehst du, dass es ernst ist." Er habe 3000 Euro gefordert, auf die er keinen Anspruch habe. Danach sollen ihn die beiden in ein Auto gezerrt und gedroht haben, ihn zu verschleppen und zu töten. Stattdessen seien sie in die Wohnung gefahren, in der sich die 76-jährige Mutter des Geschädigten aufhielt. Diese habe Bargeld zusammensuchen müssen. Mit 700 Euro, einer teuren Armbanduhr und einem versilberten Kettchen seien der Angeklagte und sein Komplize verschwunden.

Eine gute Woche später habe der Angeklagte den Geschädigten erneut aufgesucht, mit dem Tod bedroht, geschlagen und 2500 Euro verlangt. Einen Monat später fand die Polizei in seinem Zimmer in einer Ravensburger Asylunterkunft neben einem Butterflymesser mehrere Tabletten Subutex – ein starkes Schmerzmittel, das auch zur Drogensubstitution verwendet wird.

Gegen den Angeklagten war bereits eine Klage anhängig, die mit dem Verfahren verbunden wird: Im August 2015 soll er in einer Ravensburger Spielothek einen Spieler ins Gesicht und in den Bauch geschlagen und einen erheblichen Teil seines Gewinns verlangt haben. Der andere habe sich lautstark gewehrt, daraufhin habe der Angeklagten das Lokal verlassen.

Der Angeklagte ist in Tschetschenien geboren und russischer Staatsbürger. Auf Fragen des vorsitzenden Richters Stefan Maier antwortete er kurz: Nach elfjähriger Schulzeit habe er in einer Antiterroreinheit der tschetschenischen Miliz gearbeitet. Sein Anwalt Achim Ziegler sagte, die Arbeit habe ihn belastet. "Er hat mir erzählt, dass es dort einen gravierenden Vorfall gab, aber er hat mir nicht erlaubt, das auszuführen", sagte Ziegler. "Er war mit dieser Sache nicht einverstanden und hat sich dem Dienst verweigert. Danach sah er sich dauernden Repressalien ausgesetzt."

2012 sei er geflohen, zunächst nach Polen und Frankreich. "Sein erstes Ziel war, aus der Gefahrenzone zu kommen." Angst um seine Familie in Tschetschenien bewege ihn, zum Erlebten zu schweigen. "Deshalb hat er auch im Zusammenhang mit seinem Asylantrag einen falschen Namen angegeben", sagte Ziegler. Der Angeklagte gab an, seit Juni 2014 in Deutschland zu leben, obwohl die Polizei seine Einreise bereits 2013 dokumentierte. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, das ausländerrechtliche Verfahren zur Ausweisung läuft.

Zum Hauptvorwurf äußerte sich der Angeklagte nicht. Ziegler erklärte, sein Mandant gebe den Besitz von Messer und Tabletten zu. Den Vorfall in der Spielothek schilderte er so: Sein Mandant habe den Zeugen flüchtig gekannt. Nach seinem Gewinn habe der andere ihm 50 Euro geschenkt, dann aber genervt auf das Interesse an seiner Glückssträhne reagiert. "Sie haben sich auf Russisch unterhalten", berichtete Ziegler. Der unflätige Ausdruck, mit dem der andere seinen Mandanten belegt habe, sei in Russland flapsig zu verwenden. "In Tschetschenien ist das eine ganz schlimme Beleidigung. Das hat er möglicherweise falsch verstanden und nicht richtig reagiert." Sein Mandant werde sich entschuldigen. Die Verhandlung wird fortgesetzt.