Fast vier Stunden muss die Dolmetscherin im Saal eins des Ravensburger Landgerichts Schwerarbeit leisten. Denn der 35-jährige Angeklagte rumänischer Herkunft spricht nicht nur leise und undeutlich. Auch die Vorgeschichte und Umstände der Gewalttat sind kompliziert und bizarr.

48-Jährigen mit Bajonett getötet

Mit einem Bajonett soll der Mann am Abend des 31. Januar in Ravensburg „unvermittelt und überraschend“, so Staatsanwalt Peter Spieler, auf seinen 13 Jahre älteren Nebenbuhler eingestochen und ihn tödlich verletzt haben. Mit 1,52 Promille schwer betrunken, flüchtete der Mann mit einem Auto vor der Polizei. Die Fahrt endete in einem Schneehaufen bei Wangen. Zum Mordvorwurf aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke meinte der Angeklagte gestern vor der 1. Großen Schwurgerichtskammer: „Ich kann nur sagen, dass es mir leidtut. Aber ich weiß gar nicht, was passiert ist.“

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Angeklagter soll auch Frau geschlagen haben

Auch der Lebenslauf des Mannes kam zur Sprache. Er war bei der Großmutter aufgewachsen und zum Automechaniker ausgebildet worden, arbeitete in Italien und Griechenland als Maler und Helfer in Orangenplantagen. 2012 kam er nach Oberschwaben, arbeitete als Maler und Helfer in einer Reinigung und lernte in einer Tabledance-Bar in Lindau eine Frau kennen. Die beiden zogen zusammen, die Frau wurde schwanger und nach der Geburt des Sohnes kam es zu handfesten Auseinandersetzungen. Die Frau flüchtete in ein Frauenhaus.

Frau lernt neuen Mann kennen

Auf wiederholte Fragen des Vorsitzenden Richters Veiko Böhm zu Gewalttätigkeiten in der Beziehung wich der Angeklagte aus. Die Beziehung? „Nicht gut und nicht schlecht. Aber ohne den Anderen noch schlechter.“ Dann kam die Frau nicht mehr in die gemeinsame Wohnung heim. Sie hatte einen neuen Mann kennengelernt. Zeugen sagten aus, der Angeklagte habe den Nebenbuhler gehasst. Gestern hörte sich das so an: „Ich habe ihn doch gar nicht gekannt.“

Dreiecksbeziehung orientiert sich an Arbeitszeiten des anderen Mannes

Stattdessen habe er angefangen, in der Bibel zu lesen, und gehofft, dass sie zurückkommt. Die Frau kam wieder, ging erneut zu dem Anderen. Die Dreiecksbeziehung führte zu der Situation, dass der Angeklagte mit Frau und Sohn zusammen war, wenn der Andere arbeitete. Hatte dieser frei, war die Frau bei ihm. Am Tattag soll es ein gemeinsames Frühstück gegeben haben, am Abend nach einem neuen Streit den tödlichen Gewaltausbruch mit dem Bajonett. Dabei hätte doch „alles bleiben sollen, wie es war“.

Der Prozess wird am Freitag, 19. Juli fortgesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich Ende August gesprochen.